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Bernstein Preis: Junger Hirnforscher erhält 1,25 Millionen Euro

29.09.2006
BMBF verleiht erstmals hoch dotierten Preis für Nachwuchswissenschaftler - Spitzentalente sollen an Deutschland gebunden werden

"Mit dem neu geschaffenen Bernstein Preis wollen wir exzellente Nachwuchskräfte aus den Neurowissenschaften auszeichnen. Junge Forscherinnen und Forscher aus Deutschland oder dem Ausland bekommen damit hervorragende Startbedingungen, um selbständig eine Arbeitsgruppe an einer deutschen Forschungseinrichtung aufzubauen. Wir wollen die Besten für uns gewinnen", sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan am Freitag in Berlin. Den mit 1,25 Millionen Euro dotierten Preis des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) erhält der 33-jährige Dr. Matthias Bethge vom Max-Planck-Institut für Biologische Kybernetik in Tübingen. Dort wird er mit dem Preisgeld seine eigene Arbeitsgruppe aufbauen.

Die Auszeichnung soll jährlich an exzellente Nachwuchsforscher mit innovativen Projektideen im Bereich Computational Neuroscience verliehen werden. Auf diesem Gebiet der Neurowissenschaften sind Experiment und Theorie eng miteinander verknüpft: Experimentelle Daten werden mit Hilfe mathematischer Modelle umgesetzt in Computersimulationen. Der Physiker Bethge wurde von einer internationalen Jury für seine bisherigen Leistungen in der Gehirnforschung und für sein innovatives Forschungsprogramm ausgewählt. Er untersucht, wie das visuelle System aus der riesigen Menge an sensorischem Input verwertbare Rückschlüsse ziehen kann. Sein Projekt verspricht grundlegend neue Erkenntnisse über die visuelle Wahrnehmung. Die Ergebnisse können langfristig auch in die Weiterentwicklung von Sehprothesen einfließen.

Bethge erhält seine Auszeichnung am 1. Oktober während des 2. Bernstein Symposiums in Berlin, einer Fachveranstaltung des Nationalen Netzwerks für Computational Neuroscience. Im Rahmen dieses Netzwerkes fördert das BMBF seit 2004 vier Bernstein Zentren mit insgesamt 36 Millionen Euro. Die Zentren in Berlin, Freiburg, Göttingen und München bilden den Kern des jungen Forschungsfeldes in Deutschland. Informatiker, Biologen, Physiker und Mediziner verbinden hier theoretische und experimentelle Neurowissenschaften und erforschen die neuronalen Grundlagen von Hirnleistungen. Die Forschung soll ein besseres Verständnis der Gehirnfunktionen ermöglichen und so dazu beitragen, Anwendungen in den Bereichen Informationstechnologien, Gesundheit und Bildung zu fördern. Neben hochkarätigen wissenschaftlichen Projekten ist eine erstklassige Ausbildung für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wesentliches Ziel der vier Bernstein Zentren. Der Bernstein Preis soll dabei Spitzentalente an Deutschland binden.

Der Preis und die Forschungszentren sind nach dem deutschen Physiologen Julius Bernstein (1839-1917) benannt.

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