Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europa auf neuen Wegen in der Materialforschung

04.11.2003


Ein vom Forschungszentrum Jülich konzipiertes "Exzellenznetzwerk" erhält Zuschlag für begehrte EU-Fördermittel

Gegen starke Konkurrenz aus ganz Europa hat sich ein internationaler Forschungsverbund durchgesetzt, der von Jülicher Wissenschaftlern initiiert wurde: Das Exzellenznetzwerk "Soft Matter Composites" ("zusammengesetzte weiche Materie") wird künftig aus Mitteln des 6.Forschungsrahmenprogramms der EU gefördert. Nur 17 von insgesamt 430Anträgen für europäische Netzwerke im Bereich der Materialforschung erhielten bisher eine Zusage. Der Jülicher Vorschlag ist einer davon und der einzige von einer außeruniversitären Forschungseinrichtung in Deutschland.

Exzellenznetzwerke sind ein neuartiges Förderinstrument der EU, das nicht nur vorhandene Aktivitäten der Spitzenforschung bündeln, sondern eine integrierte europäische Forschung in bestimmten Themenfeldern voranbringen soll. Dazu gehört, dass die Partner gemeinsame Ziele formulieren und eine koordinierte Forschungsstrategie entwickeln. Denn nur mit solchen Forschungsverbünden bleibt die europäische Forschung auf Dauer international konkurrenzfähig.

Der Antrag für das Netzwerk "Soft Matter Composites", kurz SoftComp genannt, wurde durch die Gutachter der EU hervorragend beurteilt und im Oktober 2003 bewilligt. Unter der Leitung von Prof. Dr. Dieter Richter vom Institut für Festkörperforschung des Forschungszentrums Jülich haben sich im Netzwerk SoftComp sechs Forschungsinstitute, unter ihnen das Weizmann-Institut aus Israel und das Institut Curie aus Paris, 15 Hochschulgruppen aus sieben Ländern sowie sieben Industrieunternehmen, zusammengefunden. In einer konzertierten Aktion wollen sie die Erforschung weicher Materie voranbringen. Von A wie Autoreifen bis Z wie Zellmembran ein Großteil unserer Umwelt und nicht zuletzt wir selbst bestehen aus solchen Substanzen, die weder hart wie Stahl sind noch so nachgiebig wie Gase oder einfache Flüssigkeiten.

Wirtschaftlich wie wissenschaftlich höchst interessant sind viele dieser komplexen Materialien beispielsweise durch ihre Fähigkeit zur Selbstorganisation. "Zum ersten Mal in der Geschichte unserer Wissenschaft und Technologie sind wir in der Lage, bei der Entwicklung funktioneller Materialien von biologischen Organisationsprinzipien zu lernen", beschreibt Prof. Richter den Stand dieses sich rasch entwickelnden Forschungsfeldes. So treten oft völlig neue Eigenschaften hervor, wenn unterschiedliche Moleküle sich zu einem Verbund ordnen, wie etwa Lipidmoleküle und Eiweiße in biologischen Membranen. Technische Anwendungen von Molekül-Kombinationen ergaben sich beispielsweise durch den Zusatz von Polymeren (langen Molekülketten) zu Dieselkraftstoff, der dadurch auch bei tiefen Temperaturen flüssig bleibt. Ein anderes Polymer erhöht die Waschkraft von Tensiden. So wird weniger Waschmittel benötigt und die Umwelt geschont. Beide Erfindungen stammen aus dem Jülicher Institut für Festkörperforschung.

"Diese Entwicklungen sind aber nur ein Anfang", ist Prof. Richter überzeugt. "Bisher werden die enormen Möglichkeiten dieses Forschungsfeldes nicht ausgeschöpft, weil Wissenschaftler in Europa meist getrennt nach Disziplinen und den jeweils betrachteten Materialien arbeiten." Diese Zersplitterung soll das Netzwerk SoftComp überwinden. Denn erst wenn Industrielabors, Hochschulinstitute und Forschungszentren, Physiker, Chemiker und Biologen eng verzahnt arbeiten, entstehen umfassende Möglichkeiten, den Geheimnissen komplexer Materialien auf die Spur zu kommen und sie nutzbringend anzuwenden.

Dabei konzentrieren sich die SoftComp-Partner auf fünf Schwerpunkte: zusammengesetzte Kolloide, selbstorganisierende Oberflächen-Systeme mit Additiven, komplexe Membranen, komplexe Systeme aus Polymeren sowie Gele und Glas aus zusammengesetzten Materialien.

Gleichzeitig bietet SoftComp mit Sommerschulen, Workshops und Gastforschungsaufenthalten kontinuierlich ein hervorragendes Training für Nachwuchswissenschaftler. Dazu gehört auch ein attraktives "Eurothesis"-Programm. Doktoranden erhalten damit die Möglichkeit, ein Jahr an einem ausländischen Partnerinstitut von SoftComp zu forschen.

"Hier entsteht quasi ein virtuelles europäisches Forschungsinstitut", fasst Prof. Richter diese Aktivitäten zusammen. Entsprechend hoch sind die Anforderungen der EU an Exzellenznetzwerke. Der auf Jülicher Initiative gegründete Verbund SoftComp erfüllt sie voll und ganz.

Dr. Renée Dillinger | Forschungszentrum Jülich
Weitere Informationen:
http://www.fz-juelich.de

Weitere Berichte zu: Exzellenznetzwerk Materialforschung Polymer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Mikrophotonik – Optische Technologien auf dem Weg in die Hochintegration
21.07.2017 | VDI Technologiezentrum GmbH

nachricht 1,4 Millionen Euro für Forschungsprojekte im Industrie 4.0-Kontext
20.07.2017 | Hochschule RheinMain

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten