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Helmholtz-Forscher mit japanischem Geopreis geehrt

07.09.2006
Methanproduktion von Mikroorganismen in der tiefen Erdkruste / Auslöser ist bei Erdbeben freigesetzter Wasserstoff

Karin Bräuer vom Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ) und Horst Kämpf vom GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ) sind mit dem Geochemical Journal Award geehrt worden. Sie nahmen den Preis am 1. September auf der Goldschmidt-Konferenz im australischen Melbourne stellvertretend für eine deutsche Forschergruppe entgegen, an der neben den Helmholtz-Zentren UFZ Leipzig-Halle und GFZ Potsdam auch Wissenschaftler der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Hannover, der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig und des Institutes für Nichtklassische Chemie (INC) Leipzig beteiligt sind.

Der Geochemical Journal Award wird jährlich von der Geochemischen Gesellschaft Japans für die besten Publikation des Jahres vergeben. Die Geochemische Gesellschaft Japans wurde 1953 gegründet und zählt über 1000 Mitglieder. Der Preis wird jährlich auf der Goldschmidt-Konferenz überreicht. Der Chemiker Victor Moritz Goldschmidt gilt als einer der Begründer der modernen Geochemie.

Die tiefe Biosphäre

Die deutschen Wissenschaftler erhielten die Ehrung für eine Publikation über die Methanproduktion von Mikroorganismen in der tiefen Erdkruste, die durch bei Erdbeben freigesetzten Wasserstoff ausgelöst wird. Die Wissenschaftler waren auf diesen Effekt bei einer Zeitreihenuntersuchung (Monitoring) der Gas- und Isotopenzusammensetzung des Quellgases der Wettinquelle, einer Mineralquelle im sächsischen Bad Brambach, gestoßen. Während des Beobachtungszeitraumes gab es zwischen August und Dezember 2000 eine Periode stärkerer Schwarmbeben, infolge dessen der Methangehalt im Quellwasser anstieg. Isotopenanalysen am Methan deuteten auf mikrobiell gebildetes Methan. Die Wissenschaftler vermuten daher einen Zusammenhang zwischen seismischer Aktivität und der Methanproduktion durch Mikroorganismen, die als Energiequelle Wasserstoff nutzen, der durch die Beben aus den Rissen des Granitgesteins freigesetzt wird. Die Untersuchungen wurden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.

Schwarmbeben im Dreiländereck

Die Region im Dreiländereck Sachsen-Bayern-Böhmen gilt als eines der seismisch aktivsten Gebiete in Deutschland. Im Zeitraum einiger Tage bis mehrerer Wochen kann es dann im vogtländisch-böhmischen Grenzgebiet zu Tausenden von schwachen Erdstößen kommen. Die Spannungen entladen sich nicht in einem großen Einzelbeben, sondern in vielen kleinen Minibeben. Die Wissenschaftler nennen dieses Phänomen Schwarmbeben. Erdbeben entstehen in der Regel an Grenzen zwischen zwei tektonischen Platten. Von diesen tektonisch aktiven Plattengrenzen ist das Vogtland aber weit entfernt. Bereits im letzten Jahr hatten die Wissenschaftler um die Isotopenchemikerin Karin Bräuer vom UFZ einen Hinweis für das Entstehen dieser Schwarmbeben geliefert. Ihrer Hypothese zufolge sind ständig aufsteigende, CO_2 -dominierte Gase aus einem Magmenreservoir, das in etwa 25 bis 35 Kilometer Tiefe unter dem Egerbecken vermutet wird, die Ursachen für diese Erscheinung.

Karin Bräuer, Horst Kämpf, Eckhard Faber, Ulrich Koch, Horst-Michael Nitzsche and Gerhard Strauch: Seismically triggered microbial methane production relating to the Vogtland—NW Bohemia earthquake swarm period 2000, Central Europe.

Geochemical Journal, Vol. 39 (No. 5), pp. 441-450, 2005

http://www.terrapub.co.jp/journals/GJ/abstract/3905/39050441.html
http://www.geochem.jp/english/about_e/prizes.html
Preisträger des Geochemical Journal Awards
http://www.dfg.de/gepris/nachweise/204546.html
http://www.dfg.de/gepris/nachweise/204623.html
DFG-Förderung
http://www.ufz.de/index.php?de=6141
Erstmals Anzeichen für magmatische Aktivität in Mitteleuropa beobachtet - Wissenschaftler finden neue Erklärung für Schwarmbeben im Vogtland

(Pressemitteilung vom 22. September 2005)

http://www.badbrambach.de/vistadt/wettin.php

Wettinquelle

Weitere fachliche Information über:

Dr. Karin Bräuer / Dr. Gerhard Strauch
Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ)
Telefon: 0345-558-5206, 0341-235-3982
und
Dr. Horst Kämpf
GeoForschungsZentrum Potsdam (GFZ)
Telefon: 0331-288-1432
oder über:
Doris Böhme / Tilo Arnhold
Umweltforschungszentrum Leipzig-Halle (UFZ), Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Telefon: 0341-235-2278
E-Mail: presse@ufz.de
Das GFZ Potsdam umfasst als Helmholtz-Zentrum für Geoforschung alle Diszipli­nen der Geowissenschaften von der Geodäsie bis zum Geoingenieurwesen und betreibt sie in einem engen interdisziplinären Verbund mit den benachbarten Naturwissenschaften Physik, Mathematik und Chemie sowie den ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen Felsmechanik, Geotechnik, Ingenieurhyd­rologie und Ingenieurseismologie.

Das UFZ Leipzig-Halle ist das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung. Es erforscht die komplexen Wechselwirkungen zwischen Mensch und Umwelt in genutzten und gestörten Landschaften, insbesondere dicht besiedelten städtischen und industriellen Ballungsräumen sowie naturnahen Landschaften. Die Helmholtz-Gemeinschaft ist mit ihren 15 Forschungszentren und einem Jahresbudget von rund 2.2 Milliarden Euro die größte Wissenschaftsorganisation Deutschlands. Die insgesamt 24.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Helmholtz-Gemeinschaft forschen in den Bereichen Struktur der Materie, Erde und Umwelt, Verkehr und Weltraum, Gesundheit, Energie sowie Schlüsseltechnologien. Sie entwickeln Konzepte und Verfahren, die helfen sollen, die natürlichen Lebensgrundlagen für nachfolgende Generationen zu sichern.

Franz Ossing | GFZ
Weitere Informationen:
http://www.gfz-potsdam.de/news
http://www.ufz.de/index.php?de=640

Weitere Berichte zu: Erdbeben Methanproduktion Mikroorganismus Schwarmbeben UFZ Wasserstoff

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