Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäischer Erfinderpreis geht nach Jülich

04.05.2006


Peter Grünberg wird für die Entdeckung des Riesenmagnetowiderstands geehrt

Das europäische Patentamt und die europäische Kommission zeichnen Professor Peter Grünberg mit dem Preis "Europäischer Erfinder des Jahres" aus. Sie würdigen damit seine Entdeckung des Riesenmagnetowiderstands (englisch: Giant Magnetoresistance - GMR) im Jahr 1988. Der GMR-Effekt brachte den Durchbruch zu Giga-Byte-Festplatten. Für seine Forschung erhielt Grünberg bereits 1998 den Deutschen Zukunftspreis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation. Zusammen mit Albert Fert von der Université de Paris Sud gilt Grünberg als Begründer der Zukunftstechnologie Spintronik.

Der Preis "European Inventor of the Year Award" 2006 wird in diesem Jahr erstmals vergeben. Ein Komitee aus Vertretern der Wirtschaft, Forschung und Politik hatte dazu Patentanmeldungen der Jahre 1991 bis 2000 ausgewählt, denen erfolgreich der Sprung in die Anwendung gelungen ist Grünbergs GMR-Effekt beispielsweise findet sich heute in über neunzig Prozent der produzierten Festplatten. Grünberg erhält den Preis in der Kategorie "Universität und Forschungseinrichtungen".

In Festplatten dient der GMR-Effekt zum präzisen Auslesen von Daten. Diese sind auf engstem Raum durch winzige Bereiche unterschiedlicher Magnetisierung gespeichert. Ein Sensor, der den GMR-Effekt nutzt, registriert diese Unterschiede als große messbare Änderung und arbeitet daher hochempfindlich. Das erkannte auch die Industrie sehr schnell: Bereits 1997 brachte IBM einen GMR-Lesekopf für Computerfestplatten auf den Markt - selten hat eine Entdeckung aus der Grundlagenforschung so schnell Einzug in die industrielle Anwendung gehalten.

Mittlerweile sind mehr als zehn internationale Firmen Lizenznehmer des Patents und bescherten dem Forschungszentrum Jülich Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe. Längst hat der GMR-Effekt in verbesserten Leseköpfen für Festplatten, Videobändern, sowie in MP3-Playern weltweite Verbreitung gefunden. Weiterhin können GMR-Schichtpakete im ABS-System des Autos und künftig zum Auslesen von Biochips eingesetzt werden. Zudem öffnete der GMR-Effekt die Tür zu einem völlig neuen Forschungsgebiet: der Spin(elek)tronik. Die Ausnutzung des Spins, neben der Ladung eine wesentliche Eigenschaft des Elektrons, könnte die gesamte Mikroelektronik revolutionieren.

Die Grundlage des GMR-Effekts waren Arbeiten Grünbergs und seiner Mitarbeiter in den 80er Jahren an mikroskopischen Sandwichen: Systemen aus zwei magnetischen Eisenschichten, die von einer nur wenige Atomlagen dünnen, nichtmagnetischen Schicht aus Chrom getrennt werden. Je nachdem, wie dick die Chromschicht ist, beziehen die magnetischen Momente beider Eisenschichten zueinander Stellung: Sie richten sich parallel oder antiparallel aus. Schwache Magnetfelder, wie sie in Festplatten auftreten, beeinflussen diese Ausrichtung. Der Clou dabei: Klappen die magnetischen Momente in dem mikroskopischen Sandwich um, ändert sich der elektrische Widerstand dramatisch - daher der Name Riesenmagnetwiderstand.

Obwohl der Preisträger seit 2004 emeritiert ist, blieb er dem Forschungszentrum erhalten. Oft ist er in seinem Büro anzutreffen oder auf dem Campus zu sehen. Der Ruhestand ist für Peter Grünberg eher ein fließender Übergang. Physikalische Vorgänge haben den am 18. Mai 1939 in Pilsen geborenen Physiker schon immer interessiert. Seine Kollegen schätzen Peter Grünberg. Ihm liegen magnetische Phänomene am Herzen, die er im Sinne einfacher Bilder verstehen möchte. "Er zwingt einen dazu, die Physik wirklich zu durchdringen", sagen die Kollegen.

Annette Stettien | Forschungszentrum Jülich
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de
http://www.european-inventor.org/
http://www.fz-juelich.de/video/video_liste/

Weitere Berichte zu: Erfinderpreis Festplatte GMR-Effekt Physik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Über 1,6 Millionen Euro für Forschung im Bereich Innovative Materialien und Werkstofftechnologie
17.05.2017 | Hochschule Osnabrück

nachricht MHH-Forscher beleben Narbengewebe in der Leber wieder
16.05.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Im Focus: XENON1T: Das empfindlichste „Auge“ für Dunkle Materie

Gemeinsame Meldung des MPI für Kernphysik Heidelberg, der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster

„Das weltbeste Resultat zu Dunkler Materie – und wir stehen erst am Anfang!“ So freuen sich Wissenschaftler der XENON-Kollaboration über die ersten Ergebnisse...

Im Focus: World's thinnest hologram paves path to new 3-D world

Nano-hologram paves way for integration of 3-D holography into everyday electronics

An Australian-Chinese research team has created the world's thinnest hologram, paving the way towards the integration of 3D holography into everyday...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

Branchentreff für IT-Entscheider - Rittal Praxistage IT in Stuttgart und München

22.05.2017 | Veranstaltungen

Flugzeugreifen – Ähnlich wie PKW-/LKW-Reifen oder ganz verschieden?

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Myrte schaltet „Anstandsdame“ in Krebszellen aus

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

22.05.2017 | Physik Astronomie

Wie sich das Wasser in der Umgebung von gelösten Molekülen verhält

22.05.2017 | Biowissenschaften Chemie