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Den Tumor an der Wurzel packen

13.06.2006
Deutsche Krebshilfe fördert Verbundprojekt „Tumorstammzellen“

Tumorstammzellen sind nach den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen wesentlich am Wachstum und der Ausbreitung eines bösartigen Tumors beteiligt. Dabei handelt es sich um einige wenige Krebszellen, die sich unbegrenzt selbst erneuern können. „Der Nachweis von Tumorstammzellen kann die Behandlung von Krebserkrankungen grundlegend verändern“, erklärt Privatdozent Dr. Christian Beltinger, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendmedizin Ulm. Er ist Sprecher des ersten Forschungsverbundes über Tumorstammzellen in Deutschland. Die Deutsche Krebshilfe fördert diesen Verbund mit einer Million Euro. Das Ziel ist es, Tumorstammzellen in verschiedenen Krebsarten nachzuweisen und gezielt abzutöten.

Im Verständnis der Krebserkrankungen findet derzeit ein Paradigmenwechsel statt: „Bisher gingen Krebsforscher davon aus, dass alle Zellen eines Tumors die gleichen Eigenschaften besitzen und zu seinem Wachstum beitragen“, erläutert Beltinger. „Zunehmend wird jedoch deutlich, dass die Zellen in Tumoren hierarchisch gegliedert sind.“ Nur einige wenige Krebszellen scheinen für das Wachstum einer bösartigen Geschwulst verantwortlich zu sein. Sie können das Ansprechen eines Tumors auf die Therapie und somit die Heilungschancen des Patienten bestimmen. In Anlehnung an Körperstammzellen, die ein Leben lang neue, gesunde Zellen bilden, werden diese Krebszellen als Tumorstammzellen bezeichnet. Vieles deutet zudem darauf hin, dass Tumoren aus entarteten Körperstammzellen hervorgehen können.

Tumorstammzellen können eine Geschwulst widerstandsfähig gegenüber einer Chemotherapie machen. So gibt es Hinweise, dass sich diese Zellen nur langsam teilen. Eine Chemotherapie jedoch schädigt bevorzugt sich schnell teilende Zellen. Außerdem besitzen manche Tumorstammzellen „Pumpen“, welche die Krebsmedikamente wieder aus der Zelle heraus transportieren. „Eine erfolgreiche Therapie muss also gezielt die Tumorstammzellen zerstören“, betont Beltinger.

Bei der Entwicklung neuer Behandlungsmethoden ist jedoch die große Ähnlichkeit zwischen Tumor- und Körperstammzellen zu berücksichtigen. Diese kann dazu führen, dass Therapien gegen Tumorstammzellen auch die Stammzellen lebenswichtiger Organe wie Knochenmark, Darm und Haut treffen könnten. „Wir müssen daher ganz spezifische Unterschiede zwischen Tumor- und Gewebestammzellen definieren, um eine nebenwirkungsarme Therapie zu entwickeln“, so der Sprecher des Verbundes.

Die Erforschung von Tumorstammzellen steht noch ganz am Anfang. Bisher wurden derartige Zellen unter anderem bei Leukämien, Brustkrebs und Hirntumoren nachgewiesen. „Wir vermuten, dass es auch in vielen weiteren Tumoren solche Zellen gibt“, erklärt Beltinger. Im Rahmen des von der Deutschen Krebshilfe geförderten Forschungsverbundes untersuchen Wissenschafter jetzt die Tumorstammzellen in Hirn- und anderen Nervenzelltumoren im Kindesalter sowie in Haut- und Bauchspeicheldrüsenkrebs. „Wir wollen außerdem Tumor-übergreifende Methoden entwickeln, mit denen Tumorstammzellen auch in anderen Krebsarten aufgespürt und charakterisiert werden können“, erläutert Beltinger. „Der Nachweis von Tumorstammzellen wird erheblichen Einfluss auf die Diagnose, Behandlung sowie Nachsorge von Krebserkrankungen haben. Dies kann wesentlich dazu beitragen, Probleme der bisherigen Krebstherapie zu lösen.“ An dem wissenschaftlichen Verbundprojekt der Deutschen Krebshilfe sind universitäre Einrichtungen und Forschungsinstitute in Bonn, Heidelberg, Köln, München und Ulm beteiligt.

Projektnummer: 106415

| Deutsche Krebshilfe e.V.
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

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