Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2004 für Mediziner und Molekularbiologen

31.03.2004


Therapien für eine neue Gruppe von Erbleiden
Preisträger wollen mit Hefezellen, Mäusen und Gentechnik Defekte des Eiweiß-Stoffwechsels erforschen


Die Hamburger Körber-Stiftung vergibt in diesem Jahr den mit EUR 750.000 dotierten Körber-Preis an ein internationales Team aus Medizinern, Biochemikern und Zellbiologen, das angeborene Erkrankungen des Glykoprotein-Stoffwechsels erforschen möchte, um neue Diagnoseverfahren und Therapien zu entwickeln. Ein internationales Kuratorium unter Vorsitz des Präsidenten der Max-Planck-Gesellschaft, Prof. Dr. Peter Gruss, hat die Preisträger ausgewählt.

Die Preisträger:

Prof. Dr. Kurt von Figura von der Abteilung Biochemie II der Georg-August-Universität Göttingen (Koordinator der Forschergruppe), Prof. Dr. Markus Aebi vom Institut für Mikrobiologie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, Prof. Dr. Thierry Hennet vom Physiologischen Institut der Universität Zürich, Prof. Dr. Jaak Jaeken vom Department of Paediatrics des University Hospital Gasthuisberg in Leuven, Prof. Dr. Ludwig Lehle vom Lehrstuhl für Zellbiologie und Pflanzenphysiologie der Universität Regensburg und Prof. Dr. Gert Matthijs vom Laboratory for Molecular Diagnosis am Center for Human Genetics in Leuven.

Bei den von den Preisträgern untersuchten Krankheiten handelt es sich um eine Gruppe von erblichen Defekten, die seit weniger als 25 Jahren bekannt sind. Sie betreffen die Herstellung einer bestimmten Klasse von Eiweißmolekülen - die Glykoproteine - und werden als Congenital Disorder of Glycosylation (CDG) bezeichnet. Die Häufigkeit entspricht etwa der anderer seltener Erbleiden wie dem Veitstanz (Chorea Huntington), der Bluterkrankheit oder der Glasknochenkrankheit.

Diagnosemethoden bis heute unerforscht

CDG-Patienten sind häufig geistig zurückgeblieben und in ihrer körperlichen Beweglichkeit eingeschränkt. Rund ein Fünftel der Erkrankten stirbt in den ersten zwei Lebensjahren an Leber- oder Nierenversagen, Herzmuskelschwäche oder Infekten. Weil die Symptome jedoch nicht so krankheitspezifisch sind wie bei vielen anderen Krankheiten, ist es umso wichtiger, verlässliche Diagnosemethoden zu entwickeln - ein Ziel des Forschungsprojektes. Die Preisträger waren die ersten, die Patienten mit CDG-Syndrom beschrieben haben und sie gehören zur Weltspitze bei der Erforschung dieser Krankheitsgruppe.

Unter den tausenden verschiedener Eiweißmoleküle, die jede Körperzelle herstellt, enthalten etwa ein Drittel auch Zuckeranteile - die Glykoproteine. Sie spielen z. B. bei Wachstum, Zelldifferenzierung, Organentwicklung, Signalübertragung, Abwehr, Entzündungen oder Krebsentstehung eine Rolle. Die Zelle bildet sie, indem sie an ein Eiweißmolekül zusätzlich ein Zuckermolekül anhängt (Glykosilierung). Bei den Patienten mit CDG-Syndrom ist jeweils einer der zahlreichen Schritte, die die Zuckeranheftung steuern, defekt.

Ziele des Forschungsprojekts:

Weshalb die Glykosylierung bei den CDG-Patienten nicht richtig funktioniert, wollen die Arbeitsgruppen um den Koordinator des Körber-Projekts Kurt von Figura mithilfe von Hefezellen sowie an Mäusen erforschen. Im Einzelnen möchten die Preisträger:

- die molekularen Ursachen von CDG aufklären;
- Hefezellen nutzen, um Erbdefekte aufzuspüren;
- das Krankheitsbild an Mausmodellen des CDG untersuchen;
- Diagnose-Methoden für Patienten entwickeln;
- neue Ansätze für Therapien von CDG finden.

Da der Vorgang der Glykosylierung in der Hefe ganz ähnlich abläuft wie in menschlichen Zellen, lässt er sich an diesem Organismus gut untersuchen. Mithilfe mutierter Hefezellen und gentechnischer Methoden lässt sich sogar feststellen, worin der jeweilige genetische Defekt beim Menschen besteht.

Daneben wollen die Preisträger das Krankheitsbild auch an Mäusen beobachten. Weil diese dem Menschen sehr viel ähnlicher sind, lässt sich bei ihnen besser als an Hefen herausfinden, wie die Krankheitssymptome zustande kommen und wie man sie vielleicht heilen kann. Schon jetzt ist es möglich, die Symptome bei zwei Formen von CDG deutlich zu lindern, indem man den Patienten jene Zuckerformen gibt, die ihre Zellen nicht korrekt herstellen. Bei anderen Patienten könnten Verfahren der Gentherapie zum Einsatz kommen.

Die Körber-Stiftung

Die Körber-Stiftung will mit ihren Projekten Bürgerinnen und Bürger aktiv an gesellschaftlichen Diskursen beteiligen. Sie versteht sich in diesem Sinne als ein Forum für Impulse. Chancen zur Mitwirkung bietet das Forum besonders in den Bereichen Politik, Bildung, Wissenschaft und Internationale Verständigung.

Wer sich als Bürger engagiert, kann Wissen weitergeben, Probleme identifizieren und Aktivitäten anregen. Mit diesen Impulsen setzen die Teilnehmer wichtige Akzente zur Alltagskultur der Demokratie.



Kuratorium des Körber-Preises

... mehr zu:
»CDG »Hefezelle


Prof. Dr. Peter Gruss (Vors.), Prof. Dr. Sir Richard John Brook,
Prof. Dr. Olaf Kübler, Prof. Dr. Volker ter Meulen,

Prof. Dr. David N. Reinhoudt, Prof. Dr. Widmar Tanner,
Prof. Dr. Heinrich Ursprung, Prof. Dr. Sigmar Wittig

Vorstand der Körber-Stiftung
Christian Wriedt (Vors.)
Dr. Klaus Wehmeier (stellv. Vors.)
Dr. Wolf Schmidt

Stiftungsrat der Körber-Stiftung
Ulrich Voswinckel (Vors.)

| ots

Weitere Berichte zu: CDG Hefezelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Förderung des Instituts für Lasertechnik und Messtechnik in Ulm mit rund 1,63 Millionen Euro
24.03.2017 | Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg

nachricht TU-Bauingenieure koordinieren EU-Projekt zu Recycling-Beton von über sieben Millionen Euro
24.03.2017 | Technische Universität Kaiserslautern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Im Focus: Designer-Proteine falten DNA

Florian Praetorius und Prof. Hendrik Dietz von der Technischen Universität München (TUM) haben eine neue Methode entwickelt, mit deren Hilfe sie definierte Hybrid-Strukturen aus DNA und Proteinen aufbauen können. Die Methode eröffnet Möglichkeiten für die zellbiologische Grundlagenforschung und für die Anwendung in Medizin und Biotechnologie.

Desoxyribonukleinsäure – besser bekannt unter der englischen Abkürzung DNA – ist die Trägerin unserer Erbinformation. Für Prof. Hendrik Dietz und Florian...

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

Zweites Symposium 4SMARTS zeigt Potenziale aktiver, intelligenter und adaptiver Systeme

27.03.2017 | Veranstaltungen

Rund 500 Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft diskutierten über technologische Zukunftsthemen

24.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fließender Übergang zwischen Design und Simulation

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Industrial Data Space macht neue Geschäftsmodelle möglich

27.03.2017 | HANNOVER MESSE

Neue Sicherheitstechnik ermöglicht Teamarbeit

27.03.2017 | HANNOVER MESSE