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"Geburtshilfe" für neue Gleitlager: RUB-Maschinenbauer bekommen Siemens-Förderpreis

29.04.2004


Beim "University Embryonic Program" der Siemens Power Generation hat sich ein Forscherteam der Ruhr-Universität Bochum gegen nationale und internationale Konkurrenz durchgesetzt: Am 27. April erhielten Prof. Dr.-Ing. Ewald Georg Welp und sein Team (Lehrstuhl für Maschinenelemente und Konstruktionslehre, Fakultät für Maschinenbau der RUB) in Erlangen einen von zwei Förderpreisen, die jeweils mit 40.000 Euro dotiert sind. In ihrem Forschungsprojekt entwickeln die Bochumer Maschinenbauer neue Konstruktionsprinzipien für Turbomaschinen-Gleitlager, um die Leistungsfähigkeit der Energieerzeugungsanlagen zu steigern. Insgesamt hatten sich 18 deutsche und 6 US-amerikanische Universitäten mit 30 Projektvorschlägen um den Preis beworben.



Forschung am größten Gleitlager-Prüfstand der Welt



Die Voraussetzungen für das Projekt sind in Bochum ideal: Die RUB-Forscher können ihre Versuche am größten Prüfstand der Welt für Turbinengleitlager machen. Seit 25 Jahren arbeitet der Lehrstuhl von Prof. Welp auf diesem Gebiet. "Wenn wir den Prüfstand einschalten wollen, müssen wir vorher eine Genehmigung von der Technischen Leitwarte der Universität bekommen, sonst gehen an der RUB die Lichter aus", beschreibt Dr.-Ing. Stefan Kühl die Leistungsstärke der Anlage. Kühl leitet das Forschungsprojekt, das am 1.6.2004 startet und über zwölf Monate läuft.

Aus dem Labor in die Praxis

Gleitlager spielen eine zentrale Rolle im Kraftwerksbau: Sie stützen die rotierenden Turbinenteile und sorgen für die notwendige Stabilität der Anlagen. "Je leistungsfähiger die Gleitlager sind, desto größere Turbinen mit höheren Leistungen lassen sich einsetzen", so Dr. Kühl. "Die Energieerzeugung wird dadurch effizienter. Ziel des Projekts ist, bereits im Labormaßstab entwickelte Prinzipien für diese Gleitlager anwendbar zu machen". An ihrem Prüfstand arbeiten die Forscher mit Gleitlagern, die einen Durchmesser von einem halben Meter haben - für Turbinen, die ihrerseits mehr als vier Meter durchmessen.

Der letzte Kick zur Marktreife

Die Siemens Power Generation unterstützt in ihrem Programm, das sie in diesem Jahr erstmals ausgeschrieben hat, keine Grundlagenforschung. "Ziel ist vielmehr, neuen Entwicklungen den letzten Kick zur Marktreife zu geben", sagt Stefan Kühl. So wollen auch die Bochumer Forscher ihre neuen Gleitlager bis Mitte nächsten Jahres marktreif machen. "Embryonic" ist daher durchaus wörtlich zu nehmen: "Der Förderpreis ist eine Art Geburtshilfe für neue Produkte", so Kühl. Den zweiten Förderpreis des "University Embryonic Program" bekam ein Forscherteam der TU München.

Weitere Informationen

Dr. Stefan Kühl, Lehrstuhl für Maschinenelemente und Konstruktionslehre, Fakultät für Maschinenbau der RUB (Prof. Dr.-Ing. Ewald Georg Welp), IB 2/150, Tel. 0234/32-22578, E-Mail: kuehl@lmk.ruhr-uni-bochum.de, Internet: http://www.lmk.ruhr-uni-bochum.de/


Dr. Josef König | idw

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