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1822-Universitätspreis für exzellente Lehre zum dritten Mal vergeben

28.06.2004


Sie ist schon zur guten Tradition geworden: die alljährliche Verleihung des mit 15.000 Euro dotierten 1822-Universitätspreises für exzellente Lehre, die Oberbürgermeisterin Petra Roth, Karl-Heinz Schmidt, Vorstandsmitglied der Frankfurter Sparkasse und Präsident Prof. Rudolf Steinberg heute vorgenommen haben. Diesjähriger Preisträger ist PD Dr. Helmut Wicht aus dem Fachbereich Medizin.



Mit dem 1822-Universitätspreis werden Hochschullehrer an der Universität Frankfurt ausgezeichnet, die sich in besonderer Weise um die grundständige Ausbildung der Studierenden bemühen. Karl-Heinz Schmidt sagte, Motivation für die Stiftung des Preises sei die Tatsache, dass die Lehre stets ein wenig im Schatten der Forschung stünde. Man wolle mit dem Preis die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Bedeutung und die hohe Qualität der Lehre an der Universität Frankfurt lenken und für die Hochschullehrer einen Anreiz schaffen, neue Wege in der Lehre zu gehen. In Zukunft sei ein an- spruchsvolles Bildungsangebot für die Jugend immer wichtiger, wobei die Chancen für eine ’Bildungsoffensive’ nicht schlecht stünden; dies zeige beispielsweise die aktuelle Diskussion um verstärkte finanzielle Förderprogramme für die Hochschulen.

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Gute Lehre sei eine wesentliche Voraussetzung für erfolgreiche Abschlüsse in regelgerechten Zeiten und somit ein Schlüsselfaktor für die Qualität der Berufschancen, so Präsident Prof. Rudolf Steinberg. Mit diesem Preis werde die Bedeutung der Lehre in eindrücklicher und wirkungsvoller Weise gewürdigt.

Bei der Entscheidung für einen Preisträger, die der Jury angesichts der zahlreichen Vorschläge aus den Fachbereichen nicht leichtgefallen sei, habe man, so ihr Vorsitzender, Vize- präsident Prof. Jürgen Bereiter-Hahn, besonderen Wert darauf gelegt, eine Persönlichkeit auszuzeichnen, die über herausragende didaktische Fähigkeiten verfüge und sich in außergewöhnlicher Weise für die Lehre engagiere.

Der studierte Biologe und Anatom Helmut Wicht zeichnet sich dadurch aus, dass er in seinen Lehrveranstaltungen eine schwierige Materie durch Bezüge zu anderen Wissensgebieten
anregend darstellt - entsprechend seinem Motto ’Sapere aude!’ - wage zu wissen! Dabei arbeitet er gleichermaßen mit ’konservativen’ wie sehr fortschrittlichen Lehrmethoden und Medien. Ein Beispiel dafür ist das interaktive Lernprogramm zur Anatomie www.fanatomic.de, das er entwickelt hat und das von den Studierenden intensiv genutzt wird.

Eine Mischung, die die Studierenden fasziniert und die spürbar werden lässt, wie sehr die Lehre Helmut Wicht am Herzen liegt, obgleich er weiß, dass "Lehre immer noch der (Selbst)mord an der eigenen akademischen Karriere ist, denn gemessen werden wir an unseren Forschungs- und Publikationsleistungen". Auf die Frage der Studierenden nach der Motivation für seinen Einsatz - schließlich hat Wicht als wissenschaftlicher Mitarbeiter ein Lehrdeputat von lediglich vier Semesterwochenstunden, das er permanent übererfüllt, gab er zur Antwort, dass er einfach Spaß an der Lehre habe. Doch er hat auch ein Anliegen: Wicht möchte beweisen, dass eine Universität nicht nur ein Forschungs- und Lehrbetrieb mit Scheinvergabekriterien und Möglichkeit des Erwerbs eines berufsqualifizierenden Abschlusses ist, sondern vielmehr eine ’Universitas’, ein Ganzes, ein Ort des Zusammenkommens von Menschen ist, die Freude an der Bewegung des Geistes empfinden - zumindest sollte es nach Ansicht von Wicht so sein.

Mehr akademische Glanzlichter, sagt er, brauche der Universitätsbetrieb. Nicht nur in Form von großen, öffentlichkeitswirksamen Feiern, die nach außen leuchteten, sondern vor allem nach innen hin, in den oft grauen Alltagsbetrieb des Lehrens und Lernens hinein müsse der Glanz von ’Akademia’ strahlen. Man müsse spüren, dass es Spaß machen kann, zu denken, man müsse spüren, dass man zu einer Gemeinschaft der Lehrenden und Lernenden, eben der ’Universitas’ gehöre.

Auch wenn es wenig pathetisch klingen mag: die Studierenden der vorklinischen Medizin fühlen sich in diesem Sinne bei Wichts Lehrveranstaltungen gut aufgehoben - nicht zuletzt, weil er die Universität als geistigen Nährboden, als ’alma mater’ im wahrsten Sinne des Wortes spürbar werden lässt.

Kontakt: Heidemarie Barthold, Referentin für Lehr- und Studienangelegenheiten; Tel: 069-798-22476; E-Mail: h.barthold@vdv.uni-frankfurt.de

Peter Sahl, Geschäftsführer der 1822-Stiftung; Töngesgasse 40; 60255 Frankfurt; Tel: 069-2641-4266; E-Mail: Peter.Sahl@Fraspa1822.de

PD Dr. Helmut Wicht; FB Medizin Universität Frankfurt, Dr. Senckenbergische Anatomie; Zentrum der Morphologie; Theodor-Stern-Kai 7; 60596 Frankfurt; Tel.: 069/6301 6911; Fax: 069/6301 3835; E-Mail:wicht@em.uni-frankfurt.de

Vita: PD Dr. Helmut Wicht

geboren 1958, habilitierte sich 1997 an der Universität Frankfurt für das Fach (Human-)Anatomie. Seit 1990 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Frankfurt beschäftigt, an die er nach Studium und Promotion in Biologie an der TU Darmstadt und einem Post-doc-Aufenthalt in den USA kam. Seine Forschungsschwerpunkte sind vergleichende und evolutionäre Neuroanatomie der Chordatiere, Bildanalysesysteme und Morphometrie und - natürlich - die Didaktik der Anatomie. Seine Leidenschaft für die Anatomie entdeckte er bereits während des Studiums und arbeitete während der Promotion als Dozent für Humananatomie an der Krankenpflege schule des Philippshospitals in Riedstadt, wo er erste humananatomische Erfahrung sammelte. Seit er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Dr. Senckenbergischen Anatomie arbeitet, ist er fest in das äußerst umfangreiche und zeitintensive Lehrprogramm des Instituts integriert: er unterrichtet in Kursen, Seminaren und hält Vorlesungen zu allen Aspekten der mikro- und makroskopischen Anatomie des Menschen. Mit seinen Veranstaltungen versucht er auch, die Öffentlichkeitswirkung der Anatomie zu verbessern, unter anderem im Rahmen der stets äußerst gut besuchten ’Weihnachtsvorlesung’, der unterdessen schon traditionellen ’Jahresabschlussveranstaltung’ des Fachbereichs Medizin. Seit einigen Jahren hat er sich verstärkt den neuen Medien und ihrem Einsatz in der Lehre der Anatomie zugewandt; das Resultat ist im Internet abzurufen.

Dr. Ralf Breyer | idw
Weitere Informationen:
http://www.fanatomic.de
http://www.uni-frankfurt.de

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