Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Rostocker Neurochip-Technologie wird europäisch

10.05.2006


Mit etwa zwei Millionen Euro wird die EU ein Forschungsprojekt fördern, in dem neue Wirkstoffe für die Schmerztherapie bei schwer krebskranken Patienten entwickelt werden sollen. Beteiligt sind elf Partner aus sechs EU-Ländern, dabei eine Rostocker Forschergruppe des Landesforschungsschwerpunktes ?Innovationsnetzwerk Biosystemtechnik? Ziel der gemeinsamen Forschung, so Teilprojektleiter Prof. Dieter Weiss vom Institut für Biowissenschaften der Universität Rostock, sei die Suche nach neuen Medikamenten, mit denen Patienten auch im letzten Krebsstadium Schmerzfreiheit ohne unangenehme Nebenwirkungen erreichen. Derzeit werden vor allem Opiate oder über die Haut wirkende Schmerzpflaster eingesetzt, die den Schmerz hemmen, aber oft nicht gut vertragen werden. Die ohnehin geschwächten Patienten leiden dann häufig unter Atemproblemen, Schweißausbrüchen, Verdauungs- oder Bewusstseinsstörungen.



Das Projekt, das noch dieses Jahr starten wird, baut auf neuesten Erkenntnissen der neurobiologischen Forschung auf. So weiß man heute, dass die Rezeptor-Moleküle, über die die Schmerzwahrnehmung von den befallenen Organen zum Rückenmark und dann zum Gehirn geleitet wird, bei Entzündungen oder Tumorerkrankungen verändert sind. Die Blockade dieser veränderten Schmerzrezeptoren durch eine neue Klasse von ?smart drugs? verspricht eine bessere Wirkung als der Einsatz von traditionellen Medikamenten mit nur einem Wirkort. Die neuen Medikamente greifen nicht nur spezifisch an den veränderten Rezeptoren an, sondern blockieren auch die Weiterleitung der Schmerzsignale an das Gehirn auf mehreren Ebenen zugleich.

... mehr zu:
»Neurochip-Technologie


Die neuen Wirkstoffe werden mit dem in Rostock entwickelten Sensorsystem NeuroSensorix® getestet. Bei dieser Neurochip-Technik werden Netzwerke aus lebenden Nervenzellen auf einem Siliziumchip gezüchtet, der mit Ableitelektroden zur Messung der elektrischen Signale versehen ist. Werden Medikamente zugegeben, treten Veränderungen der elektrischen Kommunikation im Netzwerk auf, die in einem Computer ausgewertet werden und Aufschluss über die Wirkungsweise der Substanz geben. Die Suche nach neuen Medikamenten wird damit deutlich verbessert, auch weil die Ergebnisse aussagekräftiger sind, als solche, die in Tierversuchen gewonnen werden können.

Mit diesem Forschungsprojekt können die Rostocker Wissenschaftler auf ihren Erfahrungen aufbauen, die sie bereits bei der erfolgreichen Testung von Epilepsiemedikamenten und Narkosemitteln mit dem Nervenzellchip gesammelt hatten. Dieses Projekt ist eine weitere Referenz dafür, dass die Rostocker Forscher eine ideale Testplattform zum Screening von Medikamenten für das Nervensystem entwickelt haben. Die neuen Wirkstoffe werden mit Verfahren der kombinatorischen Chemie synthetisiert, dies sind intelligente Suchverfahren in Substanzbibliotheken und Multikomponentenreaktionen. Geleitet wird das Projekt vom Medizinischen Forschungszentrum der Polnischen Akademie der Wissenschaften in Warschau, unterstützt durch das Steinbeis Team Nordost in Rostock.

Kontaktadresse
Frank Graage
Tel +49 381 4913043
e-mail: frank.graage@uni-rostock.de

Dr.-Ing. Karl-Heinz Kutz | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-rostock.de

Weitere Berichte zu: Neurochip-Technologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Über 1,6 Millionen Euro für Forschung im Bereich Innovative Materialien und Werkstofftechnologie
17.05.2017 | Hochschule Osnabrück

nachricht MHH-Forscher beleben Narbengewebe in der Leber wieder
16.05.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie