Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

DBU-Umweltpreis 2004 für Unternehmer Jung und Forscher Antranikian

14.10.2004


Stiftung würdigt Engagement und Entwicklung innovativer Technologien zum Schutz der Umwelt - Ehrenpreis Lebenswerk für Loki Schmidt

Die neuen Träger des Deutschen Umweltpreises stehen fest: Der mit 500.000 Euro höchst dotierte Umweltpreis Europas geht an den Pulheimer Unternehmer Alfred Heinrich Jung (49) und den Hamburger Mikrobiologen Professor Dr. Dr. h.c. Garabed Antranikian (53). Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU) würdigt damit die Leistungen zweier Umweltpioniere. Jung, Gründer und Chef der auf Dichtungen spezialisierten mittelständischen Firma Jungtec, erhält die Auszeichnung für eine innovative Technologie, durch die immense Umweltentlastungen möglich und Gesundheitsgefahren verringert werden. Antranikian, der extreme Lebensräume untersucht und Leiter des Instituts für Technische Mikrobiologie der Technischen Universität Hamburg-Harburg ist, wird für seine Arbeit in der Weißen Biotechnologie ausgezeichnet. Durch sie können chemische Prozesse so umgestaltet werden, dass die Umwelt erheblich entlastet wird. Mit dem Ehrenpreis für ihr Lebenswerk wird Professor Dr. h.c. Hannelore (Loki) Schmidt (85, Hamburg) geehrt. Die Preisträger nehmen die Auszeichnung aus der Hand von Bundespräsident Horst Köhler am 31. Oktober in Mainz in Empfang.

Für die Herstellung vieler Produkte wie etwa Benzin ist die Verwendung gesundheits- und umweltschädlicher Stoffe nicht zu vermeiden. In den Produktionsanlagen sorgen Dichtungen dafür, dass chemische Substanzen nicht unkontrolliert entweichen können. Doch selbst modernste Dichtungen schließen nicht vollständig ab, so dass viele Millionen Kubikmeter Gas pro Jahr an die Atmosphäre entweichen - mit schwerwiegenden Folgen für Umwelt und Gesundheit.

Die Firma Jungtec hat eine Technologie entwickelt, durch die im Vergleich zu bisherigen Dichtungen nur ein Milliardstel der giftigen Stoffe ins Freie gelangt. Damit können über 95 Prozent der Emissionen vermieden werden, die teilweise Krebs erregend sind oder zum Treibhauseffekt beitragen. "Neben dem positiven Effekt für Umwelt und Gesundheit zahlt sich die Technologie auch für die Unternehmen aus", sagte DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde. "Die Jungtec-Dichtungen sind im Preis-Leistungs-Verhältnis günstiger, haltbarer und schützen vor Produktverlusten durch schleichende Emissionen."

Um industrielle Herstellungsprozesse umweltfreundlicher zu machen, forscht Professor Antranikian seit fast 25 Jahren in exotischen Lebensräumen nach Mikroorganismen, die unter extremen Bedingungen leben. Sie können deshalb in rauen Industrieprozessen eingesetzt werden, in denen starke Hitze, Kälte oder Säure herrschen. "Professor Antranikian hat das außerordentliche Potenzial dieser so genannten extremophilen Mikroorganismen für die Weiße Biotechnologie früh erkannt", so Brickwedde. Die Weiße oder industrielle Biotechnologie setzt durch nachhaltige Prozesse darauf, Umweltbelastungen möglichst erst gar nicht entstehen zu lassen.

Die Enzyme (Biokatalysatoren) aus Mikroorganismen ersetzen oder optimieren in vielen Fällen herkömmliche, meist teurere, langwierigere und umweltschädliche Verfahren. Sie können in der Chemie- und Pharmaindustrie sowie in den Bereichen Kosmetik, Lebensmittel und Textil eingesetzt werden. Das bekannteste Beispiel Weißer Biotechnologie sind Enzyme in Waschmitteln, die Fett und Schmutz noch besser beseitigen. Hierdurch wird weniger Pulver verbraucht, und es kann bei niedrigerer Temperatur gewaschen werden. Allein durch Waschen bei 40 Grad anstatt bei 60 Grad könnten pro Jahr 1,3 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden - das entspricht in etwa dem Kohlendioxidausstoß von 1,7 Millionen Familien, die mit ihrem Auto jeweils über 4.000 Kilometer in Urlaub fahren.

Der Schutz der Natur sei für Loki Schmidt Herzenssache. "Mit Charisma und bürgernahen Aktionen wie der ’Blume des Jahres’ hat sie für den Naturschutz in breiten Kreisen der Bevölkerung eine Bresche geschlagen", sagte Brickwedde. 1976 habe sie das Kuratorium zum Schutze gefährdeter Pflanzen ins Leben gerufen, das heute als Stiftung Natur und Pflanzen Naturschutz auf stiftungseigenen Grundstücken betreibt. Ihr Einsatz für die Botanischen Gärten sei beispielhaft. Als eine der Ersten habe sie auf die Notwendigkeit hingewiesen, das genetische Erbe der Pflanzenwelt zu erhalten und Saatgut tiefgekühlt zu deponieren.

Franz-Georg Elpers | DBU
Weitere Informationen:
http://www.dbu.de

Weitere Berichte zu: Biotechnologie Mikroorganismus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Eine Milliarde Euro für die Hochschulmedizin
17.02.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

nachricht Sensible Daten besser analysieren
16.02.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Im Focus: Sensoren mit Adlerblick

Stuttgarter Forscher stellen extrem leistungsfähiges Linsensystem her

Adleraugen sind extrem scharf und sehen sowohl nach vorne, als auch zur Seite gut – Eigenschaften, die man auch beim autonomen Fahren gerne hätte. Physiker der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Wie ehrlich sind unsere Lebensmittel?

21.02.2017 | Veranstaltungen

Die Welt der keramischen Werkstoffe - 4. März 2017

20.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Kleine Moleküle gegen altersbedingte Erkrankungen

21.02.2017 | Biowissenschaften Chemie

Baukasten-System für die Linienfertigung: Die VL-Baureihe von EMAG

21.02.2017 | Maschinenbau

RWI/ISL-Containerumschlag-Index: Aufwärtstendenz setzt sich fort

21.02.2017 | Wirtschaft Finanzen