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Innovationsprozesse: wie sie ablaufen, was sie bewirken, wer sie vorantreibt - und was sie behindert

05.08.2005


Stiftung bewilligt 1,1 Millionen Euro für vier neue Vorhaben in ihrer Initiative zu Innovationsprozessen in Wirtschaft und Gesellschaft



Lange schon vor der Ausrufung von 2004 als "Jahr der Innovation" hat die VolkswagenStiftung mit einer eigenen Förderinitiative diesem wichtigen Thema Aufmerksamkeit geschenkt. Seit der Einrichtung ihres Förderangebots "Innovationsprozesse in Wirtschaft und Gesellschaft" im Juni 2001 wurden bislang rund 5,34 Millionen Euro für 22 Forschungsvorhaben bewilligt. Jetzt hat die Stiftung vier neue Projekte in die Förderung genommen und stellt dafür 1,1 Millionen Euro zur Verfügung, darunter:

  1. 286.500 Euro für das Vorhaben "The Changing Knowledge Divide in the Global Economy" von Professorin Dr. Simone Strambach vom Fachbereich Geographie der Universität Marburg und Professor Dr. Hubert Schmitz vom Institute of Development Studies (IDS) an der University of Sussex, Brighton, Großbritannien;

  2. 321.500 Euro für das Vorhaben "Regional Learning in Multinational Companies" von Professor Dr. Martin Heidenreich, Professur für Sozialwissenschaftliche Europaforschung an der Universität Bamberg - gemeinsam mit Privatdozent Dr. Knut Koschatzky vom Fraunhofer-Institut für Systemtechnik und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe und Dr. Christoph Barmeyer vom Institut Européen d’Etudes Commerciales Supérieures (IECS) Strasbourg - Ecole de Management;

  3. 348.300 Euro für das Vorhaben "Innovative Capabilities and the Role of Consultants in the Information Economy" von Dr. Irene Bertschek und Dr. Thomas Hempell vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH (ZEW), Mannheim - gemeinsam mit Privatdozent Dr. Michael Faust vom Soziologischen Forschungsinstitut e.V. an der Universität Göttingen (SOFI) und Professor Dr. Dr. Alfred Kieser vom Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Organisation der Universität Mannheim;

  4. 153.800 Euro für das Vorhaben "Learning in personal networks: Collaborative knowledge production in virtual forms" von Professor Dr. Gernot Grabher vom Geographischen Institut der Universität Bonn.

Ausführliche Informationen zu den Projekten im Folgenden.

Zu 1: Technologische und organisatorische Veränderungen in Produktion und Unternehmensorganisation können es mit sich bringen, dass spezielles Know-how für innovative Problemlösungen von außerhalb eines Unternehmens eingekauft werden muss. Mit einer solchen "organisatorischen Auflösung des Innovationsprozesses" setzt sich jetzt ein Team zweier Wissenschaftler aus Marburg und Brighton in Großbritannien auseinander, das in einem ungewöhnlichen Forschungsansatz Unternehmensvergleich und Regionalforschung verknüpft. Ihr Forschungsinteresse richtet sich konkret auf die besonderen Fälle, in denen Unternehmen hoch entwickelter Volkswirtschaften auf spezielle Anbieter in Entwicklungsländern angewiesen sind. Analysiert werden sollen zwei Branchen: die Automobilbranche als Beispiel für einen Güterproduzenten und die Softwarebranche als exemplarischer Dienstleister. Dabei wollen sich die Forscher bei der Automobilbranche auf zwei Standorte in Brasilien und Deutschland konzentrieren, für den Softwarebereich analog auf Indien und Deutschland - und zwar bezogen auf Veränderungen seit Ende der 1990er Jahr. Leitfrage ist, inwieweit die organisatorische Auflösung des Innovationsprozesses die weltweite Verteilung von Innovationsaktivitäten verändert. Vorgesehen sind je 40 Interviews pro Fallstudie mit Vertretern der verschiedenen Branchen und Schlüsselinformanten aus Forschungsinstituten und Verbänden, mit Journalisten und Regierungsmitgliedern. Zudem sind projektbegleitend drei Workshops geplant, bei denen die Ergebnisse diskutiert werden können.
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Kontakt
Universität Marburg
Fachbereich Geographie
Professorin Dr. Simone Strambach
Telefon: 06421 28 24212
E-Mail: simone.strambach@staff.uni-marburg.de
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Zu 2: Das Forscherteam aus Bamberg, Karlsruhe und Straßburg beschäftigt sich mit dem Verhältnis betrieblicher, regionaler und multinationaler Arenen der Wissenserzeugung und des Wissenstransfers. Am Beispiel ausgewählter Innovationsvorhaben in je vier französischen und deutschen Niederlassungen multinationaler Unternehmen sollen die regionalen Wirtschafts- und Regulationsstrukturen und eventuell in der Region verfolgte Cluster- und Netzwerkpolitiken rekonstruiert werden. Diese Analyse nehmen die Wissenschaftler vor, um sowohl die strategische Nutzung regionaler Institutionen und Netzwerke durch multinationale Unternehmen als auch die Einbindung solcher Unternehmen in regionale Netzwerke zu erschließen. Auch betrachten sie die politischen Anstrengungen, die der regionalen Einbettung dieser multinationalen Unternehmen dienen. Komplementär zu diesen acht Unternehmens-, Innovations- und Regionalfallstudien will das Forscherteam die quantitative Verteilung regionaler und organisatorischer Wissensbestände in Europa ermitteln. Dies geschieht einerseits anhand einer Makroanalyse verfügbarer Datenbanken, andererseits durch eine Meso- und Mikroanalyse von FuE-Kooperationen zwischen Unternehmen und exzellenten Forschungseinrichtungen. Insofern betritt das Projekt auch methodisch Neuland.
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Kontakte

Universität Bamberg
Fakultät Sozial- und Wirtschaftswissenschaften
Professor Dr. Martin Heidenreich
Telefon: 0951 863 2730
E-Mail: martin.heidenreich@sowi.uni-bamberg.de

Fraunhofer-Institut Systemtechnik und Innovationsforschung ISI, Karlsruhe
Privatdozent Dr. Knut Koschatzky
Telefon 0721 6809 184
E-Mail: K.Koschatzky@isi.fraunhofer.de
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Zu 3: Innovationsprozesse sind oft langwierig und wollen gut geplant sein - unabhängig davon, ob es sich um die Einführung einer neuen Software oder um die Verbesserung von Arbeitsabläufen handelt. Gern nehmen Unternehmen hierfür externe Berater in Anspruch, die nicht nur über das notwendige Know-how verfügen, sondern auch den "Blick von außen" mitbringen. Welchen Stellenwert solche Beratungsdienstleistungen für die Innovationsfähigkeit von Unternehmen wirklich haben, untersuchen jetzt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Mannheim und Göttingen. Sie interessiert, inwieweit Unternehmen solche Dienstleistungen in Anspruch nehmen und wie sich die Beratung auf die Innovationsfähigkeit des Unternehmens auswirkt. Im Mittelpunkt stehen dabei die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien für Produkt- und Prozessinnovationen sowie Innovationen im Bereich der Unternehmensorganisation und -strategie. Das Projekt gliedert sich in drei einander ergänzende Module: In einem wissenssoziologischen Teil wollen die Forscher anhand einer vergleichenden Analyse unterschiedlicher Medienprodukte sowie in Experteninterviews herausfinden, wie innovative Konzepte der IT-Nutzung in Unternehmen entstehen, wie sie sich mit der Zeit verändern und welche Rolle dabei Berater spielen. Aus organisationstheoretischer Sicht soll anschließend untersucht werden, inwieweit IT- und Organisationsberatung die Innovationsfähigkeit des Unternehmens stärken und ob Berater zusätzlich in unternehmensinternen Auseinandersetzungen bestimmte Funktionen erfüllen. Im letzten Schritt werten die Forscher Daten einer repräsentativen Befragung von rund 4.400 deutschen Unternehmen aus und ermitteln die ökonomischen Wirkungen von Beratungsleistungen. Dieser Ansatz soll erschließen, inwieweit Berater Innovationen von Produkten, Prozessen und Organisationsstrukturen kurz- oder langfristig verbessern können.
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Kontakte

Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH, Mannheim
Dr. Irene Bertschek
Telefon: 0621 1235 178
E-Mail: bertschek@zew.de
Dr. Thomas Hempell
Telefon: 0621 1235 233
E-Mail: hempell@zew.de

Soziologisches Forschungsinstitut e.V. an der Universität Göttingen (SOFI)
Dr. Martin Faust
Telefon: 0551 52205 35
E-Mail: mfaust@gwdg.de

Universität Mannheim
Fakultät für Betriebswirtschaftslehre
Professor Dr. Dr. h. c. Alfred Kieser
Telefon: 0621 181 1605
E-Mail: Kieser@bwl.uni-mannheim.de
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Zu 4: Netzwerke sind heutzutage wichtiger denn je. In der Debatte um Innovations- und Lernprozesse gerät zunehmend die dezentrale Wissensproduktion in Netzwerken in den Blick. Virtuellen Kommunikationsforen kommt dabei eine immer größere Bedeutung zu. Professor Dr. Gernot Grabher vom Geographischen Institut der Universität Bonn beschäftigt sich in dem jetzt bewilligten Projekt mit drei Arten von Lernnetzwerken: Im Fokus stehen Projektnetzwerke (project networks), sociality networks und so genannte connectivity networks, in denen die Akteure nur sporadisch oder flüchtig miteinander agieren. Innerhalb dieser Netzwerke untersuchen die Wissenschaftler die Kommunikationsmuster und die Interaktionsstile in virtuellen Foren. Experteninterviews mit Herstellern der Kontaktsoftware "LikedIn" und "Spoke" sowie mit Akteuren der personellen Lernnetzwerke sollen darüber hinaus erkennen lassen, wo zwischen der formellen Organisation und den Netzwerken oder auch zwischen den jeweiligen Netzwerken Konkurrenz, Spannungen und Konflikte auftreten. Die Untersuchung schließt die Auswertung von Informationsquellen wie weblogs, white papers und Benutzerinformationen der Softwarehersteller ein. Das Projekt wird von einem interdisziplinär besetzten Advisory Board begleitet, an dem Experten aus der Soziologie und Wirtschaftsgeografie beteiligt sind.
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Kontakt
Universität Bonn
Geographisches Institut
Professor Dr. Gernot Grabher
Telefon: 0228 73 7238
E-Mail: grabher@giub.uni-bonn.de
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Kontakt
VolkswagenStiftung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung
Telefon: 0511 8381 380
E-Mail: jung@volkswagenstiftung.de

Dr. Christian Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.volkswagenstiftung.de/

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