Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Novartis-Stiftung vergibt Stipendium zur Erforschung des hepatozellulären Karzinoms

16.10.2002


Zwischen Abwehr und Toleranz - dem Leberkrebs auf der Spur



Der Leberkrebs, das hepatozelluläre Karzinom (HCC), gehört zu den häufigsten Tumoren weltweit. Trotz erfolgreicher Impfkampagnen gegen Hepatitis B nehmen die Neuerkrankungen an dieser sehr bösartigen und schnell wachsenden Krebsform auch in den Industrieländern zu. Die Gründe: auch das Hepatitis C-Virus, gegen das noch nicht geimpft werden kann, so genannte Aflatoxine, die mit angeschimmelter Nahrung aufgenommen werden können, sowie insbesondere exzessiver Alkoholmissbrauch führen zur Leberzirrhose und im Endstadium schließlich zum HCC. Eine Heilung der Tumorerkrankung ist heute nur in seltenen Fällen möglich und wenn überhaupt, dann nur durch operative Entfernung betroffener Bereiche oder durch eine Lebertransplantation.



Ein Forschungsvorhaben an der soll nun klären helfen, inwieweit Eingriffe in das Immunsystem den Krebs besiegen könnten. Unterstützt wird dieses Projekt von der Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung in Nürnberg: Am 16. Oktober 2002 ist anlässlich der Eröffnung des Akademischen Jahres der Universität Freiburg ein Graduierten-Stipendium an Dr. med. Christian F. Grimm verliehen worden.

Die Leber erfüllt im Abwehrsystem (Immunsystem) des menschlichen Organismus eine Schlüsselrolle. Als Stoffwechsel- und Entgiftungsorgan kommt sie fortwährend in Kontakt mit Giftstoffen (Toxinen) und mit mikrobiellen Bestandteilen aus dem angrenzenden Darm. Besonders wichtig ist hier ein sehr subtiles Gleichgewicht von Abwehr und Toleranz. Potenziell schädigende Substanzen müssen rasch beseitigt, geschädigte Leberzellen schnell ersetzt werden, ohne dass es zu einer überschießenden Immunreaktion, einer ausufernden Entzündung kommt. Schon lange ist auch die außerordentlich große Regenerationsfähigkeit des Lebergewebes bekannt. Die Leber ist das einzige Organ des Menschen, das sich nach einem Verlust der Hälfte des Gewebes durch erhöhte Zellaktivität auf seine ursprüngliche Größe und Funktion wiederherstellen kann.

Eine fortlaufende Zellteilung ist aber auch eines der wichtigsten Merkmale eines Tumors. Darüber, wie Tumorzellen in der Leber von gewebsständigen und einwandernden Abwehrzellen erkannt werden, ist allerdings noch wenig bekannt. Eine Schlüsselrolle, soviel ist gewiss, kommt den so genannten dendritischen Zellen zu. Diese nehmen am Ort des Tumorwachstums verschiedene Tumorbestandteile, so genannte Tumorantigene, auf und zerlegen diese. Während der Wanderung in die regionalen Lymphknoten reifen die dendritischen Zellen aus und entwickeln viele Arme (Dendriten), auf denen spezielle Moleküle (MHC-1- und MHC-2-Moleküle) sitzen. Diese Moleküle stellen das Instrument dieser Immunzellen dar, mit dem sie die zuvor verarbeiteten Antigene des Tumors weiteren Abwehrzellen, insbesondere den T-Zellen, präsentieren. Damit versetzen sie diese in die Lage, Tumorzellen und schädigende Substanzen zu erkennen und zu bekämpfen.

Auf welche Weise die dendritischen Zellen überhaupt durch die Tumoren aktiviert werden, wodurch das eher immununterdrückende Milieu in der Leber aufgehoben wird, wie und an welchen Orten die Kommunikation der Abwehrzellen untereinander abläuft, soll jetzt mit dem Forschungsvorhaben der Arbeitsgruppe um Dr. Grimm geklärt werden. Eine wichtige Rolle in dem immunologischen Geschehen könnte das Alfa-Fetoprotein (AFP) spielen, das von rund 60 Prozent aller Lebertumoren in erhöhtem Ausmaß produziert wird. Wiewohl heute schon eine Kontrolle des AFP-Spiegels zum Standard der Tumordiagnostik gehört, ist noch völlig ungeklärt, ob AFP an den wichtigen Orten des immunologischen Geschehens eher eine unterdrückende Wirkung auf das Immunsystem hat oder ganz im Gegenteil als ein spezifisches Tumorantigen beim HCC des Menschen anzusehen ist. Eine Klärung dieser Fragen könnte unmittelbar zu neuen Therapieansätzen gegen das HCC beitragen. In Verbindung mit lokal-ablativen Verfahren, mit denen ein starker immunologischer Stimulus in der Leber gesetzt wird, könnte zum Beispiel eine immunstimulierende Therapie unter Berücksichtigung der genauen Rolle des AFP künftig einen Durchbruch in der Behandlung bisher therapieresistenter Leberzellkarzinome sein.

Die Novartis-Stiftung für therapeutische Forschung stellt jedes Jahr deutschlandweit bis zu 93.000 Euro für Graduierten-Stipendien zur Verfügung. Die Vergabe dieser Fördermittel erfolgt völlig unabhängig: Die Einrichtungen von Forschung und Lehre der Universitäten werden dazu aufgefordert, aus dem Kreise ihrer Nachwuchswissenschaftler selbst die vielversprechendsten Projekte zur Stipendienvergabe vorzuschlagen.

Pressedienst "wissenschaftlich medizinische erkenntnisse"
c/o Redaktionsbüro Martin Wiehl
Bebelstraße 53
99086 Erfurt
Tel. 0361/6435413
Fax 0361/6435406
E-Mail: Martin.Wiehl@t-online.de

Martin Wiehl | presseportal

Weitere Berichte zu: AFP Abwehrzelle HCC Hepatitis C Immunsystem Karzinom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Über zwei Millionen für bessere Bordnetze
28.04.2017 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

nachricht Innovationspreis 2017 der Deutschen Hochschulmedizin e.V.
24.04.2017 | Deutsche Hochschulmedizin e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie