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4,4 Mio. DM für die Medizinforschung gespendet

21.08.2001


Für innovative Verfahren der Diagnostik und Therapie spendet die Marga und Walter Boll-Stiftung der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln 4,4 Mio. DM, wobei sich die Dauer der einzelnen Fördermaßnahmen jeweils über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren erstreckt. Das Spektrum der geförderten Projekte reicht von der Transplantationsmedizin über die Reorganisation nach einem Schlaganfall bis hin zur rheumatoiden Arthritis. Auf einer Pressekonferenz hat heute der Rektor der Universität zu Köln, Professor Dr. Tassilo Küpper, zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden der Marga und Walter Boll-Stiftung, Dr. rer. pol. Joachim Kerz, die geförderten Projekte vorgestellt.

Marga und Walter Boll-Stiftung fördert innovative Verfahren der Diagnostik und Therapie

Für innovative Verfahren der Diagnostik und Therapie spendet die Marga und Walter Boll-Stiftung der Medizinischen Fakultät der Universität zu Köln 4,4 Mio. DM, wobei sich die Dauer der einzelnen Fördermaßnahmen jeweils über einen Zeitraum von zwei bis drei Jahren erstreckt. Das Spektrum der geförderten Projekte reicht von der Transplantationsmedizin über die Reorganisation nach einem Schlaganfall bis hin zur rheumatoiden Arthritis. Auf einer Pressekonferenz hat heute der Rektor der Universität zu Köln, Professor Dr. Tassilo Küpper, zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden der Marga und Walter Boll-Stiftung, Dr. rer. pol. Joachim Kerz, die geförderten Projekte vorgestellt.

Im einzelnen werden folgende Vorhaben gefördert:
Ziel des Projektes zur Früherkennung von akuten wie chronischen Abstoßungen (Leiter: Professor Dr. Conrad A. Baldamus, Direktor der Klinik IV für Innere Medizin) ist es, ein kontinuierliches Überwachungssystem der immunologischen Reaktion im Transplantat aufzubauen, um so immunologische Veränderungen im Sinne einer Abstoßungsreaktion bereits in den Anfängen zu erfassen. Dazu werden Lymphozyten im Urin bei der Nierentransplantation und Lymphozyten im Gallesekret bei Lebertransplantation untersucht. In Urin und Galle sind im Gegensatz zum Blut die Lymphozyten hochkonzentriert, die die fremden Gewebeeiweiße der Organe attackieren. Aufgrund spezifischer Oberflächenmerkmale und Reaktionsprodukte im Zellinneren spiegeln diese Lymphozyten die immunologische Situation im Transplantat wider. Diese typischen Produkte können mit modernen Techniken der Molekularbiologie erfasst werden.

Im Rahmen der von Professor Dr. Volker Diehl, Direktor der Medizinischen Klinik I, geleiteten Untersuchungen zur Pathogenese der rheumatoiden Arthritis soll die Rolle löslicher Botenstoffe des Immunsystems ebenso wie die Bedeutung von aktivierten Entzündungszellen sowohl im Blut der Patienten wie auch in der Gelenkinnenhaut analysiert werden. Dabei sollen Patienten mit rheumatoider Arthritis ebenso wie auch Patienten mit anderen Gelenkerkrankungen untersucht werden. Für die Ausbildung eines Entzündungsgewebes ist insbesondere eine ausreichende Durchblutung wesentlich. Bei der dafür erforderlichen Blutgefäßneubildung spielen ebenfalls lösliche Faktoren eine Rolle, deren Regulation ebenfalls Gegenstand der Untersuchungen innerhalb des geförderten Forschungsprojektes sein wird.

Der Erweiterung des Verständnisses für mögliche Zusammenhänge molekulargenetischer und zellulärer Veränderungen als Ursache bösartiger ventrikulärer und atrialer Arrhythmien und der Entwicklung neuer Therapiestrategien soll ein Forschungsprojekt dienen, das unter der Leitung von Professor Dr. Erland Erdmann, Direktor Klinik für Innere Medizin III, steht. Hierzu soll eine Kombination der klassischen zellulären Elektrophysiologie, ein Adenovirus-vermittelter Gentransfer in vitro in Säugetierzellen und in humanen Herzmuskelzellen sowie in vivo in kleinen Versuchstieren (Ratten und Meerschweinchen) dienen. Zur Beantwortung der Fragestellung werden Ionenkanäle der Zellmembran, die Form und Dauer des Aktionspotentials bestimmen, selektiv mittels Adenovirus-vermittelter Infektionen überexprimiert. Auf dem Boden der bekannten Daten zur Größe und Kinetik der am Aktionspotential beteiligten Ionenkanäle soll in Zusammenarbeit mit dem Mathematischen Institut der Universität (Direktor: Professor Dr. Tassilo Küpper) ein ein- und zweidimensionales Modell eines myokardialen Zellnetzwerks entwickelt werden, um die Entstehung von Arrhythmiemechanismen mathematisch zu simulieren und aus den Ergebnissen Rückschlüsse für mögliche Ansatzpunkte von Ionenkanalmodifikationen zur Therapie zu gewinnen.

Ziel eines weiteren, ebenfalls von Professor Erdmann geleiteten Forschungsprojektes ist es, mit Hilfe einer Überexpression des Natrium-Kalzium-Austauschers dessen Rolle bei der Regulation der Kalzium-Homöostase der Myokardzelle zu untersuchen. Mit Hilfe dieser Überexpression (vermehrte Expression) können möglicherweise die Veränderungen, wie sie am erkrankten menschlichen Herzmuskel auftreten, kompensiert werden. In dem beantragten Forschungsmodell werden an isolierten Herzmuskelzellen die Natrium-Kalzium-Austauscherpumpen mit Hilfe eines Vektorkonstructers (Virus mit Informationen, den Natrium-Kalzium-Austausch zu bilden) überexprimiert und dann der Einfluß auf die Kontraktionseigenschaften analysiert.

Jährlich werden in einer Großstadt wie Köln etwa 2.000 Menschen von einem Schlaganfall betroffen, wobei etwa 20 Prozent an den Folgen versterben und 50 Prozent mehr oder weniger behindert bleiben. Sprachstörungen (Aphasien) und Lähmungen (motorische Einschränkungen) sind häufig vorkommende Defizite nach Schlaganfällen und eine auffallende Stigmatisierung des Patienten. In der von Professor Dr. Wolf-Dieter Heiss, Klinik und Poliklinik für Neurologie, geleiteten Studie werden Mechanismen sprachlicher und motorischer Restitution und Reorganisation nach Schlaganfall untersucht. So werden bei Aphasikern Sprachaktivierung und bei überwiegend motorisch Beeinträchtigten motorische Stimulation etwa zwei Wochen und nach mehrwöchiger Therapie Prädiktoren etabliert, die besonders eng mit wiedererlangter kommunikativer Kompetenz und motorischer Restitution korreliert sind. Bei aphasischen Patienten soll nach Inaktivierung der rechtshirnigen homotopen sprachassoziierten Regionen mittels repetitiver transkranieller Magnetstimulation der in seiner prognostischen Relevanz (die Rehabilitation fördernd oder hemmend) noch ungeklärte Beitrag dieser Regionen zur Restitution der Sprachfunktion untersucht werden. In einer doppelblinden, placebokontrollierten, randomisierten Studie soll untersucht werden, ob neuropharmakologisch der Prozess der therapeutisch-rehabilitativen Maßnahme gefördert werden kann und welche neurophysiologischen Änderungen damit einhergehen.

Ziel des von Professor Dr. Arnulf H. Hölscher, Direktor der Klinik für Viszeral- und Gefäßchirurgie, geleiteten Forschungsvorhabens ist es, durch den gezielten Einsatz modernster molekularbiologischer Verfahren wie der "quantitativen real time RT-PCR" und der "BioChip-Technologie" Tumore vor einer anstehenden Behandlung zu untersuchen. Mit Hilfe dieser Technologien kann der Aktivitätszustand multipler Gene gemessen werden, um möglicherweise diejenigen Patienten zu identifizieren, welche von einem Vorbehandlungskonzept profitieren bzw. nicht profitieren. Durch Anwendung der BioChip-Technologie können Tausende von Genen simultan über den Aktivitätszustand untersucht werden und gegebenenfalls unbekannte, maßgeblich für die Empfindlichkeit eines Tumors auf Strahlen- und Chemotherapie verantwortliche Gene entdeckt werden. Diese kostenintensiven und aufwendigen Spezialuntersuchungen sollen durch die Zusammenarbeit von drei Arbeitsgruppen unter Führung von Dr. Paul M. Schneider aus der Klinik für Visceral- und Gefäßchirurgie, Professor Dr. Walter Doerffler, Leiter des Instituts für Genetik, und Dr. Stephan E. Baldus aus dem Institut für Pathologie im Sinne einer "konzertierten Aktion" durch Zusammenarbeit von klinischen- und basis-wissenschaftlich orientierten Forschergruppen durchgeführt werden. Hierdurch könnte es in naher Zukunft möglicherweise gelingen, unwirksame, für den Patienten belastende und zudem kostenintensive Therapien zu vermeiden und individuelle Behandlungsstrategien beim Speiseröhrenkrebs aber auch anderen soliden Tumoren oder deren Metastasen zu entwickeln.

In einem weiteren, von Professor Dr. Martin Krönke, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene, geleiteten Projekt soll die optimale Struktur der Gewebsantigene des Spenderorgans (HLA Moleküle) definiert und biotechnologisch in größerem Umfang hergestellt werden. Das Ziel des Projektes ist es, die notwendigen präklinischen Untersuchungen abzuschliessen, um die Möglichkeiten von rekombinanten HLA Molekülen für die Verhinderung bzw. Behandlung sowie der Diagnostik von Abstoßungsreaktionen in der Transplantationsmedizin einschätzen zu können.

Die Marga und Walter Boll-Stiftung wurde auf Initiative von Frau Marga Boll gegründet, die der Stiftung ihre wesentliche Beteiligung an der zunächst in Köln und seit 1976 in Kerpen ansässigen Firma Boll & Kirch Filterbau GmbH als Vermächtnis ausgesetzt hat. Die Stiftung hat es sich nach dem Willen ihrer Stifterin und ihrer Satzung zur Aufgabe gesetzt, in gleichem Maße Hilfe und finanzielle Unterstützung bei der Linderung sozialer Notstände zu leisten, wie auch durch die Förderung von Wissenschaft und Forschung zur Verbesserung der Lebensgrundlagen innerhalb der Gesellschaft beizutragen. Die Stiftung wurde von der Stifterin, Witwe des Mitgründers der Firma Boll & Kirch Filterbau GmbH, Walter Boll, bereits zu deren Lebzeiten gegründet. Nach dem Tode der Stifterin im Jahre 1997 wurde ihre Beteiligung an der Firma Boll & Kirch Filterbau GmbH in die Stiftung eingebracht und bildet seitdem den wesentlichen Teil ihres Vermögens.

Im Bereich Wissenschaft und Forschung fördert die Stiftung sowohl die Grundlagen- als auch die angewandte Forschung, insbesondere auf den Gebieten der technischen Wissenschaften, der Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften, der Bio- und Naturwissenschaften sowie der Medizin- und Gesundheitswissenschaften. Der Vorstand hat beschlossen, zunächst einen besonderen Schwerpunkt der Förderung auf den Bereich der Medizin- und Gesundheitswissenschaften zu legen, wobei insbesondere innovative Verfahren der Diagnostik und Therapie im Blickfeld stehen. Ein erheblicher Anteil an dieser Förderung entfällt auf Forschungsaktivitäten, die derzeit von verschiedenen Lehrstühlen der Medizinischen Fakultät an der Universität zu Köln durchgeführt werden.

Anneliese Odenthal | idw

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