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Attempto-Preise 2004 - Auszeichnungen für Wahrnehmungsforschung und Tumortherapie

18.05.2004


Der Attempto-Preis 2004 geht an die Nachwuchswissenschaftler Alla Ignashchenkova und Dr. Manuel Friese. Die mit jeweils 7.500 Euro dotierten Preise werden am Dienstag, dem 18. Mai, im Rahmen der Mitgliederversammlung der Vereinigung der Freunde der Universität Tübingen e.V. (Unibund) übergeben (15 Uhr, Großer Senatssaal Neue Aula, Wilhelmstr. 5). Mit der Auszeichnung wird die innovative Leistung der beiden Forscher auf dem Gebiet der Neurologie gewürdigt. Seit 1983 wird der Preis von der Attempto-Stiftung für wichtige Fortschritte auf den Gebieten der Neurobiologie verliehen, die vom Reutlinger Ehepaar Maria-Dorothea und Konrad Ernst ins Leben gerufen wurde.

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»Immunsystem »Neurologie »Tumorzelle

Alla Ignashchenkova wurde 1973 in St. Peterburg geboren und ist wissenschaftliche Mitarbeiterin beim Zentrum für Neurologie des Universitätsklinikums Tübingen. Sie erforscht auf dem Gebiet der kognitiven Neurologie, welche Hirnzellen bei der Aufmerksamkeitsleistung des visuellen Systems beteiligt sind. Noch bevor der Mensch seinen Blick auf einen Gegenstand richtet, hat ein "interner Filtermechanismus" entschieden, welches das nächste interessante Blickziel in seinem Gesichtsfeld ist. Das Gehirn ist also auch ohne Augenbewegung in der Lage, die Aufmerksamkeit im Raum zu verschieben. In Experimenten mit trainierten Affen stellte Alla Ignashchenkova nun fest, dass die Verschiebung der Aufmerksamkeit von dem Teil des Gehirns, dem Colliculus superior, kontrolliert wird, der auch für die Steuerung der Blickrichtung verantwortlich ist. Mit dem Attempto-Preis wird die ausgefeilte Forschungsmethodik und der wesentliche Erkenntniszuwachs der Arbeit hervorgehoben, die auch im renommierten Wissenschaftsjournal "Nature Neuroscience" veröffentlicht worden ist. Die Ergebnisse können dazu dienen, Störungen der Aufmerksamkeit infolge von Schlaganfällen besser zu verstehen und zu behandeln.

Der 1973 in Hamburg geborene Dr. Manuel Friese ist wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Zentrum für Neurologie des Universitätsklinikums Tübingen. Mit seiner Forschung widmet er sich der Bekämpfung bösartiger Hirntumore, der Glioblastome. Bisher gab es keine langfristige Heilungsmöglichkeit dieser Erkrankung. In der von ihm im Tiermodell erforschten neuen Therapiemethode wird das körpereigene Immunsystem in die Lage versetzt, die Tumorzellen zu erkennen und zu zerstören. Dazu werden mittels Gentherapie spezielle Viren in die Tumorzellen eingebracht. Die Viren vermehren sich nicht weiter im Körper, veranlassen jedoch die Tumore, Gefahrensignale auszusenden. Diese Signale stimulieren das Immunsystem, die Zellen gezielt abzutöten. In Tiermodellen ist dieses Verfahren bereits erfolgreich erprobt worden. Aufgrund der Forschungsergebnisse ist es vorstellbar, Tumorpatienten mit in der Zellstruktur veränderten Tumorzellen zu impfen, um ihr Immunsystem zu stimulieren. Das Kuratorium der Attempto-Stiftung hebt in seiner Urteilsbegründung das sehr originelle wissenschaftliche Konzept hervor, das Grundlagen eines neuen Behandlungskonzepts für Hirntumorpatienten aufzeigt.


Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

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