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Stiftung bewilligt 144.000 Euro für neue Forschungen über Pergamente

06.02.2004


Die VolkswagenStiftung stellt dem Fachbereich Sprach- und Kulturwissenschaften der Universität Frankfurt am Main 144.000 Euro zur Verfügung für das Projekt "Neue Wege zur wissenschaftlichen Bearbeitung von Palimpsesthandschriften kaukasischer Provenienz". Als Palimpsest (griechisch: wieder abgekratzt) bezeichnet man ein beschriebenes Stück Pergament - seltener Papyrus -, dessen Beschriftung wieder abgeschabt, abgewaschen oder beispielsweise mit Bimsstein abgerieben und das dann wieder neu beschrieben wurde. Die Praktik, nicht mehr aktuelle Texte zu löschen und den Schriftträger ein zweites oder auch drittes Mal zu verwenden, war im Mittelalter aus Sparsamkeitsgründen gebräuchlich. Mit Hilfe der Fluoreszenzphotographie lässt sich der Originaltext manchmal wieder sichtbar machen. Auf diese Weise hat sich zum Beispiel Ciceros Werk "De re publica" (Über den Staat) wiedergefunden.



Ziel des Frankfurter Wissenschaftlers Professor Dr. Jost Gippert ist es, einige in Palimpsestform vorliegende Texterzeugnisse wieder öffentlich zugänglich zu machen. Partner in diesem Projekt ist das Handschrifteninstitut der Geor­gischen Akademie der Wissenschaften. Dessen Sammlung von rund 4.500 Palimpsest-Handschriften aus der Zeit des 5. bis 10. Jahrhunderts soll im Zuge einer langfristig angelegten Kooperation zwischen georgischen, deutschen und französischen Partnern für eine wissenschaftliche Edition aufbereitet werden. Beteiligt sind neben Jost Gippert der Direktor des Handschrifteninstituts der Georgischen Akademie der Wissenschaften Professor Dr. Zaza Aleksidze, der französische Orientalist und Armenologe Professor Dr. Jean-Pierre Mahé sowie der Münchner Sprachwissenschaftler Professor Dr. Wolfgang Schulze.

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Einen entscheidenden Fortschritt bei der Entzifferung der mehrfach beschriebenen Pergamente und insbesondere der Lesung der überschriebenen "unteren" Texte versprechen sich die Forscher von der Anschaffung eines speziell für Palimpsest-Handschriften entwickelten, auf Spektralanalyse beruhenden Digitalisierungssystems, das allein rund 65.000 Euro kostet. Mit Hilfe der Spektralanalyse ist es möglich, die radierte und untere Schrift von der darüber gelagerten oberen Schrift zu trennen. Im Laufe der jetzt geförderten Pilotphase sollen sich die georgischen Wissenschaftler jedoch nicht nur in die neue Technologie einarbeiten, sondern sie an zwei Palimpsest-Handschriften, die für die Forschung von herausragendem Interesse sind, einsetzen. Hierbei handelt es sich um "albanische" Handschriften aus dem Katharinen-Kloster auf dem Sinai und den Codex No. 2 der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien.

Kontakt:

Universität Frankfurt / Main
Fachbereich Sprach- und Kulturwissenschaften
Vergleichende Sprachwissenschaft:
Prof. Dr. Jost Gippert
Telefon: 069/798 - 28591
E-Mail: Gippert@em.uni-frankfurt.de

Universität München, Fakultät für Sprach- und Literaturwissenschaften
Institut für Allgemeine und Typologische Sprachwissenschaft:
Prof. Dr. Wolfgang Schulze
Telefon: 089-218053-43
E-Mail: W.Schulze@lrz.uni-muenchen.de

Dr. Christian Jung | idw
Weitere Informationen:
http://www.volkswagenstiftung.de

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