Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Psychologische Hilfe für Krebs-Patienten - Mit PC-gestütztem Fragebogen schneller eingreifen können

30.03.2005


Krebs belastet nicht nur den Körper – auch die Seele leidet. Das Gefühl des Ausgeliefertseins und die Furcht vor Nebenwirkungen stehen der Hoffnung auf Heilung gegenüber. Diese psychosozialen Belastungen beeinträchtigen die Lebensqualität des Patienten oft erheblich. Die Deutsche Krebshilfe fördert jetzt in München mit 173.000 Euro ein Projekt, bei dem eine neue Methode erprobt wird: Per computergestütztem Fragebogen sollen psychisch besonders stark belastete Patienten im Klinikalltag schneller erkannt werden, um ihnen gezielt psycho-onkologische Hilfe anzubieten.



„Jeder dritte Krebs-Patient ist psychisch so stark belastet, dass er professionelle psycho-onkologische Hilfe braucht“, so Professor Dr. Peter Herschbach, Leiter des Projekts am Institut für psychosomatische Medizin, Psychotherapie und medizinische Psychologie der Technischen Universität München. „Eine optimale psychologische Betreuung erleichtert es den Betroffenen, ihre Diagnose, die notwendigen Untersuchungen und Behandlungen zu akzeptieren sowie ihre psychischen Belastungen zu vermindern“, erklärt der Psychologe.

... mehr zu:
»Psycho-Onkologie »Psychologe


Doch wie erkennt der Arzt, ob ein Patient tatsächlich psychologische Hilfe braucht – und diese auch annehmen und davon profitieren würde? „Bisherige Untersuchungen haben gezeigt, dass die spontane Beurteilung durch den Arzt nicht immer zu verlässlichen Angaben führt“, erläutert Professor Herschbach. Fragebögen sollen daher helfen, besonders belastete Patienten zu erfassen. „Das Austeilen von Fragebögen und vor allem deren schnelle Auswertung ist jedoch sehr zeit- und personalaufwändig und im Klinikalltag nicht immer machbar“, so der Projektleiter. Dies sei ein entscheidender Grund dafür, dass eine psychologische Betreuung von Krebs-Patienten nur selten systematisch durchgeführt wird. „Insbesondere für Krebs-Patienten während der Strahlentherapie fehlen spezifische Verfahren, die Betreuungsbedürftige rasch und zuverlässig erkennen helfen“, so Professor Herschbach.

Im Rahmen des Forschungsprojekts werden jetzt die Machbarkeit und der Nutzen der so genannten computergestützten Psychodiagnostik unter Routinebedingungen untersucht: Ein spezifischer Fragebogen ist dabei auf einem Laptop installiert. Über diesen „Tablet-PC“, der nicht viel größer als ein Klemmbrett ist, beantwortet der Patient die Fragen mit einem Stift direkt auf dem Bildschirm. Der Fragebogen bezieht neben den spezifischen Aspekten der strahlentherapeutischen Behandlung auch die Gesamtsituation des Betroffenen mit ein. Im Mittelpunkt stehen Fragen nach den Einschränkungen der Leistungsfähigkeit, nach emotionalen Belastungen und partnerschaftlichen Problemen. Befragt werden 480 Krebs-Patienten während einer Strahlentherapie sowie Ärzte und Pflegekräfte. Die Untersuchungen werden durchgeführt an beiden Münchener radio-onkologischen Universitätskliniken Großhadern und Rechts der Isar.

Der Vorteil des PC-gestützten Fragebogens: Die Auswertung ist sofort zugänglich, und die Ärzte erhalten schnell ein Belastungsprofil des Betroffenen. Ist dabei ein bestimmter kritischer Wert überschritten, wird ein Psycho-Onkologe hinzugezogen, der den Patienten dann gezielt behandelt. „Seit einigen Jahren gewinnt die computergestützte Psychodiagnostik in der Medizin immer mehr an Bedeutung“, erläutert Professor Herschbach. „In der Onkologie wird diese Methode allerdings erst seit wenigen Jahren und fast ausschließlich in angelsächsischen Ländern eingesetzt.“ Das Ziel ist es, die psychologische Betreuung von Krebs-Patienten zu verbessern und damit deren Lebensqualität zu erhöhen.

Info-Kasten: Psycho-Onkologie

Psycho-Onkologen kümmern sich sowohl um die psychischen Folgen der Krankheit Krebs als auch um jene, die mit der Therapie einhergehen. Wichtigstes Ziel der Psycho-Onkologie ist es, den Betroffenen bei der Bewältigung ihrer seelischen Belastungen zu helfen. Psycho-Onkologie wird von Psychologen, Soziologen und Ärzten praktiziert.

Projekt-Nr.: 106079

| Deutsche Krebshilfe e.V.
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Berichte zu: Psycho-Onkologie Psychologe

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Sechs innovative Projekte sind im Rennen um den begehrten European Health Award 2017
17.08.2017 | European Health Forum Gastein

nachricht ERC-Grants: Fünf neue Projekte an der LMU
11.08.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Eine Karte der Zellkraftwerke

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Chronische Infektionen aushebeln: Ein neuer Wirkstoff auf dem Weg in die Entwicklung

18.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Computer mit Köpfchen

18.08.2017 | Informationstechnologie