Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Jose Carreras Stiftung fördert Entwicklung von Impfstoff gegen Leukämie

01.08.2003


Wissenschaftler entwickeln Vakzine, die bei Multiplem Myelom helfen soll. Jose Carreras Stiftung finanziert Forschungsprojekt mit 200.000 Euro



Wissenschaftler des Universitätsklinikums Heidelberg arbeiten an der Entwicklung eines Impfstoffes, der bei einem bestimmten Blutkrebs, dem Multiplen Myelom, wirksam ist und den Patienten möglicherweise die belastende Chemotherapie und Bestrahlung oder eine Stammzelltransplantation ersparen kann. Die Impfung mit dem spezifischen Protein gp96 soll weiße Blutzellen, sogenannte Killer-Lymphozyten stimulieren, die wuchernden Blutzellen im Knochenmark zu zerstören. Für das zweijährige Forschungsprojekt stellt die Jose Carreras Leukämie-Stiftung, München, insgesamt 200.000 Euro zur Verfügung.



Das Forschungsprojekt wird von Prof. Dr. Peter Terneß vom Institut für Immunologie des Universitätsklinikums Heidelberg geleitet, der zusammen mit seinem Mitarbeiter Christian Kleist den Impfstoff im Labor entwickelt. Ihre Kooperationspartner sind Privatdozent Dr. Hartmut Goldschmidt und Dr. Olaf Christensen von der Medizinischen Universitätsklinik Heidelberg, die den Impfstoff erstmals an Patienten erproben wollen. "In der ersten Phase des Projektes versuchen wir mit Hilfe eines Impfstoffes Killer-Lymphozyten, die sich gegen die Myelom-Zellen richten, in der Zellkultur zum Wachsen zu bringen," erklärt Prof. Terness. Hat sich der Impfstoff bewährt, ist der erste Einsatz am Patienten geplant.

Protein wird der Krebszelle entnommen und dem Patienten als Impfstoff injiziert

Dass Krebszellen eine Immunantwort gegen sich selbst auslösen können und somit die Zerstörung des Tumors einleiten, ist seit langem bekannt. Tumore enthalten bestimmte Proteine, die immunogen wirken, d.h. zur Produktion von Blutzellen führen, die bösartige Zellen zerstören können. Dabei handelt es sich u.a. um sogenannte Hitzeschock-Proteine, die meist verborgen im Zellinneren liegen und deshalb ihre Wirkung nicht entfalten. Hitzschockproteine, die einer zerstörten Krebszelle entnommen worden sind, provozieren als Impfstoff eine spezifische Immunantwort des Tumors. Grundsätzlich kommen mehrere Proteine als Tumor-Vakzine in Frage. Die Heidelberger Wissenschaftler haben sich für gp96 entschieden. Mit Hilfe gentechnischer Methoden ist es dem Diplom-Biologen Christian Kleist gelungen, einen Antikörper gegen gp96 herzustellen, mit dessen Hilfe das Protein aus Tumoren gewonnen werden kann.

Klinische Studien beginnen in zwei bis drei Jahren / Erweiterte Impfstrategie

Wie könnte das künftige Impf-Szenario in der klinischen Praxis aussehen? "Aus dem Knochenmark des Patienten werden Myelom-Zellen entnommen", erklärt Dr. Goldschmidt. Daraus wird das gp96-Protein gewonnen und dem Patienten injiziert. Der Aufwand ist beträchtlich, denn jeder Patient muss seine eigene Vakzine bekommen. Die Heidelberger Wissenschaftler gehen davon aus, dass klinische Studien in zwei bis drei Jahren anlaufen werden.

Mittlerweile erwägen sie, das "einfache" therapeutische Konzept zu erweitern. Sie möchten die Wirkung der Vakzine verstärken, indem sie gleichzeitig dendritische Zellen einsetzen. Diese weißen Blutkörperchen sitzen an den Eingangspforten des Körpers und fangen dort Fremdkörper ab. Grundlage der "verbesserten" Impf-Strategie: Das injizierte gp96 wird zunächst von den dendritischen Zellen aufgenommen, die wiederum die Killer-Lymphozyten aktivieren und die Zerstörung in Gang setzen. " Für die "verbesserte" Vakzinations-Strategie benötigen wir also zwei Komponenten aus dem Patienten", sagt Prof. Terneß: "Zum einen gp96 aus Tumorzellen und zum anderen dendritische Zellen, die wir aus Blutmonozyten gewinnen." Die dendritischen Zellen werden mit gp96 beladen und dem Patienten zurückinjiziert.

Ansprechpartner:

Prof. Dr. Peter Terneß,
Institut für Immunologie des
Universitätsklinikums Heidelberg
Im Neuenheimer Feld 305, 69120 Heidelberg
E-Mail: Peter_Terness@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.carreras-stiftung.de/pro.show_all.php?id=85
http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles/

Weitere Berichte zu: Blutzelle Impfstoff Killer-Lymphozyte Krebszelle Protein Vakzine

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Mit Quantenmechanik zu neuen Solarzellen: Forschungspreis für Bayreuther Physikerin
12.12.2017 | Universität Bayreuth

nachricht Jenaer Wissenschaftler für Prostatakrebs-Forschung ausgezeichnet
11.12.2017 | Universitätsklinikum Jena

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Im Focus: Electromagnetic water cloak eliminates drag and wake

Detailed calculations show water cloaks are feasible with today's technology

Researchers have developed a water cloaking concept based on electromagnetic forces that could eliminate an object's wake, greatly reducing its drag while...

Im Focus: Neue Einblicke in die Materie: Hochdruckforschung in Kombination mit NMR-Spektroskopie

Forschern der Universität Bayreuth und des Karlsruhe Institute of Technology (KIT) ist es erstmals gelungen, die magnetische Kernresonanzspektroskopie (NMR) in Experimenten anzuwenden, bei denen Materialproben unter sehr hohen Drücken – ähnlich denen im unteren Erdmantel – analysiert werden. Das in der Zeitschrift Science Advances vorgestellte Verfahren verspricht neue Erkenntnisse über Elementarteilchen, die sich unter hohen Drücken oft anders verhalten als unter Normalbedingungen. Es wird voraussichtlich technologische Innovationen fördern, aber auch neue Einblicke in das Erdinnere und die Erdgeschichte, insbesondere die Bedingungen für die Entstehung von Leben, ermöglichen.

Diamanten setzen Materie unter Hochdruck

Im Focus: Scientists channel graphene to understand filtration and ion transport into cells

Tiny pores at a cell's entryway act as miniature bouncers, letting in some electrically charged atoms--ions--but blocking others. Operating as exquisitely sensitive filters, these "ion channels" play a critical role in biological functions such as muscle contraction and the firing of brain cells.

To rapidly transport the right ions through the cell membrane, the tiny channels rely on a complex interplay between the ions and surrounding molecules,...

Im Focus: Stabile Quantenbits

Physiker aus Konstanz, Princeton und Maryland schaffen ein stabiles Quantengatter als Grundelement für den Quantencomputer

Meilenstein auf dem Weg zum Quantencomputer: Wissenschaftler der Universität Konstanz, der Princeton University sowie der University of Maryland entwickeln ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Innovative Strategien zur Bekämpfung von parasitären Würmern

08.12.2017 | Veranstaltungen

Hohe Heilungschancen bei Lymphomen im Kindesalter

07.12.2017 | Veranstaltungen

Der Roboter im Pflegeheim – bald Wirklichkeit?

05.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mit Quantenmechanik zu neuen Solarzellen: Forschungspreis für Bayreuther Physikerin

12.12.2017 | Förderungen Preise

Stottern: Stoppsignale im Gehirn verhindern flüssiges Sprechen

12.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

E-Mobilität: Neues Hybridspeicherkonzept soll Reichweite und Leistung erhöhen

12.12.2017 | Energie und Elektrotechnik