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Drei bedeutende deutsche Chemikerpreise für Forschung zu Clustern und Katalysatoren

13.03.2003


Anlässlich der Chemiedozententagung vom 16. bis 19. März 2003 in Chemnitz verleiht die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) in einer Festsitzung am 17. März drei bedeutende deutsche Chemiepreise.

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Der Wilhelm-Klemm-Preis geht an den Anorganiker Professor Dr. Günter Schmid, Essen, der Horst-Pracejus-Preis an den Organiker Professor Dr. Andreas Pfaltz, Basel, und der Carl-Duisberg-Gedächtnispreis an den im Grenzgebiet zwischen Organischer Chemie und Molekularer Biologie arbeitenden Nachwuchschemiker Professor Dr. Benjamin List, La Jolla, USA. Weitere drei Nachwuchschemiker erhalten Jahrespreise für ihre wissenschaftlichen Leistungen.

Günter Schmid konnte den Brückenschlag zwischen Chemie, Physik und möglichen Anwendungen realisieren. Sein Interesse gilt der Synthese und den physikalischen Eigenschaften von Metallclustern und Metallkolloiden. Der 1937 in Villingen-Schwennigen gebürtige Schmid studierte an der Ludwig-Maximilians-Universität München Chemie, habilitierte sich 1969 in Marburg und erhielt 1970 einen Ruf an die neu gegründete Universität Essen. Seine wissenschaftlichen Arbeiten befassten sich zunächst mit der Koordinationschemie, den Übergangsmetallkomplexen und der Borchemie. Letztere war Wurzel für die Clusterchemie. Mit Hilfe von Borverbindungen gelang es ihm, aus einfachen Goldverbindungen Goldcluster, z.B. Kuboktaeder aus 55 dichtest gepackten Goldatomen, herzustellen. Diese etwa einen Nanometer großen Goldteilchen liegen auf der Grenze zwischen dem metallischen und dem molekularen Zustand und kommen als kleinstmögliche Bausteine (Einelektronen-Transistoren) in der künftigen Nanoelektronik in Betracht. Schmid, Emeritus der Essener Universität, hat eine Firma gegründet, die sich mit Anwendungen der Nanowissenschaften beschäftigt.


Andreas Pfaltz arbeitet auf den Gebieten der synthetischen organischen Chemie, der metallorganischen Chemie, der homogenen und heterogenen Katalyse, der asymmetrischen Katalyse und der metall-katalysierten biologischen Prozesse. Der 1948 in Basel gebürtige Pfaltz studierte an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich Chemie, wo er 1978 promovierte und sich1986 habilitierte. 1990 wechselte er als Professor für Organische Chemie an die Universität Basel. 1995 bis 1999 war er Direktor und Leiter der Abteilung "Homogene Katalyse" des Max-Planck-Instituts für Kohlenforschung in Mülheim/Ruhr. Danach kehrte er auf den Lehrstuhl für Organische Chemie an der Universität Basel zurück. Seine Arbeiten über katalytische Methoden für die Synthese enantiomerenreiner Verbindungen sind von großer Bedeutung für die Herstellung biologisch aktiver Substanzen wie beispielsweise Pharmazeutika, Duftstoffe und Pflanzenschutzmittel. Enantiomerenrein heißt, dass von zwei möglichen spiegelbildlichen Verbindungen nur die eine mit der gewünschten Wirkungsweise erhalten wird. Für die metallkatalysierten Prozesse hat er neue chirale, also enantioselektiv wirkende Liganden gefunden.

Benjamin List erhält den Carl-Duisberg-Gedächtnispreis in Annerkennung seiner grundlegenden und eleganten Beiträge auf dem Gebiet der Organokatalyse, besonders für den Nachweis und die Nutzung der enzymähnlichen Eigenschaften von Prolin. List, 1968 in Frankfurt geboren, studierte Chemie an der Freien Universität Berlin und promovierte in Frankfurt über die Synthese von Substrukturen des Vitamin B12. Als Postdoc zog es ihn an das Scripps Research Institute in La Jolla (Kalifornien), wo er sich zunächst mit katalytischen Antikörpern beschäftigte. Seit 1999 ist er dort am Department Molecular Biology Assistant Professor. Er befasst sich mit der Frage, wie klein ein Biomolekül, wie klein ein Enzym eigentlich werden kann, ohne seine katalytische Aktivität und vor allem seine Selektivität einzubüßen. Er brachte z. B. die einfache Aminosäure Prolin als hocheffizienten enantioselektiven Katalysator wieder ins Rampenlicht. Das einfache Molekül besitzt das Potenzial, viele unterschiedliche Reaktionen an vielen verschiedenen Substraten mit gleichbleibend hohen Enatiomerenüberschüssen zu katalysieren.

Dass zwei der drei GDCh-Preise für Katalyseforschung vergeben werden, ist nicht verwunderlich, stellt die Katalyse, obschon lange wissenschaftlich bearbeitet und technisch realisiert, doch eine Schlüsseltechnologie für die Zukunft dar. Der Namensgeber des zweitgenannten Preises, Horst Pracejus, forschte selbst erfolgreich auf dem Gebiet der chiralen Katalyse. Der an den Industriechemiker Carl Duisberg erinnernde Preis wird an erfolgreiche Nachwuchswissenschaftler verliehen. Besonders herausragende Arbeiten auf dem Gebiet der anorganischen Chemie werden mit dem Wilhelm-Klemm-Preis ausgezeichnet. Alle drei Preise sind mit je 7.500 Euro dotiert.

Auf der Chemiedozententagung werden auch die Jahrespreise der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Universitätsprofessoren für Chemie an junge Chemiker und Chemikerinnen verliehen. Die ADUC-Jahrespreise erhalten in Chemnitz Dr. Thorsten Glaser, Universität Münster, der sich mit dem rationalen Design ferromagnetischer Wechselwirkungen zur Darstellung molekularer magnetischer Materialen beschäftigt, Dr. Arne Lützen, Universität Oldenburg, der in Chemnitz seine Arbeiten zur Nutzung von Selbstorganisationsprozessen und allosterischen Effekten in der molekularen Erkennung vorstellt, und Dr. Cosima Stubenrauch, Universität Köln, die neue Aspekte von dünnen Flüssigkeitsfilmen untersucht.

Dr. Kurt Begitt | idw
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

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