Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schrödinger-Preis 2003: Kalzium-Muster in lebenden Zellen interdisziplinär erforscht

16.07.2003


Deutsch-amerikanische Wissenschaftlergruppe erhält den Erwin Schrödinger-Preis 2003



Theoretische Analyse der Musterbildung von Kalziumkon-zentrationen als Paradebeispiel interdisziplinärer Arbeit

... mehr zu:
»Physik



Für neue Erkenntnisse zur Dynamik von Kalziumkonzentrationen in lebenden Zellen erhält ein Team aus zwei Biologen und einem Physiker den diesjährigen Erwin Schrödinger-Preis für interdisziplinäre Forschung. Der amerikanische Biologe Prof. James D. Lechleiter beobachtete als Erster komplexe Muster von Kalziumwellen in lebenden Zellen, die jetzt auch mathematisch beschrieben werden konnten. In beispielhafter interdisziplinärer Forschung ist es gelungen, Ursache und Wirkung dieser kalziumabhängigen Phänomene auf die Spur zu kommen. Die synergistische Verbindung biologischer Experimente mit theoretischer Analyse gilt als zukunftsweisend in den life sciences. Für ihre Arbeiten erhalten die Biologen Prof. James D. Lechleiter und Prof. Patricia Camacho, beide von der University of Texas in San Antonio, sowie der theoretische Physiker Dr. Martin Falcke vom Berliner Hahn-Meitner-Institut in der Helmholtz-Gemeinschaft den mit 50.000 Euro dotierten Schrödinger-Preis. Er wird vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft für herausragende Fächer übergreifende Forschungsarbeiten vergeben.


Kalzium spielt eine Schlüsselrolle in der Zellkommunikation. Wellen von Kalzium übertragen je nach ihrer Frequenz unterschiedliche Signale in der Zelle. Ihr periodisches Auftreten kann zu komplexen Mustern wie Spiralen führen. Damit ist Kalzium einer der wichtigsten intrazellulären Botenstoffe. Kalziumsignale steuern auch Vorgänge am Anfang und am Ende des Lebens, von der Befruchtung von Eizellen und bis hin zum Zelltod; sie steuern die Wundheilung und synchronisieren Leberzellen.

Durch die Arbeiten von Falcke, Camacho und Lechleiter lässt sich die Entstehung der Wellenmuster mathematisch fassen, was zu einem neuen Verständnis der Funktionsweise einzelner Zellbestandteile führt. Ein Zusammenhang zwischen Mustern von Kalziumkonzentrationen und intrazellulärer Signalübertragung war Biologen schon längere Zeit bekannt. Doch erst durch die Einbindung des theoretischen Physikers wurde es möglich, die Beziehung zwischen den Mustern und dem Verhalten von Zellbestandteilen aufzuklären.

Die Kalzium-Oszillationen spielen in vielen physiologischen Prozessen eine Rolle, bis hin zur Muskelkontraktion beim Herzschlag, würdigt die Jury-Vorsitzende, Prof. Dr. Karin Mölling von der Universität Zürich, die weit reichende Bedeutung der Forschungsarbeit an der Schnittstelle zwischen Biologie und Physik. Das Ping-Pong-Spiel zwischen Theorie und Experiment dieser beiden Forschergruppen habe die Gutachter besonders beeindruckt.

Die Ideen des Namensgebers für den Preis, Erwin Schrödinger, würden damit in faszinierender Weise fortgeführt, hebt Prof. Dr. Detlev Ganten, Jury-Mitglied und Vizepräsident der Helmholtz-Gemeinschaft hervor. Schrödinger habe als theoretischer Physiker die Existenz eines genetischen Codes vorausgesagt. Durch dessen Buch "Was ist Leben?" seien viele Forscher angeregt worden, sich mit der Verbindung zwischen Physik und Biologie zu befassen. Ein Weg, der zum Erfolg führe, wie man sehe.

Der Erwin Schrödinger-Preis des Stifterverbandes wird anlässlich der Jahrestagung der Helmholtz-Gemeinschaft am 16. Oktober 2003 im Hamburger Rathaus an die interdisziplinär arbeitende Forschergruppe übergeben.



Cordula Tegen
Helmholtz-Gemeinschaft
Kommunikation und Medien
Telefon: 0228 30818-21/22
Telefax: 0228 30818-40
E-Mail: cordula.tegen@helmholtz.de

Cordula Tegen | idw
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz.de

Weitere Berichte zu: Physik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Periimplantitis: BMBF fördert zahnärztliches Verbund-Projekt mit 1,1 Millionen Euro
21.02.2018 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Eva Luise Köhler Forschungspreis für Seltene Erkrankungen 2018 für Tübinger Neurowissenschaftler
21.02.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics