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Von der Forschung in die Schule: neue Wege im Chemieunterricht

05.06.2002


Das Bundesministerium für Bildung und Forschung bewilligt 730 000 Euro für einen neuen Ansatz, das Fach Chemie in der Schule zu unterrichten, und um daran zu untersuchen, wie sich Innovationen in der Schule realisieren lassen.

Spätestens seit PISA ist allen klar: Der Unterricht in Deutschland ist verbesserungswürdig. Am Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN) in Kiel wird in Kooperation mit den Universitäten Oldenburg und Dortmund das Projekt "Chemie im Kontext" verfolgt, das den vielfach beschriebenen Problemen des naturwissenschaftlichen Unterrichts in Deutschland entgegenwirken möchte: dem insgesamt geringen Fachinteresse, den häufig negativen Einstellungen gegenüber den Fächern Chemie und Physik, dem unbefriedigenden Lernerfolg und der häufig einseitigen methodischen Gestaltung entlang eines fragend-entwickelnden Unterrichtsgesprächs.

Die Unterrichtskonzeption Chemie im Kontext steht dabei auf drei Säulen:

  • Kontextorientierung: Unterrichtsinhalte sind authentische, für die Schüler/innen relevante Fragestellungen, anhand derer sich chemische Inhalte erarbeiten lassen. Diese Einbettung in Kontexte macht deutlich, wie bedeutungsvoll die Wissenschaft Chemie für den Einzelnen ist.
  • Basiskonzepte: Die Unterrichtskonzeption zielt ferner darauf ab, dass in verschiedenen Kontexten zentrale chemische Basiskonzepte erarbeitet werden. Dabei legt Chemie im Kontext besonderen Wert darauf, dass diese Konzepte verstanden und in Transferaufgaben angewendet werden können.
  • Methodenwahl: Der Unterricht in diesem Projekt ist durch eine möglichst große Methodenvielfalt gekennzeichnet. Damit ist verbunden, dass das selbstgesteuerte Lernen in verschiedenen Phasen mehr Bedeutung erhält und sich die traditionellen Lehrer-Schüler-Rollen verändern.

Chemie im Kontext wird seit fast vier Jahren zusammen mit Lehrkräften aus mehreren Bundesländern entwickelt, die das Konzept in der Schule erproben und weiterentwickeln. Erste Pilotstudien zeigen, dass die Schülerinnen und Schüler insbesondere die Bedeutsamkeit der Unterrichtsinhalte und die Instruktionsqualität in diesem Chemieunterricht positiver beurteilen. "In Großbritannien, wo eine ähnliche Konzeption seit über zehn Jahren in der Schule eingeführt ist, zeigen Studien eine deutliche Zunahme des Interesses am Chemieunterricht im Vergleich zu herkömmlichem Chemieunterricht", weiß Frau Dr. Parchmann, Leiterin des Projekts am IPN, zu berichten. Chemie im Kontext erscheint daher als eine erfolgversprechende Initiative zur Verbesserung des Chemieunterrichts.

Verschiedene andere Initiativen haben allerdings in den vergangenen Jahren kaum Eingang in die Schulpraxis gefunden und damit auch nicht zu nachhaltigen Veränderungen geführt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung hat nun ein Forschungsprojekt bewilligt, das unter der Federführung des IPN (Dr. Ilka Parchmann, Prof. Dr. Reinhard Demuth) in enger Kooperation mit der Universität Dortmund (Prof. Dr. Bernd Ralle) und der Universität des Saarlandes (Prof. Dr. Cornelia Gräsel) durchgeführt wird und insgesamt mit einem Volumen von 730 000 Euro ausgestattet ist.

In dem Projekt geht es im Wesentlichen darum, Faktoren zu ermitteln, die für eine erfolgreiche Umsetzung und eine dauerhafte Verwendung innovativer Unterrichtskonzeptionen in der Schulpraxis bedeutsam sind. Dieser Forschungsfrage wird exemplarisch anhand der schulischen Realisierung von Chemie im Kontext nachgegangen. Dabei arbeiten Lehrkräfte und Personen aus den Gebieten der Unterrichtsforschung und der Lehreraus- und -weiterbildung gemeinsam an Weiterentwicklung des Chemieunterrichts, indem der zu Grunde liegende konzeptionelle Ansatz unter den jeweiligen landes- und schulspezifischen Bedingungen konkretisiert, erprobt und evaluiert wird.

An dem Projekt nehmen zur Zeit bereits 11 Bundesländer teil. Es ist zunächst eine Laufzeit von drei Jahren geplant, wobei innerhalb dieser Zeit bereits eine Dissemination durch ein Multiplikatorensystem innerhalb der Länder sowie die Einbeziehung weiterer Länder vorgesehen ist. Die Ergebnisse werden in ihren Aussagen nicht auf das vorliegende Konzept beschränkt bleiben, sondern allgemeinere Schlüsse auf eine Verbesserung des naturwissenschaftlichen Unterrichts sowie die Optimierung von Implementationsstrategien zulassen.

Verantwortlich und Rückfragen:
Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften (IPN)
Dr. Ilka Parchmann
Tel.: 0431 / 880-1610
Fax: 0431 / 880-5352
E-Mail: parchmann@ipn.uni-kiel.de

Das IPN gehört zu den insgesamt 79 außeruniversitären Forschungseinrichtungen und Serviceeinrichtungen für die Forschung der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. (WGL). Das Spektrum der Leibniz-Institute ist breit und reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften und Museen mit angeschlossener Forschungsabteilung. Die Institute arbeiten nachfrageorientiert und interdisziplinär. Sie sind von überregionaler Bedeutung, betreiben Vorhaben im gesamtstaatlichen Interesse und werden deshalb von Bund und Ländern gemeinsam gefördert.

Dr. Frank Stäudner | idw
Weitere Informationen:
http://www.ipn.uni-kiel.de/
http://www.wgl.de/

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