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Der Mond ist ein Mensch - im Amazonasbecken

03.08.2005


VolkswagenStiftung bewilligt weiteres Sprachdokumentationsprojekt



Mit bislang rund 11,3 Millionen Euro fördert die VolkswagenStiftung die Dokumentation von inzwischen rund 40 bedrohten Sprachen. Ziel der Initiative ist es, in ihrer Existenz gefährdete Sprachkulturen so weit aufzuzeichnen, dass spätere Generationen anhand des dokumentierten Materials noch die ganze Sprache beschreiben können. Jetzt kann ein weiteres Vorhaben die Arbeit aufnehmen. Mit 300.000 Euro unterstützt die Stiftung ein Sprachdokumentationsprojekt zum Cashinahua, einer von 30 so genannten Pano-Sprachen. Das Cashinahua wird in zwei Gebieten diesseits und jenseits der brasilianisch-peruanischen Grenze gesprochen.

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Die Sprache, die seit über hundert Jahren zwei unterschiedlichen Sprachumgebungen ausgesetzt ist, weist eine Reihe von lexikalischen und syntaktischen Sprachkontaktphänomenen auf. Im Zuge des Projekts soll nun eine umfassende Dokumentation aufgebaut werden, in die zum einen bereits vorhandenes Audiomaterial integriert wird wie beispielsweise 35 Stunden an Mythen und Gesängen. Darüber hinaus fließen in den Korpus eine Textsammlung des Historikers João Capistrano de Abreu aus dem Jahre 1914 ein und Archivalien - darunter vor allem Fotos - mehrerer ethnologischer Forscher. Neues Material rundet die Dokumentation ab: etwa Videoaufnahmen von der Arbeit der Männer im Wald und den Körperzeichnungen der Frauen. Das Cashinahua ist zudem linguistisch sehr interessant, da es keine einzelnen Wortklassen aufweist, sondern zur Bezeichnung von nominalen, adjektivischen und verbalen kategorialen Werten im Satz nur Suffixe an Wortstämme anhängt. Die sprachwissenschaftlichen Untersuchungen konzentrieren sich insbesondere auf die linguistische und kognitive Kategorisierung als Schnittpunkt, an dem sich linguistische und ethnologische Analysen wechselseitig ergänzen. So folgen manche Unterscheidungen ausschließlich kulturellen Mustern, deren Hintergrund mythologische Erzählungen liefern: Beispielsweise ist der Mond, nicht aber die Sonne grammatikalisch als "Mensch" markiert.

Das Projektteam besteht aus Dr. Eliane Camargo vom Centre d’Etudes des Langues Indigènes d’Amerique, Dr. Philippe Erikson von der Université de Paris X-Nanterre - und der deutschen Nachwuchslinguistin Sabine Reiter vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig. Sie kann sich durch das Projekt auf dem Gebiet der Sprachdokumentation weiter wissenschaftlich qualifizieren, was nicht zuletzt mit Blick auf das von der Stiftung gewünschte capacity building in Deutschland von Bedeutung ist.

Dr. Christian Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.volkswagenstiftung.de

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