Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

300.000 Euro für vielversprechende neue Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs

14.06.2004


Manfred Lautenschläger stiftet 300.000 Euro für die klinische Prüfung einer vielversprechenden neuen Therapie von Bauchspeicheldrüsenkrebs



Der Aufsichtsratsvorsitzende der MLP AG Manfred Lautenschläger hat der Heidelberger Stiftung Chirurgie 300.000 Euro für eine Studie zur Verfügung gestellt, die eine neue, vielversprechende Behandlungsmöglichkeit für bösartige Tumoren der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in Aussicht stellt. Damit erweitert Herr Lautenschläger sein Engagement für die Stiftung und die Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg, der er bereits ein jährliches Ausbildungsstipendium für junge Mediziner in Höhe von 25.000 Euro zugesagt hat.



Bei einer Pressekonferenz am 9. Juni 2004 in Heidelberg erläuterte Herr Lautenschläger sein besonderes Engagement für die Pankreasforschung. Vor mehr als 20 Jahren war ihm nach aufgrund eines bösartigen Tumors die Bauchspeicheldrüse rechtzeitig entfernt worden. "Ich gehöre zu den drei Patienten in Deutschland, die diese schwere Erkrankung so lange überlebt haben."

Das Pankreaskarzinom ist die fünfthäufigste Todesursache durch ein Tumorleiden; jährlich erkranken daran in Deutschland ca. 10.000 Menschen. Bislang sind die Behandlungsergebnisse noch immer sehr limitiert: Weniger als 10 Prozent der Betroffenen leben länger als fünf Jahre. Etwas bessere Chancen haben jedoch Patienten, deren bösartiger Tumor frühzeitig entdeckt und entfernt werden kann; dies ist bei etwa 20 Prozent der Betroffenen möglich.

Kombination aus Chemotherapie, Bestrahlung und Interferon alpha (CapRI)

Die geplante Studie könnte einen Durchbruch für die Behandlung des Pankreaskarzinoms bringen. Dabei soll ein neues Therapieschema, das an der Virginia Mason Clinic in Seattle erstmals erfolgreich getestet wurde, mit der derzeit besten klinisch erprobten Behandlung verglichen werden. In der amerikanischen Klinik wurden Patienten nach Entfernung des Tumors mit einer Dreifach-Kombination aus Chemotherapie, Bestrahlung und Interferon alpha behandelt. Die Ergebnisse dieser Studie waren beeindruckend: Nach zwei Jahren lebten 64 und nach fünf Jahren noch 55 Prozent der Patienten. Allerdings können die Ergebnisse wegen der kleinen Patientenzahl und der fehlenden Kontrollgruppe bislang nicht als Standardtherapie gewertet werden, müssen also klinisch in einer sogenannten randomisierten Studie überprüft werden.

Das neue Behandlungsschema soll nun in der Heidelberger Studie (CapRI für adjuvant ChemoRadioImmuntherapy of pancreatic carcinoma) mit den Ergebnissen der weltweit größten Studie, der ESPAC-1 Studie, verglichen werden, an der die Chirurgische Universitätsklinik Heidelberg ebenfalls federführend beteiligt war. Diese Studie hat gezeigt, dass Chemotherapie nach der Operation die Überlebenschancen erheblich verbessern kann, so eine Veröffentlichung im "New England Journal of Medicine" im März 2004.

Sollten sich die Ergebnisse aus Seattle der geplanten Heidelberger Studie mit zufälliger Verteilung von insgesamt 110 Patienten in eine der beiden Therapiegruppen bestätigen, wäre dies ein wesentlicher Fortschritt in der Behandlung des Pankreaskarzinom.

Die Behandlung von Pankreastumoren mit Chemotherapie und Bestrahlung hat bislang kein besseres Ansprechen als die alleinige Chemotherapie gezeigt. Daher sind die Heidelberger Chirurgen davon überzeugt, dass die Ursache des extrem guten Erfolges des CapRI-Protokolls die Kombination der Chemotherapie und der Bestrahlung mit Interferon-alpha ist. Wissenschaftliche Untersuchungen zur Wirkweise von Interferon alpha bei Pankreaskarzinom sind deshalb ebenfalls dringend erforderlich.

Bild 1: Manfred Lautenschläger (links), Aufsichtsratsvorsitzender der MLP AG, hat der Heidelberger Stiftung Chirurgie 300.000 Euro gestiftet. Rechts Prof. Dr. Dr. h.c. Markus W. Büchler, geschäftsführender Direktor der Chirurgischen Universitätsklinik. / Foto: Petra Pflanz, Medienzentrum des Universitätsklinikums Heidelberg.

Literatur:
Neoptolemos JP, Buechler MW et. al., A Randomized Trial of Chemoradiotherapy and Chemotherapy after Resection of Pancreatic Cancer, New England Journal of Medicine 2004;350:1200-10

Picozzi VJ, Kozarek RA, Traverso LW.: Interferon-based adjuvant chemoradiation therapy after pancreaticoduodenectomy for pancreatic adenocarcinoma. Am J Surg. 2003 May;185(5):476-80.

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.stiftung-chirurgie.com
http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles

Weitere Berichte zu: Bestrahlung CapRI Chemotherapie Interferon Pankreaskarzinom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Heinz Maier-Leibnitz-Preise 2017: DFG und BMBF zeichnen vier Forscherinnen und sechs Forscher aus
23.02.2017 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht Eine Milliarde Euro für die Hochschulmedizin
17.02.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie