Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Röntgenpreis für einen Hoffnungsträger der Geisteswissenschaften

12.05.2003


Für seine herausragende Arbeit über das arabische Erbe in der europäischen Kultur hat Dr. Dag Nikolaus Hasse vom Institut für Philosophie den mit 5.000 Euro dotierten Röntgenpreis der Universität Würzburg erhalten. Er nahm die Auszeichnung am 12. Mai 2003 beim Stiftungsfest der Universität in der Neubaukirche entgegen.



Der Würzburger Philosoph Prof. Dr. Karl-Heinz Lembeck bezeichnete den Preisträger in seiner Laudatio als Wissenschaftler, der es von seiner Studienzeit an gelernt habe, Qualität, Originalität, Internationalität und Interdisziplinarität mit leichter Hand zusammenzubringen. Einige Arbeiten von Dr. Hasse würden schon jetzt als Referenzwerke erster Güte gelten. "Sie verbinden philologische, literatur- und wissenschaftsgeschichtliche, philosophische, ikonographische und historische Methoden mit verschiedenen Forschungsgebieten und Disziplinen, namentlich mit Philosophie, Literaturwissenschaften, Medizin sowie der Geschichte der Geheim- und Naturwissenschaften im Mittelalter, ohne dass sie dabei der Gefahr einer methodisch fragwürdigen Mixtur erliegen", so Prof. Lembeck.



Darüber hinaus verstehe es der Preisträger, seine vielleicht exotisch anmutenden Untersuchungen auch Außenstehenden zu vermitteln: Einige feuilletonistische Arbeiten, zum Beispiel in der Neuen Zürcher Zeitung, würden dies eindrucksvoll dokumentieren.

Betrachte man die Diskussionen um die Zukunft der Geisteswissenschaften, so sei Dr. Hasse diesbezüglich ein Hoffnungsträger: Er habe in einem beachtlichen Umfang neue Wege beschritten und Möglichkeiten aufgezeigt, wie sich auch in vermeintlich klassischen Fächern neue Fragestellungen entwickeln lassen und wie diesen Fächern ein zukunftsorientiertes Profil gegeben werden kann.

Dag Nikolaus Hasse, 1969 in Bremen geboren, studierte in Göttingen Geschichte, Klassische Philologie, insbesondere Lateinische Philologie des Mittelalters und der Neuzeit, Arabistik und Philosophie. Nach dem Magisterexamen arbeitete er am "Department of Near Eastern Languages and Civilizations" der Yale-Universität. 1994 wechselte er ans Warburg-Institut der Londoner Universität und promovierte dort 1997 mit höchster Auszeichnung zum PhD.

Noch im selben Jahr wurde er als Postdoktorand im Graduiertenkolleg "Ars und Scientia im Mittelalter und in der frühen Neuzeit" an der Uni Tübingen aufgenommen. Nach Würzburg kam er im Jahr 2000. Hier arbeitet er zurzeit an seiner Habilitationsschrift über die Bedeutung der arabischen Wissenschaft und Philosophie für die lateinische Kultur der Renaissance.

Der Röntgenpreis ist für herausragende Nachwuchswissenschaftler der Uni Würzburg bestimmt, die ihre Promotion erfolgreich abgeschlossen haben und noch nicht auf eine Lebenszeitprofessur berufen wurden. Er wird gemeinsam von Universität und Universitätsbund vergeben. Die Preisurkunde überreichten Universitätspräsident Prof. Dr. Theodor Berchem und Albrecht Graf von Ingelheim, Vorsitzender des Unibundes.

Ausländische Studentin ausgezeichnet

Prof. Berchem, der auch dem Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) als Präsident vorsteht, vergab dann auch den mit 800 Euro dotierten "DAAD-Preis für hervorragende Leistungen ausländischer Studierender" an die tschechische Studentin Veronika Kotulková. Diese habe das Zusammengehörigkeitsgefühl an der Uni Würzburg besonders gefördert und zu einem guten Klima zwischen ausländischen und einheimischen Angehörigen der Hochschule beigetragen.

Bei ihrem Dissertationsvorhaben - einer kontrastiven Analyse deutscher Substantivkomposita und ihrer tschechischen Entsprechungen - habe sie am Lehrstuhl für deutsche Sprachwissenschaft in kürzester Zeit die wesentlichen Grundlagen sowie wichtige Ergebnisse erarbeitet. "Ohne ihre Organisationsfähigkeiten und ihre Gabe, mehrere Leute zu gemeinsamer Arbeit zu bringen, wäre dieses Projekt noch nicht so weit", wie Präsident Berchem sagte.

Gedenkjahrstiftung für Wissenschaft

Dr. Paul Beinhofer, Regierungspräsident von Unterfranken, vergab schließlich die mit jeweils 500 Euro dotierten Preise aus der "Unterfränkischen Gedenkjahrstiftung für Wissenschaft". Diese kommen für Doktorarbeiten in Frage, die mit "summa cum laude" bewertet wurden und einen Bezug zu Unterfranken aufweisen.

Ausgezeichnet wurden Dr. Sabine Böhmert, Dr. Thomas Brückner, Dr. Kerstin Butler, Dr. Andreas Gaß, Dr. Ulrich Steiner (Jura), Dr. Mathias Buttmann, Dr. Eva Geißinger, Dr. Oliver Kurzai (Medizin), Dr. Sandra Lippert (Altertums- und Kulturwissenschaften), Dr. Wolfgang Beck, Dr. Corina Petersilka, Dr. Monika Luise Ständecke (Neuphilologien, Geschichte, Kunstgeschichte), Dr. Barbara Bötsch, Dr. Volker Hargutt, Dr. Julia Jonas (Philosophie, Erziehungs- und Gesellschaftswissenschaften), Dr. Franka Siefritz (Biologie), Dr. Bernd Klüpfel, Dr. Oliver Krebs, Dr. Dirk Leusser, Dr. Torsten Siebert, Dr. Martina Wein (Chemie und Pharmazie), Dr. Jürgen Grahl (Mathematik und Informatik), Dr. Thorsten Burger, Dr. Ansgar Dorneich, Dr. Rolf Pohmann (Physik und Astronomie).

Den Festvortrag hielt der Entwicklungspsychologe Prof. Dr. Wolfgang Schneider. Er sprach über den "Einfluss von Begabung, Wissen und Motivation auf die schulische und akademische Leistungsentwicklung". Für Musik sorgten Mitglieder des Akademischen Orchesters unter der Leitung von Universitätsmusikdirektor Rudolf Dangel. Das Stiftungsfest endete mit einem Empfang.

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Geisteswissenschaft Röntgenpreis

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Bund fördert Entwicklung sicherer Schnellladetechnik für Hochleistungsbatterien mit 2,5 Millionen
06.12.2016 | Technische Universität Clausthal

nachricht Fraunhofer WKI koordiniert vom BMEL geförderten Forschungsverbund zu Zusatznutzen von Dämmstoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
05.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Holzforschung - Wilhelm-Klauditz-Institut WKI

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie