Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Internationales Projekt: Molekularer Aufbau von Ionenkanälen in Membranen

08.08.2003


Wissenschafter des Instituts für Röntgenphysik der Universität Göttingen sind an einem internationalen Forschungsprojekt auf dem Gebiet der Biophysik beteiligt, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im ersten Jahr der Zusammenarbeit mit rund 230.000 Euro gefördert wird.



Gemeinsam mit israelischen und palästinensischen Kooperationspartnern werden die Göttinger Forscher unter der Leitung von Prof. Dr. Tim Salditt die Struktur viraler Ionenkanäle in Modellmembranen untersuchen. Ziel der Arbeiten ist es, mit Hilfe neuer Methoden der Strukturanalyse Aufschluss über den molekularen Aufbau solcher Kanäle des Influenza- und HIV-Virus zu gewinnen. Dazu werden die Wissenschaftler Untersuchungsmethoden der Röntgenstreuung und der Infrarotspektroskopie miteinander kombinieren.

... mehr zu:
»Ionenkanal »Membran »Protein


Die beteiligten Arbeitsgruppen der Hebrew University und der Ost-Jerusalemer Al-Quds Universität werden zu einem ersten Treffen vom 19. bis 21. August 2003 in Göttingen erwartet.

Ionenkanäle werden in der Zellmembran durch Proteine gebildet, die die Durchlässigkeit für bestimmte Moleküle oder Atome kontrollieren. Auf diesem "kontrollierten Transport" in die Zelle und aus der Zelle her-aus beruhen fast alle physiologischen Prozesse. Welche Bedeutung diese Ionenkanäle zum Beispiel in der Nervenleitung haben, ist in der Wissenschaft seit langem bekannt: Schon früh wurden Messmethoden entwickelt, mit denen die Änderung der elektrischen Leitfähigkeit beim Öffnen oder Schließen eines Kanals erfasst werden kann. Im Gegensatz dazu lässt sich der molekulare Aufbau, auf dem die Funktion beruht, meist weniger gut untersuchen.

Prof. Salditt: "Wenn sich die Proteine kristallisieren lassen, kann ihre Struktur mit hoher Auflösung aufklärt werden. Gelingt die Kristallisation jedoch nicht, wie das bei den meisten Membranproteinen der Fall ist, oder sollen die Proteine in ihrer Wechselwirkung mit der Membran betrachtet werden, muss die Forschung andere Wege gehen." Eine verbesserte Präparation von Mdellmembranen durch hochgenaue Orientierung auf einer Testkörperoberfläche - in diesem Fall Silizium - soll es erlauben, die Moleküle auch ohne kristalline Anordnung mit Röntgenstreuung zu untersuchen. "Das ist insbesondere dann sinnvoll, wenn sich die ,Informationslücken’ der Röntgenmessung durch die Ergebnisse der Infrarotspektroskopie kompensieren lassen - und umgekehrt", erläutert der Göttinger Röntgenphysiker.

Das neue Verfahren soll zum Beispiel Aufschluss darüber geben, wie viele Proteine eine Pore bilden und wie sie zur Membran angeordnet sind. "Aus den Untersuchungsergebnissen zur molekularen Struktur der Ionenkanäle und ihrer Wechselwirkung mit der Membran erhoffen sich unsere Partner in der Molekularbiologie wichtige Erkenntisse darüber, auf welche Weise Influenza- und HIV-Viren ihre Wirkung im Körper entfalten", so Prof. Salditt.

Kontaktadresse:

Prof. Dr. Tim Salditt
Georg-August-Universität Göttingen
Fakultät für Phsik
Institut für Röntgenphysik
Geiststraße 11, 37073 Göttingen
Tel. 0551 - 39-9427, Fax -9430
e-mail: tsaldit@gwdg.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.roentgen.physik.uni-goettingen.de

Weitere Berichte zu: Ionenkanal Membran Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Ausschreibung des Paul-Martini-Preises 2018 für klinische Pharmakologie
19.09.2017 | Paul-Martini-Stiftung (PMS)

nachricht EU fördert exzellente Nachwuchsforschung: Zehn Auszeichnungen gehen nach Nordrhein-Westfalen
15.09.2017 | Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Im Focus: Hochautomatisiertes Fahren bei Schnee und Regen: Robuste Warnehmung dank intelligentem Sensormix

Schlechte Sichtverhältnisse bei Regen oder Schnellfall sind für Menschen und hochautomatisierte Fahrzeuge eine große Herausforderung. Im europäischen Projekt RobustSENSE haben die Forscher von Fraunhofer FOKUS mit 14 Partnern, darunter die Daimler AG und die Robert Bosch GmbH, in den vergangenen zwei Jahren eine Softwareplattform entwickelt, auf der verschiedene Sensordaten von Kamera, Laser, Radar und weitere Informationen wie Wetterdaten kombiniert werden. Ziel ist, eine robuste und zuverlässige Wahrnehmung der Straßensituation unabhängig von der Komplexität und der Sichtverhältnisse zu gewährleisten. Nach der virtuellen Erprobung des Systems erfolgt nun der Praxistest, unter anderem auf dem Berliner Testfeld für hochautomatisiertes Fahren.

Starker Schneefall, ein Ball rollt auf die Fahrbahn: Selbst ein Mensch kann mitunter nicht schnell genug erkennen, ob dies ein gefährlicher Gegenstand oder...

Im Focus: Ultrakurze Momentaufnahmen der Dynamik von Elektronen in Festkörpern

Mit Hilfe ultrakurzer Laser- und Röntgenblitze haben Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (Garching bei München) Schnappschüsse der bislang kürzesten Bewegung von Elektronen in Festkörpern gemacht. Die Bewegung hielt 750 Attosekunden lang an, bevor sie abklang. Damit stellten die Wissenschaftler einen neuen Rekord auf, ultrakurze Prozesse innerhalb von Festkörpern aufzuzeichnen.

Wenn Röntgenstrahlen auf Festkörpermaterialien oder große Moleküle treffen, wird ein Elektron von seinem angestammten Platz in der Nähe des Atomkerns...

Im Focus: Ultrafast snapshots of relaxing electrons in solids

Using ultrafast flashes of laser and x-ray radiation, scientists at the Max Planck Institute of Quantum Optics (Garching, Germany) took snapshots of the briefest electron motion inside a solid material to date. The electron motion lasted only 750 billionths of the billionth of a second before it fainted, setting a new record of human capability to capture ultrafast processes inside solids!

When x-rays shine onto solid materials or large molecules, an electron is pushed away from its original place near the nucleus of the atom, leaving a hole...

Im Focus: Quantensensoren entschlüsseln magnetische Ordnung in neuartigem Halbleitermaterial

Physiker konnte erstmals eine spiralförmige magnetische Ordnung in einem multiferroischen Material abbilden. Diese gelten als vielversprechende Kandidaten für zukünftige Datenspeicher. Der Nachweis gelang den Forschern mit selbst entwickelten Quantensensoren, die elektromagnetische Felder im Nanometerbereich analysieren können und an der Universität Basel entwickelt wurden. Die Ergebnisse von Wissenschaftlern des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel sowie der Universität Montpellier und Forschern der Universität Paris-Saclay wurden in der Zeitschrift «Nature» veröffentlicht.

Multiferroika sind Materialien, die gleichzeitig auf elektrische wie auch auf magnetische Felder reagieren. Die beiden Eigenschaften kommen für gewöhnlich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungen

Biowissenschaftler tauschen neue Erkenntnisse über molekulare Gen-Schalter aus

19.09.2017 | Veranstaltungen

Zwei Grad wärmer – und dann?

19.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

»Laser in Composites Symposium« in Aachen – von der Wissenschaft in die Anwendung

19.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zentraler Schalter der Immunabwehr gefunden

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Materialchemie für Hochleistungsbatterien

19.09.2017 | Biowissenschaften Chemie