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Einer der führenden europäischen Kolloidchemiker hält die Otto Warburg- Chemie-Vorlesung 2006

05.12.2006
Prof. Dr. Michal Borkovec (Genf) Ist auch gesuchter Gesprächspartner für industrielle Partner

Einer der führenden europäischen Kolloidchemiker, der an der Universität Genf lehrende Prof. Dr. Michal Borkovec ist der diesjährige Referent der von der Bayreuther Otto Warburg-Chemie-Stiftung ausgelobten und mit einem Preisgeld ausgestatteten Otto Warburg-Chemie-Vorlesung. Die Auszeichnung wird für seine international herausragenden Leistungen in der physikalischen Chemie verliehen. Bei seinem Vortrag am 7. Dezember (17 Uhr c. t., Hörsaal H 14, Gebäude NW I) trägt den Titel “Polyelektrolyte: Eine Herausforderung in der Physikalischen Chemie”

Prof. Borkovec (Jahrgang 1956), ist Professor in der Section de Chimie et Biochimie der Université de Genève und einer der führenden europäischen Kolloidchemiker. Seine Arbeitsgebiete umfassen die Chemie von Grenzflächen, die Polyelektrolyte und die Stabilität von kolloidalen Partikeln. Hier gelangen ihm grundlegende Beiträge, die international Beachtung gefunden haben. Da viele technische Prozesse in der Chemischen Industrie über kolloidale Systeme ablaufen, besitzen die Arbeiten von Prof. Borkovec auch großen praktischen Wert.

Borkovec hat sich frühzeitig für grenzüberschreitende Wissenschaft interessiert. Er hat in Bern Chemie studiert und 1986 an der Columbia University in New York promoviert. Es folgten Postdoc Aufenthalte an der Universität Bern und der ETH Zürich. Von 1998 bis 2001 war er Professor an der Clarkson University, Potdam, NY, U.S.A., zuerst als Associate Professor, ab 2000 dann als Full Professor tätig. Im Jahr 2001 folgte dann der Wechsel an die Universität Genf, wo er seit 2005 auch Department Chairman ist.

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Prof. Borkovec hat in seiner gesamten Laufbahn an kolloidchemischen Themen gearbeitet und dabei Außerordentliches geleistet. Ein Meilenstein seiner Forschung ist die Untersuchung von Polyelektrolyten, also von hochgeladenen Makromolekülen, die in Technik und Biologie eine große Rolle spielen. Hier gelang ihm die vollständige Lösung eines klassischen Problems auf diesem Gebiet, nämlich das der sog. Titrationskurven. Durch eine Kombination von eleganten Experimenten und grundlegender Theorie gelang ihm hier die vollständige Aufklärung der Vorgänge, die bei diesen Systemen beim Übergang vom neutralen bis hin zum voll geladenen Zustand auftreten. Diese Arbeiten wurden in neuerer Zeit durch Untersuchungen der Adsorption solcher Polyelektrolyte auf geladenen Oberflächen weitergeführt, wobei Prof. Borkovec auch hier mit viel beachteten Resultaten aufwarten konnte.

Ein weiteres wichtiges Thema der Forschungsaktivitäten von Prof. Borkovec ist die Stabilität von kolloidalen Suspensionen. Hier gelang ihm eine umfassende Überprüfung der sog. Derjaguin-Landau-Verwey-Overbeek Theorie, die unter dem Kürzel DLVO seit ca. 50 Jahren das zentrale Paradigma der Kolloidwissenschaften darstellt. In einer Reihe von systematischen Untersuchungen, die bis in das Jahr 1986 zurückreichen, konnte der neie Otto Warburg-Preisträger zeigen, dass diese Theorie bei korrekter Anwendung alle bekannten experimentellen Resultate beschreibt. Gerade diese Resultate, die auch von erheblicher praktischer Bedeutung sind, den Schweizer Forscher weit über die Grenzen seines Fachgebiets hinaus bekannt gemacht.

Er ist in seinen Arbeiten nicht auf grundlegende Probleme beschränkt, sondern hat sich stets auch mit Anwendungen der Kolloidchemie in den Umweltwissenschaften und der Kontrolle industrieller Prozesse beschäftigt. Auf diese Weise ist er auch ein gesuchter Gesprächspartner für industrielle Partner geworden.

Prof. Borkovec ist Träger des Louis P. Hammet Award der Columbia University, des Preises der Treubel Foundation und des Raphael-Eduard-Liesegang-Preises der Deutschen Kolloidgesellschaft.

Kerstin Wodal | Universität Bayreuth
Weitere Informationen:
http://www.uni-bayreuth.de

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