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Schavan: Neue Chancen für Analphabeten in Deutschland

08.09.2006
Bundesbildungsministerium unterstützt neuen Förderschwerpunkt mit 30 Millionen Euro / Zahl der Analphabeten soll in fünf Jahren halbiert werden

"Die Bekämpfung von Analphabetismus und eine solide Grundbildung für jeden gehören zu den zentralen Erwartungen an ein gerechtes Bildungssystem. Gesellschaftspolitisches Ziel muss es sein, die Zahl der funktionellen Analphabeten in Deutschland in den nächsten fünf Jahren zu halbieren", sagte Bundesbildungsministerin Annette Schavan auf der zentralen Veranstaltung zum diesjährigen Weltalphabetisierungstag der UNESCO am 8. September in Berlin.

Deutschland unterstützt die Weltalphabetisierungsdekade der Vereinten Nationen, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Zahl der Analphabeten zwischen 2003 und 2012 weltweit zu halbieren. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) setzt mit dem neuen Förderschwerpunkt "Forschung und Entwicklung zur Alphabetisierung und Grundbildung für Erwachsene" ein deutliches Signal. Schavan kündigte an, dafür über einen Zeitraum von fünf Jahren rund 30 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. In einem Ideenwettbewerb sollen vier neue große Forschungsverbundprojekte zur Förderung ausgewählt werden. Ziel der Projekte sollen effizientere Lernangebote und eine bessere Beratung für Betroffene sein.

Zu den bereits erfolgreich arbeitenden Projekten, die vom BMBF gefördert werden, gehört unter anderen das Internetportal "Zweite Chance online" mit der Lernplattform www.ich-will-schreiben-lernen.de, bei der zurzeit fast 11.000 Nutzer angemeldet sind. Das E-Learning-Portal ermöglicht neben vielfältigen Einsatzformen in Kursen auch das anonyme Lernen von zu Hause aus. "Es ist eine große Leistung, wenn Erwachsene den Mut finden, sich zu ihrer Lese- und Schreibschwäche zu bekennen und ihre zweite Chance zum Lernen ergreifen", lobte Bundesministerin Schavan.

In Deutschland selbst gibt es nach Schätzung des Bundesverbandes Alphabetisierung rund vier Millionen Menschen mit Schwächen im Lesen, Schreiben und auch Rechnen. Damit haben diese Menschen nicht nur auf dem Arbeitsmarkt sehr gering Chancen. Sie sind auch in ihrer gesamten Lebensqualität beeinträchtigt. "Es ist besonders wichtig, junge Menschen zu erreichen, die trotz Schulabschluss so unsicher sind, dass ihre Fähigkeiten für eine Lehrstelle nicht ausreichen", so Bundesministerin Schavan. Sie kündigte eine enge Zusammenarbeit mit den Ländern an, um die Angebote für solche Menschen zu verbessern.

Silvia von Einsiedel | idw
Weitere Informationen:
http://www.bmbf.de

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