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AiF verleiht Otto von Guericke-Preis 2003

14.11.2003


Schussfaden in einer Luftdüsenwebmaschine


Bettwäsche aus Jacquard-Gewebe


AiF verleiht Otto von Guericke-Preis 2003

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Beim Jacquardweben, mit dem besonders komplexe Muster erzeugt werden können, wird die Hebung jedes Kettfadens durch eine Harnischschnur, die Senkung durch eine Rückzugsfeder bewerkstelligt. Der Harnisch besteht aus mehreren tausend Schnüren und Federn, die das Muster von der Jacquardmaschine auf das Textil in der Webmaschine übertragen. Jacquardwebmaschinen konnten bisher nur an der unteren Leistungsgrenze arbeiten, weil die Federn bei hohen Geschwindigkeiten zu stark und unkontrolliert schwingen, allzu schnell verschleißen und schließlich brechen. Hans-Jürgen Bauder und Dr. Helmut Weinsdörfer vom Institut für Textil- und Verfahrenstechnik in Denkendorf haben eine neuartige Dämpfung für die Harnischfedern entwickelt. Sie sorgt dafür, dass die Federn auch bei wesentlich höheren Prozessgeschwindigkeiten fehlerfrei arbeiten. Dafür erhalten die beiden Wissenschaftler aus Baden-Württemberg in diesem Jahr den Otto von Guericke-Preis, den die Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen "Otto von Guericke" (AiF) alljährlich verleiht.

Die innovative Federdämpfung ist in die untere Halterung der Feder integriert und besteht aus einem kleinen, wellenförmig verlaufenden Kunststoffteil, das in die Feder eingeführt wird und sie zu einer geringen Auslenkung zwingt. So dämpft diese Konstruktion die von der Jacquardmaschine ausgelöste Längsschwingung der Feder und vermeidet die Entstehung zusätzlicher Resonanzschwingungen. Dies verdoppelt die Lebenserwartung eines Harnisches. Für jeden eingesparten Harnisch entfallen An-schaffungskosten von bis zu 15000 Euro zuzüglich der Kosten für Produktionsausfall und Montage. Ein Harnischtausch stellt eine Webmaschine gewöhnlich für zwei bis fünf Tage still.


Mit der neuen Federdämpfung kann das Leistungspotenzial der Luftdüsenwebtechnologie erstmals auch in der Jacquardweberei genutzt werden. Dabei wird der Schussfaden durch einen Luftstrahl in das Webfach eingeschossen. Während konventionelle Greiferwebmaschinen maximal 600 Schuss pro Minute erreichen, werden mit Luftdüsenwebmaschinen 1000 bis 1200 Schuss pro Minute erzielt. Durch die Verringerung der Störanfälligkeit beim Jacquardweben und die gleichzeitige Produktionssteigerung ergeben sich pro Jahr rund 80000 Euro Kosteneinsparungen pro Webmaschine. Au-ßerdem steigt der Nutzungsgrad der Anlagen um bis zu 50 Prozent.

Der Franzose Joseph Marie Jacquard erfand 1805 den nach ihm benannten Webstuhl, der zu einem gewaltigen industriellen Aufschwung führte. Ein Lochkartensystem ermöglichte es, die Nadeln mit den Fäden einzeln und in beliebiger Reihenfolge zu be-wegen. So können vielfarbige, große und komplexe Muster hergestellt werden. Typische Jacquardgewebe sind Damast und Brokat.

Der 40-jährige Diplom-Ingenieur Hans-Jürgen Bauder studierte Maschinenbau an der Universität Stuttgart. Seit 1994 arbeitet er als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bereich Webereitechnik in Denkendorf. Dr. Helmut Weinsdörfer, Jahrgang 1943, absolvierte sein Maschinenbau-Studium an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen und promovierte danach in Stuttgart. Bereits seit 1974 ist er als wissenschaftlicher Mitarbeiter in Denkendorf tätig.

AiF-Präsident Johann Wilhelm Arntz überreicht den Otto von Guericke-Preis anlässlich der diesjährigen Tagung des Wissenschaftlichen Rates der AiF am 17. November 2003 in Frankfurt am Main. Die Auszeichnung würdigt herausragende Leistungen auf dem Gebiet der industriellen Gemeinschaftsforschung kleiner und mittlerer Unterneh-men. Der Preis ist mit 5000 Euro dotiert.

Ansprechpartner: Hans-Jürgen Bauder, Institut für Textil- und Verfahrenstechnik
in Denkendorf, Tel.: 0711 9340-413, E-Mail: bauder@itv-denkendorf.de

Silvia Behr | idw
Weitere Informationen:
http://www.aif.de

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