Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Regeneration kontaminierter Böden messbar machen

02.12.2004


Geologen der Universität Jena erhalten BMBF-Mittel zur Optimierung von Messverfahren

... mehr zu:
»Dekontamination »Schwermetall »See

Die kostengünstige Entgiftung schwach kontaminierter Böden mit Hilfe von Pflanzen und Mikroorganismen ist das Fernziel, auf das Biologen und Geologen der Friedrich-Schiller-Universität Jena gemeinsam hinarbeiten. Die Wissenschaftler begleiten die Sanierung der Böden rund um die Uranbergbauhalden in Ostthüringen wissenschaftlich und untersuchen Bio-Geo-Interaktionen im ehemaligen Wismutgebiet. Um die vorhandenen schwach kontaminierten, heterogenen Flächen langfristig wieder nutzbar zu machen, soll ein bestimmter Teil der verstreuten Schwermetalle aus dem Boden gezogen werden. Diese Aufgabe sollen Pflanzen in Gemeinschaft mit speziellen Bodenmikroben übernehmen. "Doch der Vorgang muss kontrolliert werden", sagt Prof. Dr. Georg Büchel von der Universität Jena. Aufgabe seines Teams ist es daher, ein entsprechendes Verfahren zu entwickeln, mit dem die Dekontamination des Bodens messbar wird. Für dieses Vorhaben hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) jetzt 508.000 Euro zur Verfügung gestellt.

Wie effizient die biologische Dekontamination ist, hängt entscheidend von den physikalischen, chemischen und biologischen Prozessen ab, die den Transfer z. B. von Schwermetallen oder Radionukliden aus dem Boden in die Pflanze steuern. "Erkennen wir den Weg, den diese Stoffe etwa über das Bodenwasser und die Bakterien in Wurzeln und Spross der Pflanze bis in die Blätter nehmen, können wir auch Vorschläge unterbreiten, wie das System optimiert werden kann", erklärt Prof. Büchel.


Grundlage für die Messungen ist die an seinem Lehrstuhl für Angewandte Geologie etablierte Messmethode der Laser-Ablations-Massenspektrometrie mit induktiv gekoppeltem Plasma (LA-ICP-MS). "Damit lassen sich Wasser- oder Bodenproben schnell analysieren", berichtet Dr. Dirk Merten, der das Projekt mit beantragt hat und nun betreut. Auch niedrigste Konzentrationen anorganischer Schadstoffe können so, laut dem Chemiker, identifiziert werden. Dazu werden die Stoffe bei Temperaturen von 6.000 Grad Kelvin in Ionen überführt und aufgrund ihrer verschiedenen Masse detektiert. Mehr als dreißig verschiedene Stoffe können in einer Probe gleichzeitig nachgewiesen werden.

Es ergeben sich spezifische Fraktionierungsmuster, diese sind mit Fingerabdrücken vergleichbar. "Uns interessieren besonders die Fraktionierungsmuster von den so genannten Seltenen Erden Elementen (SEE)", erklärt Merten. Betrachtet man ihre sich verändernden Fingerabdrücke "lassen sich daraus Rückschlusse auf biologische aber auch physikalische und chemische Prozesse ziehen, die bei der selektiven Aufnahme von Radionukliden und Schwermetallen auftreten", verdeutlicht Prof. Büchel. Da die Seltenen Erden Elemente als chemische Analoga für trivalente Aktinoide (Am hoch 3+, Cm hoch 3+, Cf hoch 3+) gelten, die in der Umwelt auftreten, liefert die SEE-Analyse zusätzlich einen wesentlichen Beitrag für die Strahlenschutzvorsorge. "Neben der Kontrolle der Dekontamination der begrünten Haldenflächen in Thüringen ist dies ein weiterer wichtiger Grund, das Messverfahren der SEE zu erproben und auf verschiedenen anderen Testfeldern mit schwach radioaktiven Geosubstraten anzuwenden", weist der Jenaer Geologe auf die Relevanz des neuen Forschungsprojektes für den Rückbau kerntechnischer Anlagen im Allgemeinen hin.

Kontakt:

Prof. Dr. Georg Büchel / Dr. Dirk Merten
Institut für Geowissenschaften der Universität Jena
Burgweg 11, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948621
E-Mail: Georg.Buechel@uni-jena.de oder Dirk.Merten@uni-jena.de

Stefanie Hahn | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de/

Weitere Berichte zu: Dekontamination Schwermetall See

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Neues Helmholtz-Institut in Würzburg erforscht Infektionen auf genetischer Ebene
24.05.2017 | Hermann von Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren

nachricht CRTD erhält 1.56 Millionen Euro BMBF-Förderung für Forschung zu degenerativen Netzhauterkrankungen
24.05.2017 | DFG-Forschungszentrum für Regenerative Therapien TU Dresden

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten