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Grenzen überschreiten für die Forschung von morgen

19.01.2005


NEST (New and Emerging Science and Technology) ist eine Initiative des Sechsten Forschungsrahmenprogramms der EU zur Förderung unkonventioneller und visionärer Forschung. Am 1. Februar 2005 startet das erste in der Max-Planck-Gesellschaft koordinierte NEST-Projekt. Ein internationales Konsortium unter der Leitung von Prof. Stefan Hell (MPI für biophysikalische Chemie, Göttingen) hat sich das ehrgeizige Ziel gesetzt, die Auflösungsgrenze des konventionellen Lichtmikroskops zu durchbrechen, und erhält dafür europäische Fördermittel in Höhe von 1,3 Mio. Euro. Zwei Marie-Curie-Stipendiaten aus Schweden und Argentinien werden das Göttinger Team verstärken.


Bereits im Jahr 2003 hatte die EU-Kommission zur Einreichung von Vorschlägen für die Förderung unkonventioneller und visionärer Forschung (NEST-Programm) aufgerufen. Die Formulierung der Projektziele war dabei frei von programmatischen Vorgaben. Während des zweistufigen Antragsverfahrens mussten die Forscher insgesamt elf unabhängige Gutachter davon überzeugen, dass die Projektziele "eine wirklich bedeutende Herausforderung darstellen, der potenzielle Nutzen der Forschungsarbeiten enorm und der Arbeitsansatz multidisziplinär und hochgradig innovativ ist".

Aus 275 eingereichten Projektskizzen quer durch alle wissenschaftlichen Disziplinen wurden elf ADVENTURE-Projekte für die Förderung vorgeschlagen, darunter das Göttinger Projekt mit der Kurzbezeichnung SPOTLITE. Koordinator ist Prof. Stefan Hell vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie. Mit von der Partie sind die Professoren Jerker Widengren (Königliche Technische Hochschule Stockholm, Schweden), Pekka Hänninen (Universität Turku, Finnland), Karl-Heinz Drexhage (Universität Siegen) mit ihren Arbeitsgruppen sowie Dr. Jörg Reichwein, Geschäftsführer der Siegener Firma ATTO-TEC GmbH. Der finanzielle Rahmen der europäischen Fördermittel beträgt 1,3 Mio. Euro.


SPOTLITE verfolgt das ambitionierte Ziel, die beugungsbedingte Grenze des Lichtmikroskops zu durchbrechen und die Auflösung von etwa einem halben Mikrometer (tausendstel Millimeter) auf wenige Nanometer (millionstel Millimeter) zu steigern. Dies soll mit konventionellen Lichtquellen an Stelle von komplexen Lasersystemen erreicht werden. Mit dem "Nanoskop" könnte es gelingen, lebende Zellen und deren Strukturelemente dreidimensional in Echtzeit mit bislang unerreichter Auflösung darzustellen. Außer in der Zellbiologie liegen wichtige Anwendungsmöglichkeiten vor allem in der Lithografie zur Herstellung von integrierten Schaltkreisen sowie in der optischen Datenspeicherung. Zum Auftakt von SPOTLITE findet im Februar 2005 ein Treffen des Konsortiums in Göttingen statt, zu dem auch der wissenschaftliche Projektbetreuer der EU-Kommission aus Brüssel anreisen wird.

Fast zeitgleich mit dem NEST-Förderbescheid hat die EU-Kommission zwei Postdoc-Stellen aus dem Marie-Curie-Programm für Dr. Hans Blom aus Schweden und Dr. Mariano Bossi aus Argentinien bewilligt. Die beiden Forscher erhalten damit die Möglichkeit, zwei Jahre lang am SPOTLITE-Projekt in der Abteilung NanoBiophotonik des Max-Planck-Instituts für biophysikalische Chemie mitzuarbeiten. Joachim Bormann

Weitere Informationen:

Dr. Joachim Bormann, EU-Referat, Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie,
Am Faßberg 11, 37077 Göttingen, Tel. 0551 201-1076, Fax: -1175,
eMail: j.bormann@gwdg.de

Dr. Christoph Nothdurft | idw
Weitere Informationen:
http://www.mpibpc.mpg.de
http://www.mpibpc.mpg.de/PR/05_01
http://www.mpibpc.mpg.de/groups/hell/

Weitere Berichte zu: Konsortium Lichtmikroskop SPOTLITE

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