Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Heilungschancen beim Neuroblastom

15.04.2003


Deutsche Krebshilfe fördert großes Kooperationsprojekt



Die Heilungschancen krebskranker Kinder stehen heute gut: Drei von vier Kindern können geheilt werden. Beim Neuroblastom, einer bösartigen Erkrankung der Nervenzellen, ist der Heilungserfolg abhängig vom Stadium des Tumors. Eine große Gefahr besteht darin, dass sich die krankhaft veränderten Nervenzellen im Körper ausbreiten. Wissenschaftler aus Hannover und Stuttgart wollen jetzt eine neue Therapie entwickeln, mit der die Metastasenbildung beim Neuroblastom verhindert werden kann. Das Kooperationsprojekt, das die Erfahrungen und die methodischen Kenntnisse von vier Arbeitsgruppen zusammenführt, wird von der Deutschen Krebshilfe mit rund 317.000 Euro gefördert.



Das Neuroblastom ist eine besondere Form von Nervenzellkrebs, das besonders im Kleinkindalter auftritt. Es entwickelt sich durch eine bösartige Veränderung der Vorläuferzellen, aus denen normalerweise die Nerven entstehen. Breiten sich die entarteten Zellen im Körper aus, wird es gefährlich: Lediglich bei 20 Prozent der betroffenen Kinder kann der Krebs besiegt werden, wenn die Geschwulst bereits gestreut hat. Haben sich hingegen noch keine Metastasen gebildet, können vier von fünf Kindern geheilt werden. Ein Forscherteam aus Hannover und Stuttgart möchte die Mechanismen genauer untersuchen, die zur Ausbreitung von Neuroblastomzellen im Körper führen. „Wir hoffen, neue therapeutische Konzepte entwickeln zu können, mit denen die Metastasenbildung verhindert werden kann“, erklärt Professor Dr. Sylvia Glüer von der Abteilung für Kinderchirurgie an der Medizinischen Hochschule Hannover.

An dem Forschungsprojekt sind neben Professor Glüer, Dr. Martina Mühlenhoff und Dr. Ulrich Lehmann von verschiedenen Instituten der Medizinischen Hochschule Hannover auch Wissenschaftler der Arbeitsgruppe von Privatdozent Dr. Herbert Hildebrandt am Institut für Zoologie der Universität Stuttgart-Hohenheim beteiligt.

Normalerweise werden Zellen durch so genannte Zelladhäsionsmoleküle - eine Art „Zell-Klebstoff“ - zusammengehalten. „Bei Nervenzell-Verbänden spielt dabei möglicherweise das neurale Zelladhäsionsmolekül eine zentrale Rolle“, vermutet Professor Glüer. Erst, wenn die Verbindung zwischen den Neuroblastomzellen unterbrochen ist, können die Tumorzellen auf ihre gefährliche Wanderschaft im Körper gehen. „Die verbindende Funktion des Zelladhäsionsmoleküls wird durch eine Substanz gestört, die sich an das Adhäsionsmolekül anheftet“, erläutert die Medizinerin. Hierbei handele es sich um die so genannte Polysialinsäure, die von Neuroblastomzellen gebildet werde. „Sie bewirkt, dass der Zusammenhalt der Zellen vermindert, ihr Kontakt zur Umgebung aufgehoben und somit die Metastasierung erleichtert wird“, erklärt die Biochemikerin Dr. Mühlenhoff. Das Fernziel der Forschergruppe ist es daher, die Bildung der Polysialinsäure zu blockieren, um die Ausbreitung der entarteten Nervenzellen zu verhindern. Dies könne neue Möglichkeiten für die Therapie des Neuroblastoms eröffnen.

Krebserkrankungen im Kindesalter

In Deutschland erkranken jedes Jahr 1.800 Kinder unter 15 Jahren an Krebs. Am häufigsten werden Leukämien (Blutkrebs), Tumoren des Gehirns und des Rückenmarks sowie Lymphknotenkrebs diagnostiziert. Am Neuroblastom (Nervenzellkrebs) erkranken jedes Jahr in Deutschland rund 130 Kinder neu. Etwa 90 Prozent aller krebskranken Kinder werden in kinderonkologischen Zentren und nach bundesweit einheitlichen Konzepten untersucht und behandelt. Die Deutsche Krebshilfe finanziert fast alle derzeit in Deutschland laufenden Therapiestudien bei Kindern. Die Erfolge stetig verbesserter Behandlungskonzepte sind beeindruckend: Kam die Diagnose Leukämie bei einem Kind noch vor drei Jahrzehnten einem Todesurteil gleich, überleben heute mehr als 70 Prozent der kleinen Patienten diese Erkrankung.

Pressestelle | Deutsche Krebshilfe
Weitere Informationen:
http://www.krebshilfe.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Umfangreiche Fördermaßnahmen für Forschung an Chromatin, Nebenniere und Krebstherapie
28.06.2017 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Revolutionäres Desinfektionsverfahren und Referenzmaterial für Genanalysen sind UNIQUE-Sieger
28.06.2017 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Umfangreiche Fördermaßnahmen für Forschung an Chromatin, Nebenniere und Krebstherapie

28.06.2017 | Förderungen Preise

Immunabwehr: Wie Proteine Membranbläschen zusammenbringen

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Das Auto lernt vorauszudenken

28.06.2017 | Maschinenbau