Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Anschubfinanzierung für Forschungszentren

13.11.2006
BMBF fördert ab 2007 zwei neue Zentren für Innovationskompetenz an der Universität Jena

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat zwei Initiativen der Friedrich-Schiller-Universität Jena ausgewählt, die es im Rahmen des Programms "Zentren für Innovationskompetenz: Exzellenz schaffen - Talente fördern" (ZIK) unterstützt. Das gab Bundesforschungsministerin Annette Schavan anlässlich der Eröffnung der derzeit in Berlin stattfindenden Innovationswoche Ost bekannt.

Ziel des Programms ist es, leistungsstarke Forschungszentren in Ostdeutschland zu etablieren und so nachhaltige wissenschaftliche und wirtschaftliche Impulse zu setzen. Bereits seit 2005 wird im Rahmen dieses Programms die Initiative "ultra optics" der Jenaer Universität gefördert.

Jetzt wurden insgesamt zwölf Initiativen in Ostdeutschland ausgewählt, darunter zwei in Thüringen (beide in Jena). Sie erhalten ab Anfang 2007 jeweils rund 250 000 Euro und sollen innerhalb eines Jahres eine Strategie und ein Konzept für den Aufbau eines Forschungszentrums entwickeln. In der dann anstehenden weiteren Runde des Auswahlverfahrens wird entschieden, welche Zentren Fördermittel in Millionenhöhe erhalten. Die beiden ausgewählten Initiativen der Universität Jena sind das Kompetenzzentrum für "Lebensbedrohliche Infektionen" und "OptoFood - Innovative optische und spektroskopische Technologien für sichere und bessere Lebensmittel".

Im "Theragnostic-Kompetenzzentrum für Lebensbedrohliche Infektionen" arbeiten Forscher der Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie (Prof. Dr. Konrad Reinhart) und des Instituts für Medizinische Mikrobiologie des Universitätsklinikums (Prof. Dr. Eberhard Straube) und des Hans-Knöll-Instituts (Prof. Dr. Axel Brakhage) zusammen. "Theragnostics" vereint die Begriffe "therapeutics" und "diagnostics" und steht für eine bessere Verknüpfung der Therapien mit der Diagnose von lebensbedrohlichen Infektionen. Deren Häufigkeit nimmt weltweit zu. Allein in Deutschland erkranken jedes Jahr rund 150 000 Menschen an einer Sepsis (Blutvergiftung). Beinahe die Hälfte der Patienten überlebt diese Krankheit nicht. "Damit ist Sepsis die dritthäufigste Todesursache in Deutschland", macht Prof. Dr. Konrad Reinhart das Problem deutlich. Er ist Sprecher des neuen Zentrums.

Doch ist die Sepsis nicht nur ein medizinisches, sondern auch ein enormes sozioökonomisches Problem. Schon heute ist die Sepsis mit jährlich rund 1,7 Milliarden Euro der führende Kostenfaktor für Deutschland in der Intensivmedizin. "Entscheidend für das Überleben von Patienten mit einer lebensbedrohlichen Infektion ist eine frühzeitige Diagnose", betont Prof. Reinhart. Ziel des neuen Kompetenzzentrums ist es deshalb, neue hochsensitive Diagnostika zu entwickeln, die einen frühen Beginn der Therapie ermöglichen. Außerdem sollen Diagnostik und Therapie besser miteinander verknüpft werden, um teure Therapien möglichst zielgenau einsetzen zu können. Dabei werden individuelle Patientendaten und speziell auf den Krankheitsverlauf bezogene Faktoren berücksichtigt. "Darin liegt ein beträchtliches Einsparpotenzial bei den Behandlungskosten", so Prof. Reinhart.

Die Initiative "OptoFood" bringt die Branchen "Optische Technologien" und "Lebensmittelproduktion" zusammen. "Unser Ziel ist es, effizientere Prozesskontrollen und ein besseres Qualitätsmanagement für die Lebensmittelproduktion zu ermöglichen", erklärt Prof. Dr. Jürgen Popp. Der Direktor des Instituts für Physikalische Chemie der Friedrich-Schiller-Universität Jena leitet die "OptoFood"-Initiative, der auch Forscher des Instituts für Ernährungswissenschaften der Jenaer Universität (Prof. Dr. Michael Ristow) und des Fachgebiets Qualitätssicherung und Bildverarbeitung der TU Ilmenau (Prof. Dr. Gerhard Linß) angehören.

Wie zahlreiche Lebensmittelskandale der vergangenen Jahre belegen - angefangen von Acrylamid in Kartoffelchips, über BSE bis hin zu Gammelfleisch -, sind die bisherigen stichprobenartigen Kontrollen der Lebensmittelqualität ungenügend. "Es reicht nicht aus, erst das fertige Produkt zu kontrollieren. Vielmehr wäre es wünschenswert, eine durchgängige Kontrolle aller pflanzlichen und tierischen Lebensmittel zu erreichen. Es soll also zukünftig die Kontrolle der Lebensmittelproduktion vom Acker bis ins Supermarktregal durchgängig realisiert werden", nennt Prof. Popp das langfristige Ziel der Initiative. "Schließlich hat die Qualität unserer Lebensmittel einen entscheidenden Einfluss auf unsere Gesundheit", so Prof. Popp weiter. Darüber hinaus können natürlich auch die Landwirte einen der Qualität ihrer Produkte entsprechenden Preis erzielen.

Um diese Ziele zu erreichen, kombiniert die Initiative "OptoFood" optische und spektroskopische Analysemethoden mit statistischen Auswerteverfahren. Die optischen Technologien haben den Vorteil, dass sie schnell, berührungslos und mit hoher Genauigkeit detaillierte Informationen über die Qualität der untersuchten Stoffe liefern. Am Ende werden dann innovative Lösungen stehen, mit denen sich im Produktionsalltag sämtliche Prozesse kontrollieren lassen. Damit könne man beispielsweise die Nährstoff-Zusammensetzung und Schadstoffbelastung von Nahrungs- oder Futterpflanzen bestimmen oder genveränderte Pflanzen in Lebensmitteln aufspüren, so Prof. Popp.

Kontakt:
Prof. Dr. Konrad Reinhart
Klinik für Anästhesiologie und Intensivtherapie des Universitätsklinikums Jena
Erlanger Allee 101, 07747 Jena
Tel.: 03641/9323101
E-Mail: konrad.reinhart[at]med.uni-jena.de
Prof. Dr. Jürgen Popp
Institut für Physikalische Chemie der Friedrich-Schiller-Universität jena
Helmholtzweg 4, 07743 Jena
Tel: 03641 / 948302
E-Mail: juergen.popp.[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

Weitere Berichte zu: Anästhesiologie Infektion Intensivtherapie Sepsis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Digitale Transformation für den Mittelstand – Projekt „Digivation“ erhält 1,5 Mio. Euro vom Bund
27.02.2017 | Universität Paderborn

nachricht Bildsprache gegen Arbeitskräftemangel
27.02.2017 | Hochschule Augsburg - Hochschule für angewandte Wissenschaften

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Proteine Zellmembranen verformen

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor Oliver Daumke vom MDC erforscht. Er und sein Team haben nun aufgeklärt, wie sich diese Proteine auf der Oberfläche von Zellen zusammenlagern und dadurch deren Außenhaut verformen.

Zellen schnüren regelmäßig kleine Bläschen von ihrer Außenhaut ab und nehmen sie in ihr Inneres auf. Daran sind die EHD-Proteine beteiligt, die Professor...

Im Focus: Safe glide at total engine failure with ELA-inside

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded after a glide flight with an Airbus A320 in ditching on the Hudson River. All 155 people on board were saved.

On January 15, 2009, Chesley B. Sullenberger was celebrated world-wide: after the two engines had failed due to bird strike, he and his flight crew succeeded...

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Poseidon goes Politics – Wer oder was regiert die Ozeane?

27.02.2017 | Veranstaltungen

Fachtagung Rapid Prototyping 2017 – Innovationen in Entwicklung und Produktion

27.02.2017 | Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herz-Untersuchung: Kontrastmittel sparen mit dem Mini-Teilchenbeschleuniger

27.02.2017 | Medizintechnik

Neue Maßstäbe für eine bessere Wasserqualität in Europa

27.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wenn der Schmerz keine Worte findet - Künstliche Intelligenz zur automatisierten Schmerzerkennung

27.02.2017 | Medizintechnik