Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Absolventin der Fakultät für Chemie und Mineralogie erhält DECHEMA-Preis

07.09.2005


"Templat-Synthese mesoporöser Kohlenstoffmaterialien" heißt die Diplomarbeit, für die Kerstin Böhme, Absolventin der Fakultät für Chemie und Mineralogie der Universität Leipzig, Anfang September von der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie (DECHEMA) ausgezeichnet wird. Diesen Studentenpreis vergibt die Gesellschaft jährlich für Diplomarbeiten im Fachgebiet Technische Chemie, die von sehr guter Qualität sind und in außergewöhnlich kurzer Zeit erarbeitet wurden.


"Die neun Semester, die Kerstin Böhme für ihr Studium gebraucht hat, sind für Leipziger Verhältnisse, wo die Chemie-Studenten zumeist mit der Regelstudienzeit von zehn Semestern hinkommen, nichts Aufsehenerregendes. Aber im deutschen Durchschnitt ist solch ein konzentriertes Studium schon etwas Besonderes", freut sich auch Prof. Dr. Helmut Papp, Professor an der Fakultät für Chemie und Mineralogie der Universität Leipzig, über den Preis für seine Studentin. "Und dann noch mit einer so bemerkenswerten wissenschaftlichen Leistung!"

Um die in einfachen Worten zu erläutern, muss die bereits an ihrer Promotion arbeitende 24-Jährige etwas überlegen. Immerhin spielt sich das Ganze in dem für das Auge des Menschen und das Vorstellungsvermögen des Laien unzugänglichen Nanometer-Bereich ab. "Ein Templat ist eine Art Form, in die ein anderes Material hineingegeben wird. Dieses Material nimmt dann - etwa wie beim Stahl-Gießen oder Rührkuchen-Backen - die Form des Templats an und behält diese, auch wenn die formgebende Hülle entfernt wird. Wenn man mesoporösen Kohlenstoff produzieren will, kann man die vielen mikroskopisch kleinen Poren von Silikat als Templat verwenden."


Zuerst einmal ging es der Diplomandin darum, auszumessen, wie groß das Volumen der Poren im Silikat ist, denn dieses Volumen entspricht dann ungefähr dem der entstehenden Kohlenstoffmaterialien. Um dies zu ermitteln wird Stickstoff in das Silikat geleitet und registriert, wie viel des Gases von dem porösen Material aufgenommen wird. Als nächster Schritt wird eine Zuckerlösung in das Silikat gebracht und erhitzt. Der Zucker karbonisiert und wird komplett zu "Kohle". Die Silikat-Hülle kann nun weggelöst werden. Was bleibt, ist ein Material, das in seiner Struktur ebenso filigran ist, wie es das Silikat einmal war. Solche mesoporöse Kohlenstoffmaterialien mit Poren von 2 bis 50 nm (1 nm = 1 Nanometer = 10-9 Meter) sind wichtig für alle Prozesse, bei denen möglichst geringe Massen möglichst große Oberflächen bereitstellen sollen. Angewandt wird das zum Beispiel bei Abgasreinigung, bei der Chromatographie, also der Auftrennung von Stoffgemischen, und in der Brennstoffzelle.

"Dieser Prozess der Herstellung ist nicht völlig neu", erläutert Kerstin Böhme. "Ich habe ihn aber in meine Diplomarbeit genauer untersucht und optimiert. Wird das Templat optimal mit Zucker gefüllt, entsteht ein Kohlenstoffmaterial mit sehr hohen Porenvolumen. Ich habe ein Volumen von drei Kubikzentimetern bei einer Masse von nur einem Gramm erzeugen können."

Ursprünglich wollte sich Kerstin Böhme nicht um den Preis bewerben. "Immerhin gibt es deutschlandweit rund 100 Studenten der Technischen Chemie. Aber mein Betreuer Dr. Olaf Klepel hat nicht locker gelassen – da habe ich einen Tag vor Fristende meine Bewerbung losgeschickt." Die Templat-Synthese mesoporöser Kohlenstoffmaterialien wird die junge Chemikerin auch künftig in ihrem Bann halten. Für ihre Promotion will sie vor allem mit neuen Templaten arbeiten.

Und noch die Gretchenfrage an den Professor: Wie hatte er es mit seiner Studienzeit? "Ich habe in Erlangen 13 Semester bis zum Diplom gebraucht, wobei die Diplomarbeit damals 18 Monate und nicht wie heute nur 6 Monate dauerte, außerdem waren da zwei Semester intensiven Kartenspiels dabei", bekennt Prof. Papp. Marlis Heinz

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Helmut Papp
Telefon: 0341 97-36300
E-Mail: papp@chemie.uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de

Weitere Berichte zu: Kohlenstoffmaterial Mineralogie Silikat

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus
23.02.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Eine Milliarde Euro für die Hochschulmedizin
17.02.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie