Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Communicator-Preis 2004 für Hubert Wolf

28.04.2004


Kirchenhistoriker erhält 50.000 Euro für die beste Vermittlung von Wissenschaft in die Öffentlichkeit



Communicator-Preis 2004 für Hubert Wolf


Kirchenhistoriker erhält 50.000 Euro für die beste Vermittlung von Wissenschaft in die Öffentlichkeit

Der "Communicator-Preis - Wissenschaftspreis des Stifterverbandes" geht in diesem Jahr an Hubert Wolf. Der Münsteraner Professor für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte wird mit 50.000 Euro für herausragende Leistungen in der Vermittlung seiner wissenschaftlichen Arbeit in die Öffentlichkeit ausgezeichnet. Der Preis wird gemeinsam vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) am 30. September in einer Festveranstaltung mit einem Vortrag des Preisträgers im Rahmen des diesjährigen Wissenschaftssommer in Stuttgart verliehen.


Der Communicator-Preis ist in enger Zusammenarbeit zwischen DFG und Stifterverband entstanden und wird in diesem Jahr zum fünften Mal verliehen. Mit diesem Preis werden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ausgezeichnet, die sich nachhaltig und in herausragender Weise um die Vermittlung ihrer Arbeit in eine breite Öffentlichkeit bemühen. Eine Jury aus Wissenschaftsjournalisten, Kommunikations- und PR-Fachleuten beurteilt die Bewerbungen nach den Kriterien Relevanz, Zielgruppe, Originalität und Nachhaltigkeit. In diesem Jahr gingen 33 Bewerbungen aus verschiedenen Fachgebieten ein, von denen elf in die engste Wahl kamen. Unter ihnen wählte die Jury Hubert Wolf als Träger des Communicator-Preises 2004 aus.

Hubert Wolf wurde 1959 in Wört/Ostalbkreis geboren und studierte nach dem Abitur in Tübingen und München katholische Theologie. Er wurde 1985 zum Priester geweiht und 1990 zum Dr. theol. promoviert. Bereits anderthalb Jahre später habilitierte er sich in Tübingen für das Fach Mittlere und Neuere Kirchengeschichte. Im Dezember 1991 erhielt Wolf einen Ruf auf die C4-Professur für Kirchengeschichte der Universität Frankfurt. Seit 2000 lehrt er an der Universität Münster. Wolf, der 2003 den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis, den höchstdotierten deutschen Förderpreis, erhielt, beschäftigt sich mit der Auswertung der Archive der Inquisition und päpstlichen Indexkongregation. Charakteristisch für seine Arbeit ist, dass Wolf die Ereignisse in der Kirchengeschichte in größere interdisziplinäre Zusammenhänge der Politik- und Wissenschaftsgeschichte einbindet.

Wolf engagiert sich seit vielen Jahren für die breite öffentliche Vermittlung seiner Forschungsergebnisse. Er bringt in Vorträgen und Artikeln der Öffentlichkeit vorwiegend kirchengeschichtliche Themen nahe. Oft behandelt er dabei lokale Aspekte und erzählt in klaren und verständlichen Worten von einem mutigen Bischof von der Ostalb, von abtrünnigen Kirchenmännern, von Denunziationen, üblen Intrigen und auch der Großmütigkeit von Kirchenvertretern.

Schwerpunkt seiner Vermittlungsarbeit sind inzwischen die Ergebnisse aus der Aufarbeitung der vatikanischen Archive. Seit 1992 hat Hubert Wolf Zugang zu den Archiven der Inquisition und päpstlichen Indexkongregation. In zahlreichen Zeitungsbeiträgen, in Radiointerviews und Vorträgen zeichnet Wolf das aus seinen Forschungsarbeiten resultierende komplexe Bild von römischer Inquisition und Indizierung. Während er dabei mit überzeugenden Fakten gegen Vorurteile über die Geschichte der Kirche argumentiert, legt er ebenso mutig die Schwächen und Fehler seiner Institution dar. Stets erläutert er seinem Publikum sorgfältig den historischen Kontext der kirchengeschichtlichen Ereignisse.

In einer Artikelserie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im Jahr 2003 stellte Wolf zum Beispiel das Verhältnis des Vatikans zur Situation der Juden in Deutschland und Europa und zum Nationalsozialismus dar. Die spannend geschriebenen Artikel, die auf große Resonanz stießen, verbinden historiographische Genauigkeit und stilistisch verständliche Darstellung. Sie dokumentieren das Verhalten des Vatikans und zeigen auf, welche Motivation es für dessen Verhalten gab.

Die Jury würdigte Wolf als einen Aufklärer im besten Sinne, der es versteht, der breiten Öffentlichkeit durch Ehrlichkeit und Klarheit sowie durch lebendige, engagierte Darstellung die komplexen Realitäten der Kirchengeschichte zu vermitteln.

Auch das Fernsehen hat die Forschungsergebnisse von Hubert Wolf dargestellt. Aus seinem Forschungsfeld "Römische Inquisition und Indexkongregation" wurden einige Beispiele in Fernsehberichten gezeigt, so die Indizierung Heinrich Heines (1998, mit Arte). Geplant ist eine auf zwölf Jahre angelegte filmische Begleitung der Arbeiten in den Archiven des Vatikans. Auf seiner Website (www.buchzensur.de) macht Wolf die Ergebnisse der Forschung zu Inquisition und Index für jedermann zugänglich.

Der Communicator-Preis wird symbolisiert durch ein vom Kölner Künstler Michael Bleyenberg gestaltetes Hologramm. Es soll die Bedeutung der Transparenz in der Wissenschaft unterstreichen und sichtbar machen, dass es sich lohnt, die Dinge ins "rechte Licht" zu setzen. Wie das Hologramm entfaltet auch die Wissenschaft nur dann ihre ganze Leuchtkraft.

Ein Video (Format: MOV/Quicktime), das ein ausführliches Gespräch mit dem Preisträger zeigt, und weitere Informationen können ab dem 10. Mai im Internet abgerufen werden unter www.dfg.de (Rubrik: Aktuelles/Presse > Wissenschaftliche Preise). Ein Porträt von Hubert Wolf ist in dem Buch "Einblicke: Geistes- und Sozialwissenschaften in der DFG" (Bonn: Lemmens Verlag) enthalten, das auch über die DFG erhältlich ist (Heike Klebe, Tel.: 0228-885-2109; E-Mail: Heike.Klebe@dfg.de. Informationen zum Communicator-Preis erteilt ebenfalls der Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Stifterverbandes (Tel.: 0201/840-1158).
Der Preisträger selbst ist unter folgender Adresse erreichbar:

Prof. Dr. Hubert Wolf
Katholisch-Theologische Fakultät
Seminar für Mittlere und Neuere Kirchengeschichte
der Universität Münster
Johannisstraße 8-10
48143 Münster

Tel.: 0251 / 83-2 26 41
Fax: 0251 / 83-2 26 36
hwolf@uni-muenster.de


Dr. Eva-Maria Streier | idw
Weitere Informationen:
http://www.dfg.de/aktuelles_presse/preise/communicator_preis/2004/index.html

Weitere Berichte zu: Indexkongregation Inquisition Stifterverband

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen
06.12.2016 | Technische Universität Clausthal

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie