Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Frischer Wind in der Forschung

30.03.2004


Rund 1,5 Millionen Euro für drei weitere Gruppen im Tandem-Programm zur Förderung der fachübergreifenden Zusammenarbeit von Postdoktoranden



Das Tandemprogramm zur Förderung der fachübergreifenden Zusammenarbeit von Postdoktoranden ist in der Forschungsförderlandschaft einmalig. Mit dieser Initiative verfolgt die VolkswagenStiftung die Kombination zweier Ziele: Es geht darum, herausragende Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftler im Anschluss an die Promotion zu fördern - und dabei zugleich die jungen Forscher aufzufordern, im Zuge einer neuen, interdisziplinär ausgerichteten Aufgabe die selbstständige fachübergreifende Zusammenarbeit zu erproben und Fachgrenzen inhaltlich wie methodisch zu überschreiten. Gefördert wird ein Team von zwei, gegebenenfalls auch drei Nachwuchsforschern - angesprochen sind alle Fachrichtungen -, die sich auf diese Weise auch frühzeitig für Leitungsaufgaben in der Wissenschaft qualifizieren können, etwa für die Übernahme einer Juniorprofessur. Jetzt hat die VolkswagenStiftung insgesamt rund 1,52 Millionen Euro für drei weitere Tandems bewilligt, die sich als die besten unter rund zwanzig eingereichten Vorschlägen durchsetzen konnten.

... mehr zu:
»Ethnologie


576.900 Euro für das Vorhaben "Systemanalytisch und ökobilanziell eingebettete Entwicklung von Geopolymerbindern" von Dr.-Ing. Anja Buchwald, Mitarbeiterin bei der Professur Bauchemie an der Bauhaus-Universität Weimar, Dipl.-Geol. Marcel Weil vom Institut für Technische Chemie am Forschungszentrum Karlsruhe GmbH und Dr.-Ing. Katja Dombrowski vom Institut für Keramik, Glas- und Baustofftechnik der Technischen Universität Bergakademie Freiberg

Dieses Tandem ist ein Trio und zugleich das erste im Programm geförderte Nachwuchsforscherteam aus den Ingenieurwissenschaften. Die beiden Wissenschaftlerinnen aus Weimar und Freiberg und ihr Karlsruher Kollege beschäftigen sich mit Geopolymeren, einem neuartigen mineralischen Baustoff. Geopolymere bestehen aus einer silikatisch-aluminatischen Feststoffkomponente (das Bindemittel) und einer alkalischen Flüssigkeitskomponente (der Aktivator). Als Feststoff kommen dabei grundsätzlich auch Reststoffe wie Hochofenschlacke, Flug- oder Klärschlammasche als Beimischungen in Frage. Damit liegt auf der Hand, dass dieses kostengünstige, abfallverwertende Vorgehen dann zum Problem wird, wenn unerwünschte Beimengungen - etwa Schwermetalle - als Schadstoffe aus dem Baustoff entweichen.

Das Tandem-Team möchte nun aus den zahlreichen möglichen Feststoffkomponenten zur Herstellung von Geopolymeren die technisch, ökonomisch und ökologisch vorteilhaften Kandidaten für die Materialentwicklung auswählen, prüfen und bewerten - und zwar mittels systemanalytischer Untersuchungen und ökobilanzieller Vergleiche zu herkömmlichen Baustoffen. Neben dem geforderten bautechnischen Eigenschaftsprofil stehen etwa das Langzeitverhalten und die Umweltbilanz im Zentrum der Forschungen. Dabei wird die Ökobilanzierung nicht im Anschluss an die Prozess- und Materialentwicklung vorgenommen, sondern findet begleitend statt - um aussichtsreiche Materialzusammensetzungen frühzeitig identifizieren zu können. Am Ende könnten Vorschläge für neue Anwendungsgebiete der Geopolymere stehen - zum Beispiel Hybridkonstruktionen des billigen Massenstoffs Beton mit speziellen geopolymeren Auflagen für (schwer entflammbare) Innenschalen von Tunnelwänden. Geplant sind für den Verlauf des auf drei Jahre angelegten Vorhabens auch Workshops zu den Themen "Nutzung ökobilanzieller und stoffstromanalytischer Werkzeuge in der Werkstoffforschung" und "Aspekte der Dauerhaftigkeit von Geopolymeren".

Kontakt Bauhaus-Universität Weimar:
Professur Bauchemie
Dr.-Ing. Anja Buchwald
Telefon: 03643/584794
E-Mail: anja.buchwald@bauing.uni-weimar.de

Kontakt Forschungszentrum
Karlsruhe GmbH in der Helmholtz-Gemeinschaft:
Institut für Technische Chemie
Dipl.-Geol. Marcel Weil
Telefon: 07247/826718
E-Mail: marcel.weil@itc-zts.fzk.de

Kontakt Technische Universität Bergakademie Freiberg:
Institut für Keramik, Glas- und Baustofftechnik
Dr.-Ing. Katja Dombrowski
Telefon: 03731/39-4241
E-Mail: katja.dombrowski@ikgb.tu-freiberg.de

564.500 Euro für das Vorhaben "Persuasive Kommunikation bei den Wolof: Das Zusammenspiel sprachlicher und kultureller Aspekte" - unter der Leitung von Dr. Anna Marie Diagne vom Institut für Linguistik der Universität Köln und Dr. Christian Meyer vom Institut für Ethnologie und Afrikastudien der Universität Mainz

Das Köln-Mainzer Forscherteam möchte mit dem Projekt die Formen, Funktionen und Modalitäten persuasiver Kommunikation beim afrikanischen Volk der Wolof im Senegal erfassen. Das Projekt hat zwei Zielsetzungen: Erstens soll das "semantische Inventar" des Wolof - einer afrikanischen Akzentsprache - rund um die Begriffe Reden/Überreden/Darstellen, Eloquenz, Charisma, Autorität, Einfluss und Macht erforscht werden. Besonderes Augenmerk gilt dabei jenen Kriterien, nach denen ein Redner als kompetent und eloquent und dessen Gebrauch der Sprache in der konkreten Situation als gelungen anzusehen ist. Des Weiteren wird der Zusammenhang untersucht zwischen linguistischen Besonderheiten persuasiver Kommunikation (Prosodie, Grammatik, Semantik) und deren Kontext, der geprägt ist von bestehenden sozialen Beziehungen, situativen Erfordernissen, kulturellen Hintergründen sowie individuellen Kompetenzen, Zielen und Ambitionen.

Die Wissenschaftler - Anna Marie Diagne spricht selbst Wolof - nutzen als Anlässe für ihre Untersuchungen insbesondere die politischen Diskurse im Dorfrat und in soziopolitischen Vereinigungen sowie die informelle Alltagskommunikation, wie sie sich etwa darstellt bei Gesprächen im Gehöft und bei allgemeinen Debatten oder im Verlauf von Anschuldigung und Rechtfertigung. Sie erwarten unter anderem Erkenntnisse über die Spannung zwischen kulturellem Hintergrund und konkreter Handlung, über die Funktionsweise politischer und alltäglicher Persuasion und deren Auswirkungen auf gesellschaftliche Prozesse sowie über die Besonderheiten der Wolof-Rhetorik als Teil der politischen Kultur. Mit dieser Zusammenarbeit eines Ethnologen und einer Sprachwissenschaftlerin eröffnet sich ein Forschungsgebiet, in dem sich Ethnologie und Afrikanistik zu beiderseitigem Nutzen überschneiden - eine im deutschsprachigen Raum bisher nur sporadisch verwirklichte Zusammenarbeit.

Kontakt Universität Köln:
Institut für Linguistik
Dr. Anna Marie Diagne
E-Mail: adiagne@gmx.net

Kontakt Universität Mainz
Institut für Ethnologie und Afrikastudien
Dr. Christian Meyer
Telefon: 06131/392-2542
E-Mail: chmeyer@uni-mainz.de

379.800 Euro für das Vorhaben "Die Beziehung von Musik und Choreographie im Ballett des 16. bis 20. Jahrhunderts" von Dr. Michael Malkiewicz vom Institut für Musikwissenschaft (Schwerpunkt Tanzforschung) der Universität Salzburg und Dr. Jörg Rothkamm, Musikwissenschaftliches Institut der Universität Hamburg.

Dem deutsch-österreichischen Vorhaben zur "Beziehung von Musik und Choreographie im Ballett des 16. bis 20. Jahrhunderts" liegt die These zu Grunde, dass Ballettmusik eine besondere choreographiegerechte Komponente besitzt, die anderer Instrumentalmusik fehlt. Im Zentrum der Untersuchungen steht die Frage, inwieweit das "rhythmische Profil" die für die ästhetische Wahrnehmung maßgebliche Komponente von Ballettmusik ist und inwiefern es das Zeitkonzept dieser Kunstform bestimmt. "Rhythmisches Profil" bezieht sich dabei auf eine Analysemethode, nach der der Rhythmus der Musik in einem weiter gefassten Sinn als lediglich dem der Notation einer Tondauer verstanden wird. In der Ballettmusik sind die zu koordinierenden Tanz- und Schrittfolgen auf zeitliche Vorlagen und Impulse der Musik angewiesen, zudem müssen in einer wortlosen Kunst wesentliche Handlungsmomente akustisch akzentuiert sein, damit eine sinngemäße ästhetische Wahrnehmung möglich wird.

Im Verlauf der Ballettgeschichte von ihren Anfängen im 16. Jahrhundert bis in die jüngere Gegenwart ist die rhythmische Organisation der Musik immer komplexer geworden, was die Gattung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu einem der Experimentierfelder der musikalischen Avantgarde hat werden lassen. Dennoch hat weder die Musik- noch die Tanz- oder Theaterwissenschaft sich dieser Phänomene bisher systematisch angenommen. Diese Lücke wollen die beiden Forscher jetzt schließen. Im Zusammenspiel ihres musik- und tanzwissenschaftlichen Know-hows untersuchen sie an Balletten aus vier Jahrhunderten, ob sich rhythmische Eigenarten der Ballettmusik von choreographischen Implikationen ableiten lassen, inwieweit inhaltliche Bezüge (etwa die Akzentuierung einer konkreten Handlung) dabei eine Rolle spielen und welcher Stellenwert in der Ballettmusik der Verwendung stilisierter Tänze zukommt. Als weiter gehende Zielsetzung wollen sie die ästhetische Position des Balletts und die Interaktion der beteiligten Künste Musik und Tanz in Bezug auf deren zeitliche und räumliche Organisation theoretisch bestimmen. Dies führt letztlich zu einer grundlegenden Theorie des (klassischen) Bühnenballetts.

Kontakt Universität Salzburg:
Institut für Musikwissenschaft
Dr. Michael Malkiewicz
Telefon: 0043/662/8044-4655
E-Mail: caroso@gmx.at

Kontakt Universität Hamburg:
Musikwissenschaftliches Institut
Dr. Jörg Rothkamm
E-Mail: jrothkamm@gmx.de

-------------------------------------------

Kontakt Förderinitiative der VolkswagenStiftung
Fachgebiete der Abteilung
für Geistes- und Gesellschaftswissenschaften
Dr. Marcus Beiner
Telefon: 0511/8381 - 289
E-Mail: beiner@volkswagenstiftung.de

Fachgebiete der Abteilung für
Natur- und Ingenieurwissenschaften, Medizin
Dr. Ulrike Bischler
Telefon: 0511/8381 - 350
E-Mail: bischler@volkswagenstiftung.de

Dr. Christian Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.volkswagenstiftung.de/presse-news/presse04/30032004.htm

Weitere Berichte zu: Ethnologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Deutscher Innovationspreis für Klima und Umwelt 2017 ausgeschrieben
23.01.2017 | Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI)

nachricht Personal-Trainer zum Anziehen: Intelligente Trainingskleidung gewinnt Fashion Fusion Award
23.01.2017 | Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz GmbH, DFKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wie der Nordatlantik zum Wärmepirat wurde

23.01.2017 | Geowissenschaften

Immunabwehr ohne Kollateralschaden

23.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

23.01.2017 | Physik Astronomie