Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tierschutz in der Forschung verbessern - Ursula M. Händel-Tierschutzpreis verliehen

28.10.2004


DFG verleiht erstmalig Ursula M. Händel-Tierschutzpreis



Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) verleiht in diesem Jahr zum ersten Mal den Ursula M. Händel-Tierschutzpreis. Die Auszeichnung geht an Professor Lisa Wiesmüller, Universitätsfrauenklinik Ulm, und Professor Karl Otto, Medizinische Hochschule Hannover. Mit diesem Preis werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgezeichnet, die sich vorbildlich und nachhaltig darum bemühen, den Tierschutz in der Forschung zu verbessern. Dazu gehört insbesondere die Entwicklung von Verfahren, die zur Reduzierung, Verfeinerung und zum Ersatz von Tierversuchen beitragen. Die beiden Preisträger sind von einer unabhängigen Jury unter 14 eingegangenen Bewerbungen ausgewählt worden. Dieses Votum bestätigte das Präsidium der DFG in seiner Juli-Sitzung. Der mit je 12 500 Euro dotierte Preis wird am 17. November 2004 in Bonn verliehen.



Lisa Wiesmüller (43) ist Leiterin der Gynäkologischen Onkologie der Universitätsfrauenklinik Ulm. Sie hat ein Testverfahren entwickelt, mit dem Chemikalien, Arzneimittel und Lebensmittelzusätze in menschlichen Zellkulturen auf ihre erbgutschädigende und krebserzeugende Wirkung geprüft werden können. Bisher war ein sicherer Nachweis dieser Wirkung nur im Tierversuch möglich. Das neue Testverfahren basiert auf der Auswertung von Fluoreszenz-Signalen, das heißt, es unterscheidet leuchtende von nicht-leuchtenden Zellen. Anders als bei bisherigen Tests lässt das von Lisa Wiesmüller entwickelte Verfahren zuverlässige Rückschlüsse auf die krebserzeugende Eigenschaft von Substanzen zu. Die Arbeiten von Lisa Wiesmüller könnten zukünftig erheblich zur Vermeidung von Tierversuchen auf diesem Gebiet beitragen. Für die Erforschung von Alternativmethoden zum Tierversuch wurde sie 2002 mit dem Preis der Fondation Internationale pour la Substitution de l’Expérimentation Animale (FISEA) ausgezeichnet.

Klaus Otto (51) ist Professor für Experimentelle Anästhesiologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Er beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit der Beurteilung der Narkosetiefe und Schmerzbekämpfung bei Tieren während chirurgischer Eingriffe. Seine Untersuchungen weisen darauf hin, dass die in der klinischen und tierexperimentellen Praxis verwendeten Parameter Herzfrequenz, Blutdruck und Pupillenreaktion oft nicht ausreichen, um eine Schmerzwahrnehmung des Tieres ausschließen zu können. Klaus Otto hat daher die Messung von Hirnaktivitäten per Elektroenzephalogramm (EEG) als weiteres Bewertungskriterium hinzugezogen. Ziel seiner Arbeit ist, objektive Kriterien für die Bewertung des Schmerzempfindens von Tieren bei Operationen zu entwickeln. Eine standardisierte Narkoseüberwachung mit computergestützter EEG-Analyse soll letztlich die Möglichkeit schaffen, Narkose- und Schmerzmittel so genau zu dosieren, dass Schmerzen bei den Tieren ausgeschlossen und Störungen in ihren Kreislauffunktionen möglichst gering gehalten werden.

Der Ursula M. Händel-Tierschutzpreis geht auf die Initiative seiner gleichnamigen Stifterin zurück. Frau Händel setzt sich seit vielen Jahren in vielfältiger Weise für den Tierschutz ein. So hat sie unter anderem den "Bonner Arbeitskreis für Tierschutzrecht" gegründet und sich in diesem Rahmen für die Novellierung des Tierschutzgesetzes engagiert. Ein besonderes Anliegen ist für sie der Tierschutz in Wissenschaft und Forschung. Dabei zielt ihr Engagement vor allem darauf, das Leiden von Versuchstieren so weit wie möglich zu begrenzen und die Zahl von Tierversuchen zu reduzieren. Zu diesem Zweck hat Frau Händel der DFG umfangreiche finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt, mit denen nun im Rahmen des Ursula M. Händel-Tierschutzpreises Arbeiten zur Verbesserung des Tierschutzes in der Forschung ausgezeichnet werden können.

Die Preisverleihung findet statt am Mittwoch, 17. November, um 18 Uhr im Deutschen Museum Bonn, Ahrstraße 45. Den Festvortrag hält Professor Axel Haverich, Medizinische Hochschule Hannover. Journalisten sind bei der Veranstaltung herzlich willkommen.

Dr. Eva-Maria Streier | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de/

Weitere Berichte zu: Händel-Tierschutzpreis Tierschutz Tierversuch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

nachricht 1,5 Mio. Euro für das Zentrum für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung (ZSW)
05.12.2016 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Im Focus: Shape matters when light meets atom

Mapping the interaction of a single atom with a single photon may inform design of quantum devices

Have you ever wondered how you see the world? Vision is about photons of light, which are packets of energy, interacting with the atoms or molecules in what...

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nährstoffhaushalt einer neuentdeckten “Todeszone” im Indischen Ozean auf der Kippe

06.12.2016 | Geowissenschaften

Entschlüsselung von Kommunikationswegen zwischen Tumor- und Immunzellen beim Eierstockkrebs

06.12.2016 | Medizin Gesundheit

Bioabbaubare Polymer-Beschichtung für Implantate

06.12.2016 | Materialwissenschaften