Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gesundheitliche Probleme von Kindern - wie die Eltern erreichen?

22.08.2006
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert Präventionsforschung an der Universität Bielefeld mit 730.000 Euro.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung stellt der Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld insgesamt 730.000 Euro zur Verfügung, um neue Konzepte für die Verbesserung der Gesundheitsbildung in Familien zu erproben und wissenschaftlich zu überprüfen. In einem mehrstufigen Wettbewerb konnte ein Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Hurrelmann, Dr. Uwe Bittlingmayer und Dr. Kordula Marzinzik sich den Zuschlag für das Projekt im Bereich der Präventionsforschung und Gesundheitsbildung in Familien sichern.

Ein besonderer Schwerpunkt des Forschungsprojekts "BEEP" (Bielefelder Evaluation von Elternedukations-Programmen) liegt auf der Frage, wie sozial benachteiligte Familien in schlechter wirtschaftlicher Lage - deren Kinder heute überdurchschnittlich viele gesundheitliche Probleme aufweisen - erreicht werden können.

Das Bielefelder Forschungsteam arbeitet schon seit vier Jahren an diesem Thema. So konnte in systematischen Untersuchungen nachgewiesen werden, dass die in Deutschland flächendeckend angebotenen Früherkennungsuntersuchungen für Gesundheitsstörungen bei Kindern (die so genannten U-Untersuchungen durch die Kinderärzte, die bis zum 5. Lebensjahr angeboten werden) gerade von den Eltern nicht wahrgenommen werden, deren Kinder besonders viele körperliche und psychische Risikofaktoren aufweisen. "Viele Eltern aus Familien mit einem schwierigen wirtschaftlichen oder auch einem Migrationshintergrund scheuen den Weg zum Kinderarzt", so Projektleiter Prof. Dr. Klaus Hurrelmann. "Deswegen bleiben bei ihren Kindern viele gesundheitliche Störungen unentdeckt, die bei einer frühen Behandlung leicht korrigiert werden könnten - es kommt zu einer Verfestigung von Ernährungs-, Koordinations- und Leistungsschwierigkeiten, die sich bis zum Schuleintritt und meist auch darüber hinaus immer weiter hochschaukeln." Die Bielefelder Wissenschaftler sprechen von einem "Präventionsdilemma", weil durch vorbeugende Schritte gerade diejenigen Eltern und ihre Kinder nicht erreicht werden, bei denen eine frühe Hilfe besonders große Wirksamkeit hätte.

... mehr zu:
»BEEP »Gesundheitsbildung

Ein anderes Beispiel sind Elterntrainingskurse. Die Bielefelder Wissenschaftler untersuchen seit längerem am Beispiel des in Deutschland weit verbreiteten Angebotes STEP, warum dieses Kompetenz fördernde Elterntraining von Eltern aus gut situierten Haushalten gerne angenommen wird, Eltern aus wirtschaftlich und sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen aber fernbleiben. Bisher haben Anreize und Appelle an diese Eltern nicht zu einer Verbesserung der Situation und zu häufigeren Besuchen von Elternkursen geführt. Der finanzielle Aufwand, der mit den Angeboten verbunden ist, ist ein wichtiger Faktor, aber keineswegs der einzige. Die Motive hinter den Ablehnungen wirksamer Elternbildung sind vielschichtig und werden im Projekt BEEP im Zentrum stehen.

Welche Strategien erfolgreich sind, um die bisher zurückhaltenden Eltern für die Gesundheitsbildung und das Erziehungstraining zu gewinnen, das sind die entscheidenden Fragestellungen des neu genehmigten Forschungsprojektes des Bundesforschungsministeriums. Im Rahmen des Schwerpunktprogramms "Präventionsforschung" sollen die Bielefelder Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor allem eine mögliche Strategie detailliert untersuchen.

Projektleiter Prof. Dr. Klaus Hurrelmann: "Erste Erfolge zeigen sich, wenn Programme zur Verbesserung der Gesundheitsbildung und des Erziehungsverhaltens von Eltern nicht auf dem freien Markt angeboten werden, sondern in einen institutionellen Kontext einbezogen sind. Die Weltgesundheitsorganisation spricht hier von einem Setting-Bezug. Ein Beispiel ist das verbindliche Angebot zum Besuch eines Elternkurses dann, wenn das Kind in einer Kindestagesstätte aufgenommen wird. Schulen machen die Erfahrung, dass ihre Attraktivität sogar gesteigert wird, wenn sie den Besuch von Elterntraining zur Voraussetzung zur Aufnahme der Kinder macht. Wir wollen überprüfen, ob diese Strategie in kommunale Strukturen einbezogen werden kann."

Das Projekt BEEP untersucht Angebote für Eltern im Kindergarten, in der Schule sowie in kommunalen Trägerstrukturen. Die Bielefelder Gesundheitswissenschaftler möchten zusammen mit den Programmanbietern Wege aufzeigen, wie auch die besonders bedürftigen Gruppen von den bestehenden Angeboten profitieren können.

Kontakt:
Fakultät für Gesundheitswissenschaften der Universität Bielefeld
Frau Dr. Kordula Marzinzik; Herrn Dr. Uwe Bittlingmayer
Tel. 0521/106-3834 oder 0521/106-6245
beep@uni-bielefeld.de

Ingo Lohuis | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bielefeld.de/

Weitere Berichte zu: BEEP Gesundheitsbildung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht »Die Oberfläche 2018« – Fünf Nominierungen gehen in die Endrunde
18.05.2018 | Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung IPA

nachricht DFG fördert Entwicklung innovativer Forschungssoftware an der Universität Bremen
17.05.2018 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

Wie verleiht man Zellen neue Eigenschaften ohne ihren Stoffwechsel zu behindern? Ein Team der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums München veränderte Säugetierzellen so, dass sie künstliche Kompartimente bildeten, in denen räumlich abgesondert Reaktionen ablaufen konnten. Diese machten die Zellen tief im Gewebe sichtbar und mittels magnetischer Felder manipulierbar.

Prof. Gil Westmeyer, Professor für Molekulare Bildgebung an der TUM und Leiter einer Forschungsgruppe am Helmholtz Zentrum München, und sein Team haben dies...

Im Focus: LZH showcases laser material processing of tomorrow at the LASYS 2018

At the LASYS 2018, from June 5th to 7th, the Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) will be showcasing processes for the laser material processing of tomorrow in hall 4 at stand 4E75. With blown bomb shells the LZH will present first results of a research project on civil security.

At this year's LASYS, the LZH will exhibit light-based processes such as cutting, welding, ablation and structuring as well as additive manufacturing for...

Im Focus: Kosmische Ravioli und Spätzle

Die inneren Monde des Saturns sehen aus wie riesige Ravioli und Spätzle. Das enthüllten Bilder der Raumsonde Cassini. Nun konnten Forscher der Universität Bern erstmals zeigen, wie diese Monde entstanden sind. Die eigenartigen Formen sind eine natürliche Folge von Zusammenstössen zwischen kleinen Monden ähnlicher Grösse, wie Computersimulationen demonstrieren.

Als Martin Rubin, Astrophysiker an der Universität Bern, die Bilder der Saturnmonde Pan und Atlas im Internet sah, war er verblüfft. Die Nahaufnahmen der...

Im Focus: Self-illuminating pixels for a new display generation

There are videos on the internet that can make one marvel at technology. For example, a smartphone is casually bent around the arm or a thin-film display is rolled in all directions and with almost every diameter. From the user's point of view, this looks fantastic. From a professional point of view, however, the question arises: Is that already possible?

At Display Week 2018, scientists from the Fraunhofer Institute for Applied Polymer Research IAP will be demonstrating today’s technological possibilities and...

Im Focus: Raumschrott im Fokus

Das Astronomische Institut der Universität Bern (AIUB) hat sein Observatorium in Zimmerwald um zwei zusätzliche Kuppelbauten erweitert sowie eine Kuppel erneuert. Damit stehen nun sechs vollautomatisierte Teleskope zur Himmelsüberwachung zur Verfügung – insbesondere zur Detektion und Katalogisierung von Raumschrott. Unter dem Namen «Swiss Optical Ground Station and Geodynamics Observatory» erhält die Forschungsstation damit eine noch grössere internationale Bedeutung.

Am Nachmittag des 10. Februars 2009 stiess über Sibirien in einer Höhe von rund 800 Kilometern der aktive Telefoniesatellit Iridium 33 mit dem ausgedienten...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vielseitige Nanokugeln: Forscher bauen künstliche Zellkompartimente als molekulare Werkstatt

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Mikroskopie der Zukunft

22.05.2018 | Medizintechnik

Designerzellen: Künstliches Enzym kann Genschalter betätigen

22.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics