Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Krebsmedikament aus dem Komposthaufen: Myxobakterien-Forscher der GBF mit dem Beckurts-Preis ausgezeichnet

07.12.2004


Mit dem renommierten Karl Heinz Beckurts-Preis werden zwei Wissenschaftler der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) in Braunschweig geehrt. Der Mikrobiologe Professor Dr. Hans Reichenbach und der Chemiker Professor Dr. Gerhard Höfle nehmen die Auszeichnung am Freitag, 10. Dezember, bei einem Festakt in der Münchner Residenz entgegen. Die Juroren der Karl Heinz Beckurts-Stiftung wollen, wie es in einer Mitteilung der Stiftung heißt, die "exzellenten Arbeiten in der Naturstoffforschung" würdigen, die Reichenbach und Höfle seit Jahrzehnten leisten.



Seit den siebziger Jahren erforschen die beiden Braunschweiger Wissenschaftler die Biologie und Chemie der Myxobakterien. Diese im Boden lebenden Bakterien erregen das Interesse der Wissenschaft wegen ihrer ungewöhnlichen Lebensweise und weil sie eine Vielzahl verschiedenster chemischer Verbindungen herstellen und in ihre Umgebung abgeben.



Zahlreiche dieser Stoffe haben interessante biologische Eigenschaften und können bei der Behandlung von Krankheiten oder im Pflanzenschutz eingesetzt werden. Reichenbach entwickelte zunächst Isolier- und Kultivierungsverfahren für die schwierig zu handhabenden Myxobakterien, die er in Erdproben und verrottendem Pflanzenmaterial gefunden hatte. In den sechziger Jahren galten diese Mikroorganismen noch als kaum kultivierbar. Mittlerweile wurden an der GBF rund 6000 verschiedene Stämme von Myxobakterien aus bekannten und neuen Gattungen und Arten isoliert, viele davon chemisch charakterisiert und im großen Maßstab kultiviert.

Bei der genaueren Untersuchung dieser Bakterien entdeckte man in Braunschweig an die 600 unterschiedliche chemische Verbindungen. Eines der mikrobiellen Stoffwechselprodukte, das Epothilon, kann Krebszellen abtöten und eignet sich daher für die Tumor-Therapie. Gemeinsam mit einem Partner aus der Pharmaindustrie hat Gerhard Höfle Epothilon-Varianten hergestellt, die sich mittlerweile in der fortgeschrittenen klinischen Prüfung befinden.
Höfle und Reichenbach zeigten sich erfreut über die persönliche Anerkennung, betonten allerdings, dass ihr Erfolg nicht zuletzt auch dem Engagement und der Kreativität ihrer Mitarbeiter zu verdanken sei. Ihre Forschungsarbeit, erklären die Preisträger, sei eine Teamleistung und wäre nicht möglich gewesen ohne den Einsatz vieler Kollegen - von Biologen, Chemikern, Ingenieuren und Technischen Mitarbeitern.

Der Preis

Der Karl Heinz Beckurts-Preis wird seit 1989 von der gleichnamigen Stiftung verliehen, die das Andenken des Wissenschaftlers und späteren Siemens-Vorstands Karl Heinz Beckurts würdigen soll. Der Preis in Höhe von 30 000 Euro zeichnet herausragende wissenschaftlich-technische Leistungen aus, von denen Impulse für die industrielle Innovation ausgehen.

Manfred Braun | idw
Weitere Informationen:
http://www.gbf.de
http://www.beckurts-stiftung.de

Weitere Berichte zu: Bakterium Krebsmedikament Myxobakterium

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Über zwei Millionen für bessere Bordnetze
28.04.2017 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Innovationspreis 2017 der Deutschen Hochschulmedizin e.V.
24.04.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie