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Verleihung der Fritz-Schumacher-Preise für Architektur und Städtebau

03.11.2004


Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. zeichnet Prof. Guido Canali und Prof. Werner Durth für hervorragende Leistungen aus



Prof. Ludwig Schätzl, Präsident der Universität Hannover, verleiht am Freitag, 12. November 2004 um 16 Uhr im Leibnizhaus in Hannover, Holzmarkt 4, die mit jeweils 10.000 Euro dotierten Fritz-Schumacher-Preise der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. Die Preise gehen in diesem Jahr an den italienischen Architekten Prof. Guido Canali und den deutschen Architekturtheoretiker Prof. Werner Durth.

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Die Fritz-Schumacher-Preise sind mit drei Studienreisestipendien an europäische Nachwuchskräfte in Höhe von je 2.050 Euro verbunden. Diese wurden den Studierenden Tiberiu Ciolacu (Cluj-Napoca, Rumänien), Dipl.-Ing. Jan Wesseling (Lünen, Deutschland) und Lea Petroviæ (Zagreb, Kroatien) zugesprochen.

Ein Kolloquium in der Herrenhäuser Str. 8, Raum C 008, bietet bereits um 11 Uhr die Gelegenheit, Projekte der Preisträger kennenzulernen. Pressevertreter sind zu einem Gespräch um 10.30 Uhr in Raum C 009 herzlich eingeladen. Um eine Anmeldung wird bis zum 09. November unter Telefon 0511/ 762-5342 oder per E-Mail unter info@pressestelle.uni-hannover.de gebeten.

Prof. Guido Canali, 1934 in Parma geboren, gehört mit seinen Werken zu den bedeutendsten Architekturpersönlichkeiten Italiens.

Seit den sechziger beziehungsweise siebziger Jahren führt Canali sein Büro in Parma. Neben seiner Arbeit als Architekt, Innenarchitekt und Designer war Canali immer auch Hochschullehrer, zunächst in Parma, dann in Venedig, heute in Ferrara. Schwerpunkt von Guido Canalis Architektentätigkeit ist die Instandsetzung und Umnutzung alter Bausubstanz für urbane Zwecke. Auf der Grundlage sorgfältigster Recherchen zur Geschichte, Typologie und Materialität von Ort und Objekt inszeniert er seine Projekte nicht als wiederhergestellte historische Bauwerke, sondern als auf das Wesentliche reduzierte Typologien, die Geschichte interpretieren und weiterführen. Prominente Beispiele sind der Palazzo della Pilotta und das Centro Elisabetha in Parma, ein zu einem Kongresszentrum umgebautes Gehöft am Rande der Stadt, zum dritten ein innerstädtisches Quartier in Sassuolo, einer Stadt in der Nähe von Ferrara, in dem ein ehemaliger extensiver Schulbau zu einem urbanen, transparenten Ensemble von Rathaus und Ladengalerien umgebaut wurde. In diesem Quartier hatte Canali bereits in den achtziger Jahren ein ehemaliges Gefängnis in ein kommunales Verwaltungsgebäude verwandelt.

Der Architekt, Stadtplaner und Soziologe Prof. Werner Durth wird für seine Leistungen auf dem Gebiet der sozialwissenschaftlichen Stadtforschung ausgezeichnet.

1977 legte Werner Durth mit seiner Publikation "Die Inszenierung der Alltagswelt" einen viel beachteten Beitrag zu einer soziologisch fundierten Architekturtheorie vor, damals aktuell aus der Kritik an der aufkommenden Postmoderne in Architektur und Stadtgestaltung entfaltet. Sein 1986 erschienenes Buch "Deutsche Architekten. Biographische Verflechtungen 1900-1970" wies erstmals überraschende Kontinuitäten im Übergang aus dem "Dritten Reich" in die jungen Bundesrepublik nach. Deren Auswirkungen im Wiederaufbau durch den Krieg zerstörter Städte wurden 1988 in den beiden Bänden des Werkes "Träume in Trümmern" untersucht. Als vergleichende Untersuchung von Entwicklungslinien der Baukultur im Osten und Westen Europas in der Zeit des Kalten Krieges folgte 1998 das zweibändige Werk "Ostkreuz/ Aufbau. Architektur und Städtebau in der DDR"

Über jene wegweisenden Studien hinaus sind auch die Beiträge Werner Durths für die Schriftenreihe des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz zu nennen. Mit dem Preis wird nicht zuletzt Durths Einsatz in der Praxis der Denkmalpflege gewürdigt, insbesondere sein Engagement für das Festspielhaus von Heinrich Tessenow in Hellerau und den Altbau der Akademie der Künste am Pariser Platz in Berlin. Neben seiner wissenschaftlichen Arbeit ist Werner Durth als freier Architekt und Stadtplaner tätig.

Die Fritz-Schumacher-Preise der Alfred Toepfer Stiftung F.V.S. Hamburg werden seit 1960 jährlich durch die Universität Hannover zu Ehren des Architekten Fritz Schumacher vergeben. Es werden Persönlichkeiten ausgezeichnet, die beispielhafte Leistungen auf den Gebieten Städtebau, Landesplanung, Architektur, Landschafts- und Grünflächenplanung, konstruktiver Ingenieurbau, Baugeschichte, Stadtökologie und Stadtsoziologie erbracht haben. Preisträger der vergangenen zwei Jahre waren Prof. Dipl.-Ing. Otto Steidle, München, Dipl.-Architektin Annette Gigon und Dipl.-Architekt Mike Guyer, Zürich, Prof. Dr. rer. Pol. Hartmut Häußermann, Berlin und sauerbruch hutton architekten, Berlin.

Dem unabhängigen Preiskuratorium gehören derzeit an:
Prof. Dipl.-Ing. Manfred Schomers, Hannover (Vorsitzender); Prof. Dipl.-Ing. Klaus Trojan, Hannover (Stellv. Vorsitzender); Prof. Dr.-Ing. Rainer Barthel, München; Dipl.-Ing. Uta Boockhoff-Gries, Stadtbaurätin Hannover; Prof. Dr. Walter Siebel, Oldenburg; Oberbaudirektor Dipl.-Ing. Jörn Walter, Hamburg; Prof. Udo Weilacher, Hannover; Prof. Dr. Ludwig Schätzl, Präsident der Uni Hannover (beratend); Prof. Ing. arch. Vladimír Šlapeta DrSc., Prag/ Tschechien (beratend).

Dr. Stefanie Beier | Universität Hannover
Weitere Informationen:
http://www.uni-hannover.de

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