Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Europäische Union fördert Erstellung einer Datenbank alternativ gespleißter Erbinformationen

06.02.2003


Wie können 35.000 bis 40.000 Gene - nicht einmal doppelt so viele, wie sie die winzige Taufliege Drosophila aufzuweisen hat - all das beinhalten, was den hochkomplexen menschlichen Organismus ausmacht? Die Antwort liegt in einem Auswahlverfahren, das genetische Informationen auf unterschiedliche Art zusammenstellt und zurechtstutzt. Das so genannte "alternative Spleißen" sorgt dafür, dass die jeweils erforderlichen Eiweißprodukte entstehen.



Die Systematisierung des Wissens über diesen Vorgang und der Zugang zu diesem Wissen über Datenbanken stehen im Mittelpunkt eines Großprojekts, das von der Europäischen Union mit 2,5 Millionen Euro gefördert wird. Wissenschaftler aus Deutschland, England, Spanien, Frankreich und Israel sind daran beteiligt. Die Koordination liegt bei Prof. Dr. Stefan Stamm vom Institut für Biochemie (Emil-Fischer-Zentrum) der Universität Erlangen-Nürnberg.

... mehr zu:
»DNA »Erbinformation »Gen »Organismus »Spleißen


Die in den menschlichen Genen gespeicherte Erbinformation legt einige Eigenschaften, beispielsweise Augenfarbe oder Geschlecht, vollständig fest. Vieles andere ist nur tendenziell angelegt, wie die Körpergröße und die Neigung zu Krankheiten. Die DNA gibt wie eine Matrize vor, welche Eiweißverbindungen gebildet werden können. Die Protein-Bauanleitungen sind zwischen Abschnitte der Erbsubstanz eingelagert, die keinen derartigen Code enthalten.

Zu Beginn der Zusammensetzung eines Eiweißstoffs werden DNA-Abschnitte auf eine RNA genannte Zwischenstufe übertragen, die in einem Reifungsprozess in eine Boten- oder messenger-RNA (mRNA) umgewandelt wird. Informationstragende Stücke werden verbunden, andere Teile entfernt. Diesen Vorgang bezeichnet man als prä-mRNA Spleißen. Von alternativem Spleißen ist die Rede, wenn Erbinformationsstücke, je nachdem, ob sie der Organismus braucht, in die Boten-RNA eingebaut oder herausgeschnitten werden.

Aus etwa 60 % aller menschlichen Gene werden durch alternatives Spleißen mehrere Proteine hergestellt. Gesteuert werden diese Prozesse über die Kombination von ca. 500 Proteinfaktoren. Es ist deshalb äußerst schwierig, vorherzusagen, welche Stücke der Erbinformation zusammen gespleißt werden. Kein Computerprogramm ist dazu bisher in der Lage. Solche Kenntnisse wären jedoch in hohem Grade nützlich, denn alternatives Spleißen sichert nicht nur die Vielfalt von Genprodukten, sondern spiegelt auch krankhafte Entwicklungen wieder. Die Spleißmuster sind beispielsweise bei Krebs, der Alzheimerschen Erkrankung oder schweren erblichen Erkrankungen des Blutes verändert.

Viele tausend Ergebnisse pro Experiment

Aus diesem Grund wurde ein europäisches Konsortium gegründet, das Datenbanken von alternativ gespleißter Erbinformation erstellen wird. Neuentwickelte Computerprogramme sollen sicherstellen, dass diese Datenbanken optimal genutzt und ausgewertet werden können. Die aufbereiteten Informationen werden auf DNA Mikrochips festgehalten, Glasträgern von etwa zwei Quadratzentimetern Fläche, auf denen Tausende von Genprodukten in einem einzigen Experiment nachgewiesen werden können. Mit ihrer Hilfe soll gezeigt werden, dass verändertes alternatives Spleißen eine Erkrankung oder die Prädisposition dazu bedeuten kann.

Die Datenbank alternativer Spleißvorgänge und die Auswertungsprogramme werden Wissenschaftlern helfen, eigene Befunde zu diesem wichtigen Vorgang bessern zu verstehen. Aussagekräftige Informationen sollen auch klinischen Medizinern zugänglich sein, die nicht auf Molekularbiologie spezialisiert sind. Die Entwicklung von DNA-Mikrochips lässt ein vollkommen neues Nachweissystem erwarten, mit dem eine Vielzahl von Krankheiten molekular besser diagnostiziert und verstanden werden kann. Die am Konsortium beteiligte französische Firma Exonhit wird behilflich sein, die Forschungsergebnisse in die Praxis umzusetzen.

Für drei Jahre fördert die Europäische Union das Vorhaben im Teilbereich "Die Zellfabrik" ihres Förderbereichs "Quality of Life and Management of Living Ressources". Der offizielle Titel des Projekts lautet "ASD: the alternative splicing database - a novel tool to diagnose human disease".

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Stefan Stamm
Institut für Biochemie
(Emil-Fischer-Zentrum)
Telefon 09131/ 85 - 24622
stefan@stamms-lab.net

Gertraud Pickel | idw

Weitere Berichte zu: DNA Erbinformation Gen Organismus Spleißen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Eine Milliarde Euro für die Hochschulmedizin
17.02.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

nachricht Sensible Daten besser analysieren
16.02.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Im Focus: Innovative Antikörper für die Tumortherapie

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig von diesen teuren Medikamenten profitieren, wird intensiv an deren Verbesserung gearbeitet. Forschern um Prof. Thomas Valerius an der Christian Albrechts Universität Kiel gelang es nun, innovative Antikörper mit verbesserter Wirkung zu entwickeln.

Immuntherapie mit Antikörpern stellt heute für viele Krebspatienten einen Erfolg versprechenden Ansatz dar. Weil aber längst nicht alle Patienten nachhaltig...

Im Focus: Durchbruch mit einer Kette aus Goldatomen

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des Wärmetransportes

Einem internationalen Physikerteam mit Konstanzer Beteiligung gelang im Bereich der Nanophysik ein entscheidender Durchbruch zum besseren Verständnis des...

Im Focus: Breakthrough with a chain of gold atoms

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

In the field of nanoscience, an international team of physicists with participants from Konstanz has achieved a breakthrough in understanding heat transport

Im Focus: Hoch wirksamer Malaria-Impfstoff erfolgreich getestet

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Tübinger Wissenschaftler erreichen Impfschutz von bis zu 100 Prozent – Lebendimpfstoff unter kontrollierten Bedingungen eingesetzt

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungen

Physikerinnen und Physiker diskutieren in Bremen über aktuelle Grenzen der Physik

21.02.2017 | Veranstaltungen

Kniffe mit Wirkung in der Biotechnik

21.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit den Betriebsräten Sozialpläne

21.02.2017 | Unternehmensmeldung

Der Lkw der Zukunft kommt ohne Fahrer aus

21.02.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Zur Sprache gebracht: Und das intelligente Haus „hört zu“

21.02.2017 | Messenachrichten