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Deutscher Krebspreis für Prof. Dr. Rolf Sauer

05.03.2004


Beim 26. Deutschen Krebskongress in Berlin wurde jetzt Prof. Dr. Rolf Sauer, Direktor der Strahlenklinik am Universitätsklinikum Erlangen, mit dem Deutschen Krebspreis 2004 ausgezeichnet. Prof. Sauer ist der erste Strahlenmediziner, der diese für einen klinischen Krebsforscher höchste Auszeichnung der deutschen Onkologie erhielt.



Die bekannte Fernsehmoderatorin, Ärztin und Vorsitzende der Deutschen Schmerzliga, Dr. Marianne Koch, hob in ihrer Laudatio drei Bereiche hervor, in denen Prof. Sauer wegweisend gearbeitet habe. Mit seinen Studien zum Brustkrebs der Frau habe der Erlanger Strahlenmediziner die brusterhaltende Behandlung so propagiert, dass sie heute zur Standardbehandlung gehöre. Demgegenüber wurden in den 80er und 90er Jahren in vielen Kliniken selbst bei kleinen Formen des Brustkrebses Radikaloperationen durchgeführt. Gegen den Widerstand vieler Operateure hatte Prof. Sauer argumentiert, das Schicksal einer Frau mit Brustkrebs hinge nicht vom Ausmaß der Primäroperation ab - sofern nach der Operation die Brust bestrahlt würde. Entscheidend sei, ob zum Zeitpunkt der Operation bereits Metastasen über die Blutbahn im Körper vorliegen. Inzwischen werden in Deutschland etwa 70% der Brustkrebs-Patientinnen brusterhaltend behandelt.



Ebenfalls habe sich Prof. Sauer maßgeblich um die Entwicklung eines multimodalen Therapiekonzepts für das Harnblasenkarzinom verdient gemacht. In Zusammenarbeit zwischen der Urologischen Klinik (Klinikdirektor Prof. Dr. Karl Michael Schrott) und der Strahlenklinik am Universitätsklinikum Erlangen wurde ein sehr differenzierter Behandlungsalgorithmus entwickelt, dessen Ziel der Organ- und Funktionserhalt der eigenen Harnblase ist. Weltweit wird bei solchen Karzinomen, die nicht mehr oberflächlich wachsen, die Harnblase radikal entfernt (Zystektomie). In Erlangen kommt die Zystektomie erst dann in Betracht, wenn alle Möglichkeiten des Organerhalts mit Tumorabtragung und nachfolgender Kombinations-Radiochemotherapie ausgeschöpft sind. So kann in 80% der Fälle die Harnblase erhalten werden. Mit der Eröffnung des modernen Zentrums für regionale Tiefenhyperthermie der Erlanger Strahlenklinik Ende Februar diesen Jahres will Prof. Sauer die Erfolgszahlen des Blasenerhalts bei Krebs weiter verbessern.

Als dritter Bereich wurde der erfolgreiche Abschluss der nationalen Studie zur Begleitbehandlung von Operationen bei Enddarmkrebs gewürdigt. Chirurgen, Strahlenärzte und Internisten hatten hier unter der Erlanger Studienleitung zusammengearbeitet. Es ging um die Frage, ob Patienten mit einem Enddarmtumor erfolgreicher vor einer Tumoroperation mit einer Kombination aus Strahlentherapie und Chemotherapie behandelt werden sollten, als - wie bisher üblich - nach der Tumoroperation. Das Behandlungsprotokoll, das weltweit als einziges mit dieser Fragestellung abgeschlossen werden konnte, zeigte: Die kombinierte Radiochemotherapie vor der Tumoroperation hat weniger Nebenwirkungen. Sie erleichtert die Operation, so dass mehr Karzinome - ohne dass Krebszellen im Wundbereich verbleiben - entfernt werden können. Mit der neuen Behandlungsmethode hat sich die Zahl der Patienten mit tiefsitzendem Enddarmtumor, bei denen der Schließmuskel erhalten werden konnte, verdoppelt. Zusätzlich hat sich die Zahl der Patienten, die einen Tumorrückfall im Operationsbereich erleiden, halbiert. Hintergrund ist, dass Bestrahlung und Chemotherapie vor einer Operation über intakte Blutgefäße im und um den Tumor herum effektiver wirken können.

Ute Missel | idw
Weitere Informationen:
http://www.strahlentherapie-erlangen.de

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