Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ausgezeichneter Krebsforscher: Jürgen Becker

09.03.2004


Ein Termin jagt den nächsten - für Professor Jürgen Becker, Oberarzt an der Hautklinik der Uni Würzburg, gehört das zum Alltag. Dass er aber an einem einzigen Tag zuerst in Dresden einen Preis verliehen bekommt, dann weiterreist nach Berlin und dort gleich die nächste renommierte Auszeichnung erhält, ist auch für den 39-jährigen Mediziner etwas Besonderes.



In Berlin nahm Becker gemeinsam mit dem Stiftungsvorstand des Deutschen Krebsforschungszentrums Heidelberg, Professor Otmar Wiestler, den mit 7.500 Euro dotierten "Deutschen Krebspreis für translationale Forschung" entgegen. Mit diesem Preis werden Leistungen geehrt, bei denen aus einem experimentellen Ansatz im Labor erste klinische Erfolge an Patienten erwachsen sind.



Becker und sein Team erforschen, welche Bestandteile von Tumorzellen sich als Angriffspunkte für eine Immuntherapie eignen. Ein Beispiel hierfür ist das Protein Survivin: Es kommt beim Menschen eigentlich nur im Embryonalstadium vor, aber nicht mehr beim Erwachsenen. Wenn es bei krebskranken Menschen wieder auftritt, dann liegt das daran, dass die ohnehin aus der normalen Bahn geratenen Tumorzellen dieses Protein fälschlicherweise aktiviert haben. Survivin trägt stark zur Überlebensfähigkeit von Tumoren bei. Da es zur normalen Ausstattung des Organismus gehört, wird es in der Regel vom Immunsystem nicht angegriffen.

Die Würzburger Gruppe um Prof. Becker entdeckte in Kooperation mit Mads Hald Andersen vom Dänischen Krebsforschungsinstitut eine verwundbare Stelle des Survivins: Ein Baustein des Proteins, ein so genanntes Peptid, löst eine zelluläre Immunantwort aus, macht also das Krebsprotein für das Immunsystem sichtbar und angreifbar. Bei ersten klinischen Studien an Patienten zeigte sich inzwischen, dass eine Impfung mit dem Peptid ohne Nebenwirkungen gut vertragen wird. Aktuell wird in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Klinik und der Frauenklinik am Würzburger Uniklinikum die klinische Wirksamkeit bei verschiedenen fortgeschrittenen Tumoren überprüft.

"Das sind erste Hoffnungsschimmer, dass die experimentellen Arbeiten von Professor Becker schon heute klinisch relevant sind. Bis zum Einsatz in der klinischen Routine ist es jedoch noch ein weiter Weg." Das äußerte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Onkologische Dermatologie, Axel Hauschild (Kiel), in seiner Laudatio, die im "Forum", dem Magazin der Deutschen Krebsgesellschaft, abgedruckt wird.

Das wissenschaftliche Werk von Becker umfasse schon jetzt knapp 100, überwiegend hoch- bis höchstrangig publizierte Originalarbeiten: "Dies ist für einen 39-jährigen Arzt und Wissenschaftler sicherlich Ausdruck von allerhöchster Originalität, aber auch Beharrlichkeit und Fleiß", so Hauschild. Zudem habe Becker die Arbeit mit den Patienten niemals aus den Augen verloren.

Die andere Auszeichnung für seine Leistungen hatte Becker wenige Stunden zuvor in Dresden bekommen. Bei einer Tagung der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Forschung erhielt er gemeinsam mit Professor Martin Steinhoff aus Münster den mit 10.000 Euro dotierten Paul-Langerhans-Preis. Dieser ist für Wissenschaftler bestimmt, die sich über Jahre hinweg "durch eine kontinuierliche und erstklassige dermatologische Forschungstätigkeit" ausgezeichnet haben. Der Preis ist als Anerkennung für Leiter von wissenschaftlichen Arbeitsgruppen gedacht, die sich in der Mitte ihrer akademischen Karriere befinden.

Becker, 1964 in Wilhelmshaven geboren, studierte Medizin in Hannover. Danach begann er seine Facharztweiterbildung zum Hautarzt an der Uniklinik Würzburg. Zwischenzeitlich arbeitete er von 1993 bis 1996 in der Abteilung für Immunologie des Scripps Research Institute in La Jolla in Kalifornien. Seit seiner Rückkehr führt er seine ärztliche Tätigkeit an der Hautklinik der Uni Würzburg weiter; hier hat er seit 2003 eine C3-Professur für Dermatologische Onkologie inne.

Kontakt: Prof. Dr. Jürgen C. Becker, T (0931) 201-26710 (Klinikpforte), Fax (0931) 201-26700, E-Mail: becker_jc@klinik.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | îdw

Weitere Berichte zu: Dermatologie Protein Survivin Tumorzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht EU-Projekt: Bilder leistungsstark und energieeffizient verarbeiten
24.01.2017 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht „Allen Unkenrufen zum Trotz“ Neues Projekt sorgt für Schutz der Gelbbauchunken in Bayern
24.01.2017 | Bundesamt für Naturschutz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mikro-U-Boote für den Magen

24.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

Echoortung - Lernen, den Raum zu hören

24.01.2017 | Biowissenschaften Chemie

RWI/ISL-Containerumschlag-Index beendet das Jahr 2016 mit Rekordwert

24.01.2017 | Wirtschaft Finanzen