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MonAmi - 340.000 Euro EU-Forschungsgelder für elektronische Hilfen für alte und pflegebedürftige Menschen

12.10.2006
Informations- und Kommunikationstechnologien spielen in unserer Gesellschaft eine immer wichtigere Rolle. Autos, Unterhaltungselektronik und sogar Haushaltsgeräte werden zunehmend mit Netzwerkverbindungen, Sensoren und einem gewissen Maß an Intelligenz ausgestattet.

Damit können sie Gefahren erkennen, flexibel auf Benutzerbedürfnisse reagieren und mehr Funktionalität anbieten. Das e-Inclusion Programm der Europäischen Union hat es sich zur Aufgabe gemacht, den Einsatz solcher Technologien zum Wohle älterer, behinderter und pflegebedürftiger Menschen zu fördern.

In diesem Programm ist auch das "MonAmi"-Projekt angesiedelt, an dem der Lehrstuhl für Eingebettete Systeme der Universität Passau gemeinsam mit 13 weiteren Partnern beteiligt ist. Dabei fließen 340.000 Euro EU-Gelder nach Niederbayern. Die Zielgruppe des Projektes sind Personen, die durch körperliche oder kognitive Defizite Schwierigkeiten mit einer selbständigen Bewältigung des Alltags haben. Mit Hilfe einer "intelligenten Umgebung" sollen die Selbständigkeit, die soziale Integration und Lebensqualität solcher Menschen gefördert werden. Dadurch soll es solchen Menschen länger möglich sein, im eigenen Zuhause statt im Pflegeheim zu leben.

An dem Projekt sind insgesamt 14 Partner aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweden, der Slowakei, Spanien und der Türkei beteiligt. Neben der Universität Passau kommt mit Siemens Business Service lediglich ein weiterer Partner aus Deutschland.

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Das Projektvolumen beträgt rund 13 Millionen Euro, davon kommen 9 Millionen als Fördersumme von der Europäischen Union. Die Universität Passau ist mit rund 340.000 Euro an dem Projekt beteiligt. Begonnen wurde das Projekt im September 2006, im August 2010 soll es abgeschlossen sein.

Die öffentlichen Ausgaben für den Gesundheitssektor steigen permanent; zudem werden die Menschen - auch dank des medizinischen Fortschritts - immer älter. Die Gesellschaften in ganz Europa stellt dies vor enorme Herausforderungen. Während einige Zeit Seniorenheime in allen Variationen bzw. Pflegeheime gebaut wurden, geht der Trend in ganz Europa mittlerweile dahin, älteren Menschen möglichst lange ein selbstbestimmtes Leben in ihren eigenen vier Wänden zu ermöglichen. Allerdings gehen mit diesem Trend auch zahlreiche Probleme einher: Im (hohen) Alter steigt beispielsweise die Gefahr von Unfällen im Haushalt, z. B. durch Stürze, oder die Gefahr von Bränden durch umgestoßene Kerzen. Demenzkranke Menschen vergessen den Herd abzuschalten oder den Wasserhahn abzudrehen. Zudem kann es zu einer Isolierung von anderen Menschen und der Außenwelt kommen; eine Teilhabe am öffentlichen Leben ist häufig nicht mehr möglich.

Mehrere europaweite Projekte haben gezeigt, dass eine stärkere technologische Ausstattung des Lebensumfelds älterer Menschen viele dieser Probleme beheben und damit die Lebensqualität der Betroffenen erheblich erhöhen kann. Allerdings kamen die wenigsten dieser Projekte über die Studien- und Planungsphase hinaus oder wurden nur auf lokaler Ebene umgesetzt.

Im Rahmen des EU-Projekts MonAMI soll nun gezeigt werden, dass der flächendeckende Einsatz solcher Technologien in der Praxis möglich ist. Dazu wird zunächst in enger Zusammenarbeit mit den Betroffenen, deren Umfeld und mit den Betreuern ermittelt, welche Funktionalitäten wirklich nützlich und in der Praxis realisierbar sind. Diese sollen dann in einem großangelegten Feldversuch implementiert und europaweit evaluiert werden.

Rolle der Uni Passau´

Ein wichtiger Forschungsschwerpunkt des Lehrstuhl für Eingebettete Systeme der Universität Passau (Lehrstuhlinhaber ist seit 1. April Professor Dr. Paul Lukowicz) sind "intelligente Umgebungen", die mit Hilfe einfacher Sensoren menschliche Aktivitäten erfassen und erkennen können. Dies wird auch der Aufgabenbereich der Uni Passau im MonAmi-Projekt sein.

Im einfachsten Fall werden hierzu Bewegungssensoren, Ortungssensoren oder Funketiketten (RFID) verwendet, wie sie zur Diebstahlkontrolle in Kaufhäusern benutzt werden. Außerdem kann mit an Steckdosen bzw. Wasseranschlüssen angebrachten Sensoren festgestellt werden, wann welche Geräte in Betrieb sind. Damit kann ermittelt werden, in welchen Räumen sich Personen aufhalten bzw. mit welchen Gegenständen sie gerade interagieren. Mit Hilfe dieser Information können Unfälle und Gefahren erkannt werden, diverse Erinnerungsfunktionen realisiert werden und die Bedienung diverser Geräte vereinfacht werden. So kann beispielsweise die Tatsache, dass eine ältere Person sich länger unbeweglich im Flur befindet, darauf hindeuten, dass sie ohnmächtig geworden ist und Hilfe braucht. Wird die Küche für längere Zeit verlassen, ohne dass der Herd oder das Wasser abgestellt wurden, kann ein Erinnerungsalarm ausgelöst werden. In aufwendigeren Anwendungen kann eine in einer Uhr eingebaute Kombination aus einem Bewegungssensor und einem Mikrophon komplexe Aktivitäten wie die Zubereitung von Speisen, das Essen und Trinken oder Haushaltstätigkeiten (Staubsaugen, Abwaschen) erkennen.

Damit kann das System beispielsweise helfen, ärztlich vorgegebene Ernährungszeiten und die Einnahme von Medikamenten einzuhalten. Bei Personen mit Demenzerscheinung können solche Systeme durch die Unterstützung bei der Aufrechterhaltung eines geordneten Alltagslebens eine Einlieferung ins Pflegeheim verzögern.

Thoralf Dietz | idw
Weitere Informationen:
http://es.fmi.uni-passau.de/lehrstuhl/

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