Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

KIT-Professor Peter Gumbsch erhält Leibniz-Preis

07.12.2006
Höchstdotierter deutscher Forschungspreis für Materialwissenschaftler

Professor Dr. Peter Gumbsch vom Institut für Zuverlässigkeit von Bauteilen und Systemen (IZBS) der Universität Karlsruhe ist heute von der Deutschen Forschungsgemeinschaft mit dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis ausgezeichnet worden.

Der 44-jährige Werkstoffwissenschaftler ist in Personalunion Leiter des Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik in Freiburg und Halle. Gumbsch erhält für seine Forschungsarbeiten 2,5 Millionen Euro, die er in einem Zeitraum von bis zu sieben Jahren flexibel für seine Forschung einsetzen kann. Der Leibniz-Preis ist damit der höchstdotierte deutsche Forschungspreis. „Eine sehr große Ehre und natürlich eine ideale Basis, weiter in ergebnisoffene Grundlagenforschung zu investieren“, freute Gumbsch sich, als er erfuhr, dass sich die Jury der DFG für ihn als einen der Preisträger entschieden.

Neben seiner Forschertätigkeit an der Universität und am Fraunhofer-Institut wird Gumbsch zukünftig auch eine wichtige Rolle bei der Umsetzung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) spielen. Der hochrangige Ingenieur ist maßgeblich am Aufbau des von der Universität und dem Forschungszentrum Karlsruhe getragenen Instituts für Angewandte Materialwissenschaften (IAM) beteiligt.

Peter Gumbsch ist der vierte Leibniz-Preisträger der Universität Karlsruhe: 1986 erhielt Julius Wess (Professor der Theoretischen Physik) die begehrte Auszeichnung, 1991 folgte Dieter Fenske (Professor der Anorganischen Chemie). Martin Wegener (Professor in der Festkörperphysik) schließlich erhielt den Preis im Jahre 2000. Das Fraunhofer Institut für Werkstoffmechanik erhält mit Gumbsch seinen zweiten Leibnizpreisträger: 1991 wurde Professor Hermann Riedel damit ausgezeichnet.

Zur Forschung von Professor Peter Gumbsch

Die Simulation von Werkstoffen und hier insbesondere die Multiskalen- Materialmodellierung, also die mathematische Beschreibung von Werkstoffen über mehrere Größen- und Zeitskalen - von der atomaren Ebene über die Kristalle bis zum Werkstoff - prägen Gumbschs Forschungsarbeiten.

Um die Veränderung von Werkstoffeigenschaften in Fertigungsprozessen - wie beispielsweise dem Formen von Metallteilen -, oder im Einsatz von Bauteilen beispielsweise bei hohen Temperaturen oder unter Verschleiß genau beschreiben zu können, streben die Materialwissenschaftler danach, werkstoffphysikalische Prozesse bis hinunter zur atomaren Ebene zu verstehen. Dieses elementare Verständnis wiederum muss via Multiskalensimulation in ingenieurwissenschaftliche Simulationen Eingang finden. Zur Kopplung von Finite- Elemente-Simulationen mit atomistischen Techniken hat Gumbsch maßgebliche methodische Beiträge geleistet.

Mit Molekulardynamik und atomistischer Simulation ist Gumbsch und seinem Team in jüngster Zeit ein Durchbruch gelungen, der erklärt, wie Oberflächenstrukturen bei Beschichtungsprozessen entstehen und wachsen. „Die von uns entwickelten Simulationsmethoden sind ein entscheidender Schritt hin zum virtuellen Oberflächendesign und zum virtuellen Beschichtungsprozess“, erklärt der Preisträger.

I deen für die Verwendung des Preisgeldes hat Peter Gumbsch viele. Sein Forschungsinteresse konzentriert sich heute, wie er sagt, „auf das Niemandsland der Plastizitäts- und Bruchforschung. Die Entstehungsprozesse von Rissen und Versetzungen sind bislang nur ungenügend beschrieben“, erläutert er, „hierfür müssen Modelle entwickelt werden“. Für das Ermüdungsverhalten von technischen Bauteilen, deren Festigkeit aber auch den Verschleiß seien diese Prozesse von zentraler Bedeutung.

Zur Person:

Peter Gumbsch hat Physik an der Universität Stuttgart studiert, parallel dazu studierte er Wirtschaftswissenschaften. Nach seiner Promotion in Physik in Stuttgart war Peter Gumbsch ab 1991 als Gastwissenschaftler in London und Oxford, bevor er ans Max-Planck-Institut für Metallforschung in Stuttgart zurückkehrte. 2000 und 2001 lehnte er Rufe an die TU Braunschweig und an die Ohio State University ab, um eine C4-Professur in Karlsruhe anzunehmen. Zurzeit ist er Ordinarius für Werkstoffmechanik und Leiter des Instituts für Zuverlässigkeit von Bauteilen und Systemen der Universität Karlsruhe sowie Leiter des Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik (IWM) in Freiburg und Halle, das er seit 2001 führt.

Zum Leibniz-Preis:

Der zuständige Hauptausschuss der DFG hat heute zwei Wissenschaftlerinnen und acht Wissenschaftler für die Auszeichnung mit dem höchstdotierten deutschen Förderpreis bestimmt. Die neuen Leibniz-Preisträger erhalten 2007 erstmals eine Fördersumme von bis zu 2,5 Millionen Euro (vormals: 1,55 Millionen Euro) und können diese Mittel in einem Zeitraum von bis zu sieben Jahren (vormals: fünf Jahre) flexibel für ihre Forschungsarbeiten einsetzen. Das Leibniz-Programm wurde 1985 eingerichtet mit dem Ziel, die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zu verbessern, ihre Forschungsmöglichkeiten zu erweitern, sie von administrativem Arbeitsaufwand zu entlasten und ihnen die Beschäftigung besonders qualifizierter Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler zu erleichtern.

Mit der heutigen Entscheidung erhöht sich die Zahl der bisher im Leibniz- Programm vergebenen Preise auf 249. Davon kommen 54 aus den Geisteswissenschaften, 70 aus den Biowissenschaften, 89 aus den Naturwissenschaften und 36 aus den Ingenieurwissenschaften.

Weitere Informationen: Angelika Schukraft Universität Karlsruhe (TH) Presse und Kommunikation Telefon: 0721/608-6212 E-Mail: schukraft@verwaltung.uni-karlsruhe.de

Angelika Schukraft | Universität Karlsruhe (TH)
Weitere Informationen:
http://www.uni-karlsruhe.de
http://www.dfg.de

Weitere Berichte zu: Leibniz-Preis Physik Simulation Werkstoffmechanik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht BRIESE-Preis 2016: Intelligente automatisierte Bildanalyse erschließt Geheimnisse am Meeresgrund
20.01.2017 | Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

nachricht Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert
20.01.2017 | University of Twente

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise