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Carl Bertelsmann-Preis 2006 an finnisches Reformprogramm

15.08.2006
Bertelsmann Stiftung zeigt Wege aus der Beschäftigungsmisere älterer Arbeitnehmer in Deutschland - Vorbildliche Lösungen auch in Australien, den Niederlanden und Großbritannien

Der mit 150.000 Euro dotierte Carl Bertelsmann-Preis geht in diesem Jahr nach Finnland. Ausgezeichnet wird das Reformprogramm "Älter werdende Ar­beitnehmer", eine Initiative der finnischen Regierung in Zusammenarbeit mit Sozialpartnern, Wissenschaft und Verbänden zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen älterer Menschen. Der Preisverleihung liegt eine internationale Studie der Prognos AG im Auftrag der Ber­telsmann Stiftung zugrunde. Weitere vorbildliche Programme zur Verbesserung der Beschäftigungssituation älterer Arbeitnehmer fanden die Wissenschaftler auch in Australien, den Niederlanden und Großbritannien. In diesen Ländern konnte durch eine konsequente Beschäftigungspolitik die Erwerbsbeteiligung in der Altersgruppe der 55- bis 64-Jährigen deutlich verbessert werden.

"Mit der Preisverleihung will die Bertelsmann Stiftung Wege zur Überwindung der drama­tisch niedrigen Beschäftigung älterer Arbeitnehmer in Deutschland aufzeigen", sagte Vor­standsmitglied Dr. Johannes Meier bei der Bekanntgabe des Preisträgers. Angesichts der demographischen Entwicklung sei ein gesellschaftlicher Paradigmenwechsel hin zu länge­ren Tätigkeitsbiographien zwingend notwendig. Gerade Finnland habe seine Anpassungs­fähigkeit an veränderte Rahmenbedingungen erfolgreich unter Beweis gestellt und belege damit, dass eine gezielte politische Umsteuerung auch in einer schwierigen Beschäfti­gungssituation gelingen kann. "Besonders vorbildlich ist dabei die konsistente nationale Strategie und konsequente Umsetzung im gemeinsamen Wirken von Regierung, Gewerk­schaften und Arbeitgebern und in der interministeriellen Zusammenarbeit", so Dr. Johan­nes Meier.

Auslöser für die erfolgreichen Arbeitsmarkt-Reformen in Finnland war eine dramatische Wirtschaftskrise zu Beginn der 90er Jahre. Hinzu kam der grundlegende Strukturwandel von einem Rohstoff produzierendem und verarbeitendem Land hin zu einem Technolo­gie­standort mit einem hohen Weiterbildungsbedarf für ältere Arbeitnehmer. Auf diese Ent­wicklungen reagierte die finnische Regierung im Zeitraum zwischen 1998 und 2002 mit der konzertierten Aktion zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen älterer Menschen ("Finnish National Programme for Ageing Workers" - FINPAW). Mittels spezifischer Nachfolgepro­gramme der einzelnen Fachministerien wurde hieraus eine umfassende nationale Strategie zur Verbesserung der Arbeitsmarktchancen Älterer entwickelt. Mit diesem umfassenden Reformpaket beendete Finnland seine bis dahin praktizierte "Kultur der Frühverrentung" hin zu einer "Kultur des längeren Erwerbslebens".

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Die Ergebnisse sind überzeugend und vorbildlich: Während die Arbeitslosigkeit Mitte der 90er Jahre in der Altersgruppe der 55- bis 59-Jährigen bei über 20 Prozent lag, konnte sie bis zum Jahr 2004 auf 7,3 Prozent reduziert werden. Auch der Anstieg der Erwerbsquote Älterer liegt mit heute 55 Prozent gut zehn Prozent über dem europäischen Durchschnitt. Diese positive Entwicklung der Erwerbstätigkeit Älterer ist jedoch nicht nur Resultat der günstigen konjunkturellen Rahmenbedingungen. Auch mit einer flankierenden Reform der Rentengesetzgebung konnte das effektive Rentenalter seit 1995 um 1,2 Jahre erhöht wer­den und liegt nun bei 59,1 Jahren.

Das Ziel der finnischen Reformanstrengungen war, Arbeitnehmer länger im Erwerbsleben zu halten. Grundlage für den Erfolg waren die alters- und alternsgerechte Gestaltung der Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen für Arbeitnehmer und der Fokus auf Qualifizie­rung und angemessene Arbeitsorganisation. Das landesweite Programm FINPAW wurde dabei gemeinsam vom Ministerium für Soziales und Gesundheit, dem Bildungsministerium und dem Arbeitsministerium umgesetzt.

Ein zentraler Bestandteil der sich anschließenden Reformbemühungen ist die Anfang 2005 in Kraft getretene Rentenreform, die das Ziel verfolgt, das Renteneintrittsalter weiter anzu­heben. Dazu wurde eine variable Altersgrenze von 63 bis 68 Jahren mit Zu- und Abschlä­gen eingeführt.

Der Carl Bertelsmann-Preis an das finnische Reformprogramm zur Verbesserung der Ar­beitsbedingungen älter werdender Arbeitnehmer wird am Donnerstag, 14. September 2006, in Gütersloh verliehen. Der frühere finnische Ministerpräsident Esko Aho (1991-1995) wird die Auszeichnung entgegennehmen. Die Festrede hält Bundeswirtschaftsminister Michael Glos.

Rückfragen an:

Dr. Jens Prager; Telefon: 0 52 41 / 81-81-544; E-Mail: jens.prager@bertelsmann.de

André Schleiter: Telefon: 0 52 41 / 81-81 262; E-Mail: andre.schleiter@bertelsmann.de

Julia Schormann | idw
Weitere Informationen:
http://www.bertelsmann-stiftung.de

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