Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bundespräsident Johannes Rau zeichnet hervorragende Innovationen deutscher Wissenschaftler und Techniker aus

14.11.2003


Am Abend des 13.11.2003 wurde im Beisein zahlreicher Gäste aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik der mit 250.000 Euro dotierte Deutsche Zukunftspreis 2003 - Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation - von Bundespräsident Jo-hannes Rau überreicht. Die Veranstaltung fand im Deutschen Technikmuseum Berlin statt.

ZDF-Moderator Wolf von Lojewski präsentierte die festliche Preisverleihung und stellte die Projekte der vier nominierten Teams vor. Unterstützt wurde er von den Laudatorinnen Mariella Ahrens, Xenia Seeberg, Esther Schweins und Saskia Valencia.

Die Jury des Deutschen Zukunftspreises hatte erst wenige Stunden vor der Veranstaltung ihre Entscheidung getroffen. Kurz nach 21.00 Uhr gab Bundespräsident Johannes Rau diese bekannt:

Die Preisträger des Deutschen Zukunftspreises 2003 - Preis des Bundespräsidenten für Technik und Innovation - sind:

Dr. rer. nat. Kazuaki Tarumi (Sprecher),
Dr. rer. nat. Melanie Klasen-Memmer,
Dr. rer. nat. Matthias Bremer
Merck KGaA, Darmstadt

Sie wurden für ihr Projekt "Leichter, heller, schneller: Flüssigkristalle für Fernsehbildschirme" ausgezeichnet.

Ein Fernsehbild verlangt im Gegensatz zum Computermonitor besondere Qualitäten: Das Bild muss sehr hell und der Kontrast hoch sein, und rasche Bewegungen müssen natürlich wirken. Diese Anforderungen erfüllten bisher nur die klassischen Bildröhren-Fernsehgeräte. Seit kurzem sind die ersten großformatigen Fernseher auf Flüssigkristall-Basis auf dem Markt.

Das Team um Dr. Tarumi hat an dieser Entwicklung entscheidenden Anteil: Es hat seit Mitte der 90er Jahre systematisch zahlreiche flüssigkristalline Substanzen synthetisiert, verbessert und in immer wieder neuen Mischungen getestet, bis Flüssigkristall-Mischungen gefunden waren, die es ermöglichten, die neuen großen LCD-Fernsehbildschirme zu realisieren. Im Gegensatz zur Bildröhre benötigt der LCD-Fernseher nur rund 50 Prozent der Energie und hat eine doppelt so lange Lebensdauer.

Flüssigkristalle sind stäbchenförmige Moleküle, die sich in Schichten parallel zueinander orientieren. Unter dem Einfluss einer elektrischen Spannung lässt sich diese Ausrichtung verändern. 1971 entdeckten die Schweizer Schadt und Helfrich, dass sich dieses Prinzip für die Herstellung von Displays nutzen lässt. In einer transparenten Zelle verändert eine Schicht aus Flüssigkristallen durch Anlegen elektrischer Spannung ihre Orientierung derart, dass kein Licht mehr durchgelassen wird. Liegt keine Spannung an, nehmen die Flüssigkristalle ihre ursprüngliche Anordnung wieder ein. Ein schaltbares Lichtventil war erfunden.

Diese Entdeckung wurde zunächst in einfachen Displays, später in PC-Monitoren umgesetzt. Dabei können die für Displays notwendigen physikalischen Eigenschaften nicht durch eine einzige flüssigkristalline Substanz realisiert werden. Meist kommen Mischungen aus 20 bis 30 Komponenten zum Einsatz. Die Herausforderung besteht darin, dieses "Bouquet" so aufeinander abzustimmen, dass es den Anforderungen der Elektronikhersteller genügt. Das gelang dem Team um Dr. Tarumi.

Der Deutsche Zukunftspreis zeichnet einen Einzelnen oder ein Team für eine hervorragende technische, ingenieur- oder naturwissenschaftliche Innovation aus. Die Anwendungsmöglichkeit der Entwicklung, ihre Marktfähigkeit und die Schaffung von Arbeitsplätzen sind wichtige Kriterien für eine Prämierung der Forschungsleistung.

Bundespräsident Johannes Rau möchte mit dem Preis die besondere Bedeutung von Spitzenleistungen in Wissenschaft und Technik für die Weiterentwicklung des Landes aufzeigen und in der breiten Öffentlichkeit ein Bewusstsein für diese Werte schaffen. "Denn", so der Bundespräsident, "der Erfolg von Produkten "made in Germany" ist gewiss zu einem guten Teil dem technischen Know-how zu verdanken, das in ihnen steckt. Nicht alles, was in unserem Land hergestellt wird, hat etwas mit Technik zu tun, oft aber sind es die technischen Dinge, die den Unterschied ausmachen und darum besonders wichtig sind für den weltweiten Erfolg deutscher Unternehmen." Nominiert zum Deutschen Zukunftspreis 2003 waren weiterhin:

Prof. Dr. rer. nat. Günter R. Fuhr (Sprecher),
Dr. rer. nat. Rolf Hagedorn,
Dr. rer. nat. Thomas Schnelle
Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik (IBMT),
Humboldt-Universität zu Berlin,
EVOTEC Technologies GmbH, Hamburg

die mit ihrem Projekt "Halten ohne zu berühren: Lebende Zellen in elektromagnetischen Feldfallen" zeigen, wie man Zellen ohne Nebenwirkungen manipulieren kann; sie schaffen damit grundlegende Voraussetzungen für weitere Entwicklungen in Medizin und Biotechnologie.

Dipl.-Ing. Rolf Meyer (Sprecher),
Dr.-Ing. Wolfgang Niehoff
Sennheiser electronic GmbH & Co. KG, Wedemark

mit ihrem persönlichen elektronischen Tour-Assistenten. Sie entwickelten ein neuartiges besucheradaptives, multilinguales Besucherführungssystem, das zum Exponat passende Informationen unabhängig von Weg und Raum vermittelt.

Dr.-Ing. Rodolfo Schöneburg (Sprecher),
Dipl.-Ing. (FH) Karl-Heinz Baumann,
Prof. Dr.-Ing. Thomas Breitling
DaimlerChrysler AG, Stuttgart

schufen das PKW-Insassenschutzsystem PRE-SAFE, das erstmals die Bereiche Aktive und Passive Sicherheit, also Unfallvermeidung und Unfallfolgenminderung vernetzt.

Der Deutsche Zukunftspreis, so Bundespräsident Johannes Rau, zeigt uns die Menschen, die hinter neuen Produkten und Verfahren stehen. Er gilt Forschern und Entwicklern, die ihre Phantasie und Arbeitskraft auf die Lösung technischer Probleme verwenden. Er gilt auch den Persönlichkeiten, die Vorbilder für die Jüngeren sind und die dazu beitragen, dass Deutschland ein gutes Pflaster für Technik und Innovation bleibt.


Das ZDF strahlt am 14. November 2003 um 22.35 Uhr eine Sondersendung zur Verleihung des Deutschen Zukunftspreises 2003 aus, PHOENIX zeigt am 14. November 2003 ab 16.15 Uhr eine Aufzeichnung der Preisverleihung.

| ots
Weitere Informationen:
http://www.deutscher-zukunftspreis.de

Weitere Berichte zu: Flüssigkristall

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Gitterdynamiken in ionischen Leitern
18.10.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

nachricht Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren
16.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Aufräumen? Nicht ohne Helfer

19.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Biotinte für den Druck gewebeähnlicher Strukturen

19.10.2017 | Materialwissenschaften

Forscher studieren molekulare Konversion auf einer Zeitskala von wenigen Femtosekunden

19.10.2017 | Physik Astronomie