Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

IOC fördert Dopingforschung - Münchener Arbeitsgruppe erhält DM 425.000,--

30.07.2001


Seit einigen Jahren gerät auch das Wachstumshormon immer wieder in die Schlagzeilen, da es zu Dopingzwecken von Sportlern verwendet wird. Bis heute jedoch gibt es kein anerkanntes Nachweisverfahren. Erwischt werden können die Athleten eigentlich nur bei Zollkontrollen, wie zuletzt bei den Olympischen Spielen in Sydney ein Offizieller des Usbekischen Teams, der mit einigen Ampullen hGH anreiste.

Zwar hatten bereits 1999 Wissenschaftler aus der Arbeitsgruppe Neuroendokrinologie an der Medizinischen Klinik Innenstadt des Klinikums der Ludwig-Maximilians Universität in München ein erfolgversprechendes Nachweisverfahren in der angesehenen Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht. Dies stieß jedoch zunächst auf taube Ohren bei den Offiziellen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). Im Herbst letzten Jahres hatte dann Dr. Patrick Schamasch, der Medizinische Direktor des IOC, die Münchner Wissenschaftler um den Endokrinologen Dr. Christian J. Strasburger besucht und sich deren Pläne für einen unabhängigen Bestätigungstest erläutern lassen. Nach mehreren Ankündigungen haben die Münchner Forscher nun DM 425.000,-- bewilligt bekommen, um ihr Projekt in die Tat umzusetzen.

Hauptschwierigkeit bei dem Nachweis von gentechnisch hergestelltem hGH in Dopingproben ist, dass dieses absolut identisch ist mit der Hauptform des vom menschlichen Körper in der Hirnanhangdrüse selbst produzierten hGH. Allerdings produziert die menschliche Hirnanhangdrüse neben dieser Hauptform zusätzlich noch weitere, minimal unterschiedliche Formen von hGH. Das Verfahren der Münchner beruht nun auf der Messung des Anteils dieser von der Hauptform unterscheidbaren Varianten. Spritzt sich ein Athlet das gentechnisch hergestellte hGH, so weist sein Blut eine überdurchschnittlich hohe Konzentration der Hauptform von hGH auf.

Gleichzeitig hört seine Hirnanhangdrüse - da ja genug von außen zugeführtes hGH vorhanden ist - auf, selber hGH zu produzieren.

Gleichzeitig hört seine Hirnanhangdrüse - da ja genug von außen zugeführtes hGH vorhanden ist - auf, selber hGH zu produzieren. Dies führt zu einer deutlichen Verminderung der hGH-Varianten im Blut, da diese ja im gentechnisch hergestellten hGH nicht vorkommen. Spezifisch Messen kann man die minimale unterschiedlichen hGH-Moleküle mit sogenannten monoklonalen Antikörpern - Eiweißen, die vom Immunsystem gegen körperfremde Stoffe gebildet werden und spezifisch an diese "andocken" können. Seit mehr als 10 Jahren entwickelt Dr. Strasburger mit seinen Mitarbeitern nun eine Vielzahl solcher Antikörper speziell gegen Wachstumshormon. Dadurch war die Gruppe in der Lage, Antikörper zu selektieren, die nicht alle Moleküle binden, die ungefähr wie hGH gebaut sind, sondern sehr spezifisch nur bestimmte Unterformen von hGH.

Um das Verfahren für Dopingkontrollen nutzbar zu machen, sollten Ergebnisse mit einer unabhängigen Methode bestätigt werden können. Diese zu entwickeln ist das Ziel des jetzt vom IOC geförderten und zunächst auf 2 Jahre angelegten Forschungsprojektes. In Ergänzung zu dem bereits publizierten Verfahren der Gruppe, bei dem Blutproben direkt mit Hilfe der monoklonalen Antikörper untersucht werden, soll nun versucht werden, die unterschiedlichen Varianten des körpereigenen hGH auch nach ihren physikochemischen Eigenschaften aufzutrennen. Hierbei spielen minimale Unterschiede der Moleküle in der Größe (Molekulargewicht) und in der elektrischen Ladung (Isoelektrischer Punkt) eine entscheidende Rolle. Diese Eigenschaften werden mit der Technik der zweidimensionalen Elektrophorese untersucht. Ziel ist, so die Varianten von hGH - bzw. deren Fehlen nach Doping mit gentechnisch hergestelltem hGH - direkt sichtbar zu machen, um die Sicherheit der Methode zu erhöhen. Nach der zweijährigen Entwicklungsphase soll der dann vorliegende Test an einer großen Zahl von Blutproben im Rahmen von Studien überprüft werden. Bei erfolgreichem Verlauf des Projektes könnte so bereits bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 der Test auf Doping mit hGH zur Routine gehören.

Dr. Martin Bidlingmaier | ots

Weitere Berichte zu: Antikörper Hirnanhangdrüse IOC

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope
20.10.2017 | Freie Universität Berlin

nachricht Gitterdynamiken in ionischen Leitern
18.10.2017 | Justus-Liebig-Universität Gießen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise