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Wissenschaftspreis des Stifterverbandes der Deutschen Wissenschaft 2004 vergeben

19.10.2004


Carl Böhret erhält den Wissenschaftspreis des Stifterverbandes der Deutschen Wissenschaft 2004


Univ.-Prof. Dr. Carl Böhret



Der Stifterverband der Deutschen Wissenschaft wird auf Vorschlag der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gemeinschaft seinen diesjährigen Wissenschaftspreis in der Kategorie "Gesellschaft braucht Wissenschaft" an Herrn Univ.-Prof. Dr. Carl Böhret für seine Arbeiten zur Gesetzesfolgenabschätzung verleihen. Der Direktor des Forschungsinstituts für öffentliche Verwaltung bei der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer (FÖV), Univ.-Prof. Dr. Jan Ziekow, und Univ.-Prof. Dr. Werner Jann, Potsdam, hatten Böhret vorgeschlagen, eine zehnköpfige Jury aus Vertretern von Wissenschaft und Gesellschaft wählte aus. Der Wissenschaftspreis würdigt wegweisende wissenschaftliche Arbeiten, die an einem Mitgliedsinstitut der WGL entstanden sind und die praktische Umsetzungen in Wirtschaft, Politik, Gesellschaft und Forschung bewirken. Neben der wissenschaftlichen Qualität stellt also auch der erfolgreiche Transfer in die Praxis eine Grundlage für die Preiswürdigkeit der Arbeiten dar. Der Preis, der mit 50.000,- Euro dotiert ist, wird im Rahmen der diesjährigen Jahrestagung der Leibniz-Gemeinschaft am 25. November 2004 in Berlin verliehen. Überreicht wird er vom Vorsitzenden des Vorstands der BASF AG Ludwigshafen, Herrn Dr. Jürgen Hambrecht. Die Laudatio wird von Herrn Univ.-Prof. Dr. Dr. Ekkehard Nuissl van Rein, dem Wissenschaftlichen Vizepräsidenten der Leibniz-Gemeinschaft, gehalten.



Nach Einschätzung der Jury erfüllen die anwendungsorientierten Forschungen Böhrets und seiner Mitarbeiter die Kriterien der WGL in hohem Maße. Sowohl die erfolgreiche Anwendung der Folgenabschätzungsmethoden auf Regelungsvorhaben des Bundes und der Länder als auch die Aufnahme der Verfahren in die Geschäftsordnungen der Ministerien des Bundes und mehrerer Länder zeugen davon. Schließlich werden Kategorien und Methoden auch zunehmend international anerkannt. Gesetzesfolgenabschätzungen können in verschiedenen Phasen der Rechtsetzung zum Zuge kommen. So kann der Gesetzgeber bereits im Vorfeld systematisch Regelungsalternativen und deren wahrscheinliche Folgen ermitteln. Im Gesetzgebungsverfahren kann das Verhältnis von Kosten und Nutzen sowie von Verständlichkeit und Vollziehbarkeit eines Gesetzesentwurfs bewertet werden. Nach dem Inkrafttreten schließt sich dann die Frage nach der Bewährung eines Gesetzes an, die zum Beispiel hinsichtlich der Akzeptanz und vor allem der Zielerreichung überprüft werden kann.

Der Preis würdigt insbesondere das 2001 im Nomos-Verlag erschienene "Handbuch Gesetzesfolgenabschätzung", das Böhret gemeinsam mit Dr. Götz Konzendorf verfasst hat. Das Handbuch ist eine der wichtigsten Publikationen Böhrets und dient inzwischen als Arbeitshilfe bei der Gesetzgebung des Bundes und mehrerer Länder. Diese vorwiegend am FÖV und der dort angesiedelten, von Böhret geleiteten Wissenschaftlichen Dokumentations- und Transferstelle für Verwaltungsmodernisierung in den Ländern (WiDuT) entstandenen Forschungsarbeiten werden dort konsequent weiterentwickelt und an Bund und Länder - unter anderem im Rahmen von Beratungsworkshops - kommuniziert.

In Böhrets beruflichem Werdegang ist Rotation zum Prinzip geworden. Von seiner Mechanikerlehre über eine Tätigkeit für eine Forschungs- und Entwicklungsabteilung in der Fahrzeugindustrie sowie eine Verbandstätigkeit kam Böhret zu Studium, Promotion und Habilitation in Politischer Wissenschaft an der Freien Universität Berlin. Nach einem Forschungsaufenthalt in den USA und einer leitenden Tätigkeit in der Wirtschaft kehrte Böhret in die Wissenschaft zurück, zunächst als Professor an die Freie Universität Berlin und ab 1974 an die Deutsche Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer. Von 1984 bis 1988 war er Geschäftsführender Direktor des FÖV, dessen praxisnahe Forschungsausrichtung er maßgeblich mitprägte. Die von ihm prägnant in "Forschung für und über die öffentliche Verwaltung" zusammengefasste Leitlinie bestimmt bis heute die Arbeit des FÖV als wissenschaftlichen Kompetenzzentrums für Verwaltungsforschung. Böhrets Nähe zur Verwaltungs- und Regierungspraxis kommt auch durch eine Vielzahl von Mitgliedschaften in Beiräten, Kuratorien und Expertenkommissionen zum Ausdruck. Für sein Engagement erhielt er das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse.

In den zurückliegenden Jahren wurde der Wissenschaftspreis an Naturwissenschaftler vergeben. Er ist deshalb eine besondere Auszeichnung für das FÖV als Einrichtung der rechts- und sozialwissenschaftlichen Forschung.

Ansprechpartner:

Forschungsinstitut für öffentliche Verwaltung
bei der Deutschen Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer
Dr. Margrit Seckelmann
Postfach 1409, 67324 Speyer
phone: 06232/654-387
fax: 06232/654-290
mail: seckelmann@foev-speyer.de

Dr. Klauspeter Strohm | idw
Weitere Informationen:
http://www.foev-speyer.de

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