Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bundes-Innovationspreis Medizintechnik: Optoakustik macht Laser-Photokoagulationen sicherer

15.11.2006
Wissenschaftler an der Universität und dem Laserzentrum Lübeck haben ein Verfahren entwickelt, das bei Laserbehandlungen an der Netzhaut die Temperaturerhöhung stringent überwacht.

Hierzu wird ein automatisch gesteuerter Behandlungslaser entwickelt und klinisch erprobt. Auf diese Weise können Nebenwirkungen und Komplikationen der Photokoagulation erheblich verringert werden. Das Vorhaben ist einer der Gewinner des Innovationswettbewerbs Medizintechnik 2006 und soll vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit bis zu 1,5 Millionen Euro für die Durchführung eines Transferprojekts gefördert werden.

Photokoagulationen am Auge sind die erfolgreichsten Laseranwendungen in der gesamten Medizin. Seit über drei Jahrzehnten bewähren sie sich bei Erkrankungen der Netzhaut. Viele Studien und die jahrelange Praxis belegen den therapeutischen Erfolg der Laserbehandlung. Allein in Deutschland werden jährlich rund eine Million Laserphotokoagulationen der Netzhaut durchgeführt, unter anderem bei Thrombosen im Auge, altersbedingter Makuladegeneration und diabetischer Retinopathie. Diabetiker profitieren besonders von dem Verfahren, denn bei drei Viertel der Patienten entwickelt sich krankheitsbedingt eine Retinopathie. Die Laserkoagulation der Netzhaut erhält diesen Patienten das Augenlicht. Dies gilt auch für zahllose Menschen im Alter von über 65 Jahren, die an einer Makuladegeneration erkrankt sind.

Doch die Photokoagulation geht mit enormen Nebenwirkungen und häufigen Komplikationen einher. Hinzu kommen erhebliche Schmerzen, die diese Methode durch oft zu starke Koagulationen verursacht. Sie werden mit jeder Behandlung stärker und sind teilweise auch durch Schmerzmittel kaum zu lindern. Wenig erstaunlich also, dass die Patienten oft nicht ausreichend oder wiederholt behandelt werden. Die Angst vor dem Schmerz fordert ihren Tribut. Noch mehr gefürchtet sind die Schäden, die der Laser anrichtet. Durch die enorme Hitze wird nicht selten die Sehfähigkeit vermindert - eine irreversible Folge der Laserbestrahlung, wobei das Ausmaß der Netzhautschädigung durch die erzeugte Temperaturerhöhung bestimmt wird.

Wissenschaftler vom Institut für Biomedizinische Optik (BMO) der Universität zu Lübeck und dem Medizinischen Laserzentrum Lübeck (MLL) haben nun ein Verfahren entwickelt, mit dem die Temperatur permanent zu kontrollieren ist. Im Projekt werden die Temperaturerhöhung und das Ausmaß der Schädigung korreliert. Der neu zu entwickelnde Behandlungslaser soll dann auf die Temperatur zur therapeutisch gewünschten, minimalen Schädigung der Netzhaut geregelt werden. Sobald diese erreicht ist, soll sich der Laser automatisch abschalten.

Eine solche temperaturgesteuerte Laserbehandlung ist nach den Worten von Dr. Ralf Brinkmann "das Wunschziel". Mittels Optoakustik kann dieses Ziel verwirklicht werden: Das MLL hat sich ein Verfahren patentieren lassen, das auf der Messung und Auswertung der durch die Laserstrahlung erzeugten, sehr geringen Druckwellen durch thermische Gewebeexpansion beruht. Die Temperaturbestimmung erfolgt instantan, was eine automatische Dosisanpassung der Laserbestrahlung ermöglicht. Laut Brinkmann sollen sich so reproduzierbar gleiche, frei wählbare und minimal invasive Koagulationsstärken erzielen lassen.

Das optoakustische Verfahren wird am BMO grundlegend untersucht, am MLL technisch realisiert und an der Augenklinik des Universitätklinikums Schleswig-Holstein Campus Kiel klinisch getestet. Hierzu werden in Zusammenarbeit mit der Fa. WaveLight AG entsprechende Funktionsmuster entwickelt. Die temperaturkontrollierte Laserbestrahlung verkürzt die Behandlung und macht sie erheblich sicherer, indem sie Funktionsverluste verringert. Ferner sorgt sie dafür, dass die Patienten weniger Schmerzen haben. Nicht zuletzt verringert sich die Zahl der Behandlungen. Bei so vielen Vorteilen kann das neu zu entwickelnde System auf gute Absatzchancen hoffen, langfristig prognostiziert sind ca. 25.000 Geräte rund um den Globus. Brinkmann: "Jede Augenklinik und größere Praxis weltweit ist ein potenzieller Abnehmer des automatisch gesteuerten Photokoagulators."

Dr. Brinkmann ist - nach 2002 und 2004 - bereits zum dritten Mal Gewinner im Innovationswettbewerb des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zur Förderung der Medizintechnik. Bundesforschungsministerin Dr. Annette Schavan überreichte den Preis am Dienstag, dem 14. November 2006, um 19 Uhr auf der Medica, der weltgrößten Medizinmesse, in Düsseldorf.

891.000 Euro der Preissumme von 1,5 Millionen Euro gehen an das Institut für Biomedizinische Optik und das Medizinische Laserzentrum, 220.000 Euro an die Universitätsaugenklinik Kiel und der übrige Betrag an die beteiligte Firma WaveLight.

Der Wettbewerb ist national ausgeschrieben. In der Regel werden jährlich zehn bis zwölf Projekte gefördert. Seit diesem Jahr gibt es eine Wettbewerbsmodul Transfer, bei dem nicht nur, wie bisher, einzelne Projekte, sondern ein Forschungsverbund gefördert wird. Entsprechend höher sind die Preisgelder für die Förderung.

Rüdiger Labahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.bmo.uni-luebeck.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Sechs innovative Projekte sind im Rennen um den begehrten European Health Award 2017
17.08.2017 | European Health Forum Gastein

nachricht ERC-Grants: Fünf neue Projekte an der LMU
11.08.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie