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Mit Licht auf neuen Wegen

14.04.2005


Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2005 an den Physiker Prof. Dr. Philip St John Russell von der Universität Bath, GB

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Ein neuartiger Typ von gebündelten Glasfasern erlaubt Anwendungen für die Datenübertragung, Lasertechnologie, Sensorik, Bio- und Medizintechnik.

Die Hamburger Körber-Stiftung vergibt in diesem Jahr den mit 750.000 Euro dotierten Körber-Preis an den Physiker Prof. Dr. Philip St John Russell von der Universität Bath in England. Philip Russell, den ein international zusammengesetztes Kuratorium unter Vorsitz des Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Dr. Peter Gruss, ausgewählt hat, ist Pionier auf dem Gebiet neuartiger Glasfaser (sog. "photonic crystal fibres"). Er entwickelte einen Typ Glasfasern, der eine Fülle neuer Anwendungen erlaubt.


Konventionelle Glasfasern werden heutzutage zum Beispiel für die Datenübertragung im Internet eingesetzt. Sie sind ähnlich wie eine "Makkaroni"-Nudel aufgebaut: Röhren, in deren Inneren Lichtimpulse weitergeleitet werden. Die von Philip Russell 1991 erfundenen und inzwischen zu Produkten entwickelten Fasern bestehen dagegen aus einem Bündel von Kernen aus Glas oder auch von Luftröhren, die jeweils von dünnen Wänden umgeben sind und "photonic crystal fibres" genannt werden. Die gesamte Faser hat einen Durchmesser von nur etwa 100 Mikrometern - was dem Fünftel eines menschlichen Haares entspricht.

Die besondere Struktur der neuartigen Glasfasern erlaubt eine effektivere Leitung von Licht und zeigt darüber hinaus völlig neue Eigenschaften. Mit dem Preisgeld in Höhe von 750.000 Euro beabsichtigt Russell nicht nur verbesserte optische und Infrarot-Laser zu konstruieren, sondern auch kompakte Quellen für UV- und Röntgenlicht, mit denen sich in Zukunft äußerst fein strukturierte Computerchips herstellen lassen. Dank Philip Russells "photonic crystal fibres" war es bereits möglich, eine extrem genaue "optische Uhr" zu konstruieren. In Zukunft könnten die Fasern auch dazu dienen, Gase, die durch die Hohlräume strömen, optisch zu analysieren. Geplant sind zudem Anwendungen, bei denen mithilfe von Lichtstrahlen Zellen durch die Röhren bewegt werden, um sie für biologische oder medizinische Zwecke zu manipulieren. Auf den Gebieten Biologie, Produktion, Biochemie, Astronomie und Medizin ist das Anwendungspotential der Erfindung enorm.

Prof. Philip St John Russel, geboren am 25. März 1953 in Belfast (Nordirland), ist seit 1996 Professor für Physik an der University of Bath (GB). Er leitet dort die Arbeitsgruppe "Photonics und Photonic Materials". Nach dem Abschluss seiner Ausbildung an der University of Oxford arbeitete er mehrere Jahre in den USA und Frankreich.

Neuausrichtungen beim Körber-Preis:

Mit seiner Vergabe im September 2005 erfährt der Körber-Preis 20 Jahre nach seiner ersten Verleihung einige entscheidende Veränderungen. Die Körber-Stiftung reagiert damit auf eine neue Situation in der europäischen Wissenschaftslandschaft. Wurden bislang ausschließlich länderübergreifend arbeitende europäische Forscherteams ausgezeichnet, so erhält fortan nur ein Wissenschaftler das Preisgeld in Höhe von 750.000 Euro in konkretes Forschungsvorhaben. Der Preisträger kann dann selbständig entscheiden, für welche Forschungsarbeiten und Kooperationen er die finanziellen Mittel einsetzen will. Dabei wird der Körber-Preis zukünftig alternierend auf den Gebieten der Technischen Wissenschaften und der Lebenswissenschaften vergeben.

Diese Konzentration wurde vorgenommen, weil in den vergangenen Jahrzehnten zunehmend europäische Forschungsprogramme entstanden, die eine derartige grenzübergreifende Zusammenarbeit von Forschern fördern. Durch diese sich ohnehin formenden europäischen Netzwerke besteht kein größerer finanzieller Bedarf an Preisgeldern mehr.

Um den europäischen Gedanken des Körber-Preises dennoch weiter zu stärken und die Suche nach europäischen Wissenschaftlern zu intensivieren, hat die Körber-Stiftung neben dem Kuratorium des Preises zwei weitere Auswahlgremien in den Fachgebieten der Lebenswissenschaften und der Technischen Wissenschaften installiert. Hier haben renommierte Wissenschaftler aus ganz Europa die Aufgabe, die auf ihren Gebieten besten europäischen Kollegen mit ihren zukünftigen Forschungsvorhaben ausfindig zu machen und dem Kuratorium des Körber-Preises zur Entscheidung vorzuschlagen.

Kirsten Elvers | idw
Weitere Informationen:
http://www.stiftung.koerber.de

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