Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Physiker von BESSY erhalten Innovationspreis Synchrotronstrahlung

04.12.2003


Mit einem besonderen Trick ist es Physikern bei BESSY gelungen, an dem Elektronenspeicherring BESSY II, der eigentlich zu Erzeugung von Röntgenstrahlen gebaut ist, sehr intensive Wärmestrahlung zu erzeugen. Mit dieser auch Terahertz- (oder T-) genannten Strahlung lässt sich Materie ähnlich wie mit Röntgenlicht durchdringen.


Vier der Preisträger; von links: Dr. Heinz-Wilhelm Hübers , Dr. Godehard Wüstefeld , Dr. Karsten Holldack , Dr. Michael Abo-Bakr



Rund drei Jahren Vorarbeit waren nötig, bis in 2002 "breitbandige, sehr intensive THz-Strahlung im stabilen Dauerbetrieb" erzeugt werden konnte. "BESSY ist derzeit der einzige Speicherring der Welt, an dem dies gelungen ist", sagt Dr. Godehard Wüstefeld, der Leiter des Teams.



Für ihre Leistungen werden die Wissenschaftler nun mit dem Innovationspreis Synchrotronstrahlung ausgezeichnet. Neben Dr. Michael Abo-Bakr, Dr. Jörg Feikes, Dr. Karsten Holldack und Dr. Godehard Wüstefeld von BESSY gehört auch der Physiker Dr. Heinz-Wilhelm Hübers vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zu dem Team. Die Verleihung des mit 2.500 Euro dotierten Preises findet am Donnerstag, den 4. Dezember um 14:30 Uhr im Rahmen des jährlichen Nutzertreffens bei BESSY in Berlin-Adlershof statt.

In Elektronenspeicherringen werden Elektronen mit annähernd Lichtgeschwindigkeit durch starke Magnete auf eine Kreisbahn gezwungen. Dabei entsteht die sog. Synchrotronstrahlung. Die Wellenlängen der erzeugten Strahlung reichen von der energiereichen Röntgenstrahlung bis zur niederenergetischen Fern-Infrarot- oder Wärmestrahlung. Jedoch nimmt die Intensität der Strahlung zur Infrarot-Region hin stark ab.

Der "Trick" besteht nun darin, in einer Filigranarbeit die magnetischen Felder im Speicherring so einzustellen, dass die Länge der Pakete mit der Wellenlänge der Terahertz-Strahlung vergleichbar ist. Jedes Elektronenpaket verhält sich jetzt wie ein riesiges Partikel und emittiert kohärente Terahertz-Strahlung, d.h. die emittierten elektromagnetischen Wellen schwingen im Gleichtakt. Dadurch erhöht sich die Intensität der Strahlung auf das 100,000 fache.

BESSY ergänzt die bereits vorhandenen THz-Quellen, da sich die erzeugte Strahlung durch ihre besondere Qualität und hohe Intensität hervorragend für spektroskopische und mikroskopische Untersuchungen eignet. Das BESSY-Team ist inzwischen so erfahren, dass der neue Betriebsmodus in sog. THz-Wochen interessierten Nutzern aus der ganzen Welt angeboten werden wird. Gegenstand der Untersuchungen sind Halb- und Supraleiter, Biomoleküle aber auch Lebensmittel oder Zähne.

Der europaweit ausgeschriebene Innovationspreis Synchrotronstrahlung wird zum dritten Mal vom Verein der Freunde und Förderer von BESSY verliehen und richtet sich nicht nur an Wissenschaftler, sondern auch an Ingenieure und Techniker, die die Nutzung oder die methodische bzw. technische Erzeugung von Synchrotronstrahlung weiterentwickeln.

Die BESSY GmbH gehört zusammen mit 80 anderen außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Serviceeinrichtungen für die Forschung zur Leibnizgemeinschaft e.V. (WGL).

Dr. Markus Sauerborn | idw
Weitere Informationen:
http://www.wgl.de
http://www.bessy.de/publications
http://www.bessy.de/lab_profile/03.i_research/index.php?language=en

Weitere Berichte zu: Innovationspreis Luft- und Raumfahrt Physik Strahlung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Rosige Zeiten für die Meeresforschung: SFB „Roseobacter“ wird weitere vier Jahre gefördert
08.12.2017 | Leibniz-Institut DSMZ-Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen GmbH

nachricht Wie lassen sich künstliche Lungen implantieren?
06.12.2017 | Medizinische Hochschule Hannover

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Im Focus: Realer Versuch statt virtuellem Experiment: Erfolgreiche Prüfung von Nanodrähten

Mit neuartigen Experimenten enträtseln Forscher des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und der Technischen Universität Hamburg, warum winzige Metallstrukturen extrem fest sind

Ultraleichte und zugleich extrem feste Werkstoffe – poröse Nanomaterialien aus Metall versprechen hochinteressante Anwendungen unter anderem für künftige...

Im Focus: Geburtshelfer und Wegweiser für Photonen

Gezielt Photonen erzeugen und ihren Weg kontrollieren: Das sollte mit einem neuen Design gelingen, das Würzburger Physiker für optische Antennen erarbeitet haben.

Atome und Moleküle können dazu gebracht werden, Lichtteilchen (Photonen) auszusenden. Dieser Vorgang verläuft aber ohne äußeren Eingriff ineffizient und...

Im Focus: Towards data storage at the single molecule level

The miniaturization of the current technology of storage media is hindered by fundamental limits of quantum mechanics. A new approach consists in using so-called spin-crossover molecules as the smallest possible storage unit. Similar to normal hard drives, these special molecules can save information via their magnetic state. A research team from Kiel University has now managed to successfully place a new class of spin-crossover molecules onto a surface and to improve the molecule’s storage capacity. The storage density of conventional hard drives could therefore theoretically be increased by more than one hundred fold. The study has been published in the scientific journal Nano Letters.

Over the past few years, the building blocks of storage media have gotten ever smaller. But further miniaturization of the current technology is hindered by...

Im Focus: Successful Mechanical Testing of Nanowires

With innovative experiments, researchers at the Helmholtz-Zentrums Geesthacht and the Technical University Hamburg unravel why tiny metallic structures are extremely strong

Light-weight and simultaneously strong – porous metallic nanomaterials promise interesting applications as, for instance, for future aeroplanes with enhanced...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Papstar entscheidet sich für tisoware

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

Natürliches Radongas – zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs

08.12.2017 | Unternehmensmeldung

„Spionieren“ der versteckten Geometrie komplexer Netzwerke mit Hilfe von Maschinenintelligenz

08.12.2017 | Biowissenschaften Chemie